Tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein

Wenn das Leben nach Brustkrebs nach Veränderung ruft

„Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“ - Christian Morgenstern

 

Letzte Woche war ich im Ausland und bin mit dem Taxi vom Flughafen zu meinem Domizil gefahren. Die Straßen waren hoffnungslos verstopft, nur Stop-and-go. Ich unterhielt mich mit dem Taxifahrer und meinte, dass das doch furchtbar sein müsse – dieser Verkehr, jeden Tag.

Er antwortete etwas erstaunlich Weises:
„Ich darf das nicht als stressig ansehen. Würde ich es tun, wäre es nicht der richtige Job für mich und er würde mir nur Energie nehmen. Mein Job ist es, Sie von hier nach dort zu bringen. Genau das tue ich. Der Service ist das, was zählt.“

Diese Worte haben mich irgendwie berührt und auch zum Nachdenken gebracht. Der Mann war kein Gelehrter, kein Coach, kein sonst was. Er war einfach ein Mensch, der intuitiv verstanden hat, was ihm guttut. Nicht der Umstand an sich, denn den kann er nicht ändern, sondern der Umgang mit der Situation ist entscheidend. Das hat mir gut gefallen. 

Die Frage lautet also: Wenn ich nicht 100 Pro mit meinem Job oder meinem Leben zufrieden bin, möchte ich es verändern? Oder reicht es, meine Einstellung zum Leben zu verändern? 

Ich denke an viele Frauen, die ich begleitet habe und die sich an einem Punkt immer gefragt haben, was fange ich mit meinem „neu“ gewonnenen Leben an? Passt alles noch so, wie es bisher in meinem Leben verlaufen ist?

Gerade nach einer Krebsdiagnose, wenn plötzlich alles Kopf steht und eigentlich nichts mehr so ist wie vorher, merken viele, dass das alte Leben nicht mehr richtig passt. Prioritäten verschieben sich, Grenzen werden klarer, und manches, was früher „okay“ war, fühlt sich plötzlich schwer oder sinnlos an. 

Ich denke, dann ist genau der Moment gekommen, um ehrlich hinzuschauen: Welche Aufgaben, Menschen oder Routinen tun mir noch gut? Und was passt schlicht nicht mehr zu dem Menschen, der ich heute bin?

Vielleicht ruft das Leben nach Veränderung. Vielleicht auch nach Perspektivwechsel. Und das muss nicht immer ein radikaler Schnitt sein. Oft beginnt Veränderung ganz leise, Schritt für Schritt. Hier ein paar Ideen, die dir dabei helfen können:

 

1. Erst fühlen, dann sortieren

Spüre in dich hinein: Wobei verliere ich Energie? Was tut mir gut? Was halte ich nur aus Gewohnheit fest? Dieses Bewusstwerden ist der erste Schritt zu Klarheit. Schreibe es dir auf. Ein Tagebuch hilft dir dabei.

 

2. Die Perspektive wechseln

Der Taxifahrer hat es einfach, aber so klar gesagt: „Ich darf das nicht als stressig ansehen.“ Die Straßen waren verstopft, der Verkehr chaotisch und doch zog er daraus keine negative Energie. Er hat seine Haltung geändert, nicht die Situation.

Und genau darum geht es beim Perspektivwechsel:
Nicht alles im Leben können wir ändern. Krebs, der Job oder Beziehungen, es gibt Dinge, die einfach sind, wie sie sind. Wenn wir versuchen, alles zu kontrollieren oder dagegen anzukämpfen, kostet uns das viel Kraft und Energie. Perspektivwechsel bedeutet: Ich nehme die Situation an, wie sie ist – und schaue, was ich daraus machen kann.


Wenn du dich fragst: „Was wäre, wenn ich das anders betrachte?“ oder „Was würde passieren, wenn ich das als Chance sehe?“, öffnest du dein Denken. Möglicherweise entstehen Ideen, Wege oder Lösungen, die du vorher nicht gesehen hast.


Beispiel: Statt zu denken „Ich bringe nach der Erkrankung nichts mehr auf die Reihe“, könntest du fragen: „Wie kann ich meine Energie jetzt am besten einsetzen?“ Das ist eine neutrale, keine wertende Frage und lenkt den Fokus von Einschränkung auf Gestaltung.

Die Perspektive zu wechseln gibt das Gefühl: Ich kann wählen, wie ich auf das Leben reagiere. Das ist besonders nach einschneidenden Ereignissen wie Krebs enorm kraftvoll, weil wir merken, dass wir das Außen nur begrenzt kontrollieren können, aber sehr wohl unsere innere Haltung.

Vieles im Alltag wird erst durch unsere Bewertung stressig. Wenn wir unsere Haltung ändern, wird die gleiche Situation plötzlich leichter. So wie der Taxifahrer, der den Stau nicht als Last sieht, sondern als Teil seines Jobs, den er souverän erledigt.

Eine kleine Übung für dich: 

Nimm dir dein Tagebuch oder ein Blatt Papier. Schreibe eine belastende Situation auf und formuliere diese dann bewusst in eine neutrale oder positive Sichtweise.

 

3. Klein anfangen

Veränderung bedeutet nicht, das ganze Leben auf den Kopf zu stellen. Oft reicht ein kleiner Schritt, um etwas in Bewegung zu bringen: Aufgaben im Alltag anpassen, bewusste Pausen einlegen, Grenzen setzen oder mehr Zeit draußen in der Natur verbringen. 

Es muss auch nicht immer ein neuer Job oder eine große Karriereentscheidung sein. Manchmal liegt das, was uns erfüllt, in etwas ganz anderem: ein neues Hobby, ein Ehrenamt oder ein kreatives Projekt kann genauso viel Energie, Freude und Zufriedenheit schenken. 

Kleine Schritte summieren sich und schon bald merkst du, dass sich mehr in deinem Leben verändert hat, als du gedacht hättest.

 

4. Ein „Mut-Konto“ führen

Nimm dir ein Blatt Papier oder dein Tagebuch und schreibe jeden Tag eine kleine Sache auf, die für dich Mut gebraucht hat: Heute beim Arzt nachgefragt, den Streit mit der Freundin beigelegt, deine Meinung im Meeting vertreten, ein neues Hobby ausprobiert oder neue soziale Kontakte geknüpft.

Das Konto hilft dir, dich zu erinnern: Veränderung muss nicht von null starten. Jeder kleine Schritt zählt und du kannst auf bereits gezeigtem Mut aufbauen. Das macht neue Schritte leichter, weil du erkennst: Ich habe das schon einmal geschafft, ich kann das wieder.

Nach einigen Wochen siehst du, wie sich dein „Mut-Konto“ füllt und wie stark du eigentlich bist.

 

5. Unbequem sein dürfen

Gerade wir Frauen haben oft gelernt, immer lieb, korrekt oder gefällig zu sein. Nach Krebs (eigentlich auch schon davor…) darf man klar sagen: „Das passt nicht mehr für mich.“  „Nein“. 

„Nein“ zu sagen heißt nicht, unfreundlich zu sein oder jemanden vor den Kopf zu stoßen, sondern auf sich selbst zu achten.

Jim Rohn sagt: „If you don’t like how things are – change it. You’re not a tree.“


Und genau das ist die Einladung: Du bist kein Baum. Du darfst dich bewegen. Schritt für Schritt. Langsam, leise, aber bewusst.

 

6. Unterstützung zulassen

Veränderung fällt leichter, wenn wir nicht alles allein stemmen müssen. Nach einer Krebsdiagnose ist das besonders spürbar: Körper, Geist und Emotionen haben viel erlebt und kleine oder große Entscheidungen kosten Energie. Unterstützung kann in vielen Formen kommen:

Coaching oder Psychotherapie kann helfen, Gedanken zu ordnen, Ängste zu verstehen und Strategien zu entwickeln. Gerade beim Einstieg in neue Routinen oder berufliche Veränderungen ist ein neutraler Blick oft sehr wertvoll.

Menschen, die Ähnliches erlebt haben, geben Bestätigung und Orientierung. Zum Beispiel in Selbsthilfegruppen. Sie zeigen: Ich bin nicht allein. 

Familie und Freunde: Auch wenn sie nicht alles nachvollziehen können, ist es oft eine große Entlastung, über Gefühle, Sorgen oder Ideen zu sprechen. Manchmal reicht schon, gehört und verstanden zu werden.

Im Job kann gezieltes Feedback durch vertrauensvolle Mentorinnen oder Kolleginnen Mut geben, sich Neues zuzutrauen oder Veränderungen auszuprobieren.  

 

Fazit

Veränderung kann herausfordernd sein, muss aber nicht überwältigend sein. Es geht nicht darum, alles auf einmal zu ändern, sondern bewusst kleine Schritte zu gehen, die dein Leben stimmiger machen.

Hier nochmal die TOP 3 Aufgaben, mit denen du starten kannst:

➡️ Mut-Konto führen – notiere jeden Tag kleine Dinge, bei denen du Mut gezeigt hast, egal wie unscheinbar sie erscheinen.

➡️ Perspektivwechsel üben – wähle eine Situation, die dich belastet und frage dich: „Wie könnte ich sie anders sehen?“

➡️ Einen kleinen neuen Schritt ausprobieren – ein Spaziergang in der Natur, ein Hobby starten, ein Gespräch führen, das dir schon länger wichtig ist.

Ich wünsche dir, dass du ganz viel Klarheit, Energie und Selbstvertrauen gewinnst. 💫

 

Hier noch weitere  schöne und passende Zitate, die ich gefunden habe:

 

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.“ - Albert Schweitzer

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“ - Chinesische Weisheit

„Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur.“ - Max Frisch

 

 

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