Zwischen den Welten: Wenn der Job nach der Diagnose nicht mehr passt
„Ich habe keine Lust mehr auf meinen Job, aber ich weiß auch nicht, was ich stattdessen machen soll.“
Diesen Satz höre ich oft. Besonders von Frauen, die eine Zäsur wie Brustkrebs hinter sich haben. Wenn die Behandlungen abgeschlossen sind und der Alltag wieder anklopft, stellen viele fest: Die alte Welt passt nicht mehr. Man kehrt zurück an den Schreibtisch, in die Meetings, in die Routinen - und spürt eine tiefe Fremdheit.
Ich möchte dir sagen: Dieses „Dazwischen“ ist völlig normal. Es ist kein Zeichen von Undankbarkeit oder Orientierungslosigkeit. Es ist ein Reifeprozess.
Warum Unklarheit kein Stillstand ist
Barbara Sher, die wunderbare Autorin von „Wishcraft“, beschreibt das so: Es gibt Phasen, in denen wir erst einmal spüren müssen, was nicht mehr passt, bevor sich zeigt, was als Nächstes entstehen darf.
Stell dir vor, du räumst deinen Kleiderschrank aus. Bevor die neuen, passenden Sachen einziehen können, herrscht erst einmal Chaos auf dem Boden. Du sortierst aus. Du beendest innere Verträge, die du vor Jahren mit dir selbst (oder deinem Arbeitgeber) geschlossen hast. Du schaffst Raum.
Was tun, wenn man feststeckt?
Wenn der Knoten nicht von allein platzt, hilft es, den Fokus wegzulenken von der Frage „Was ist mein neuer Job?“ hin zu der Frage „Wer bin ich heute?“.
Nach einer schweren Erkrankung haben sich deine Prioritäten oft verschoben.
Hier sind drei Ebenen, die wir uns gemeinsam anschauen können, um den Weg zu ebnen:
1. Die Inventur deiner Stärken (Jenseits der Stellenbeschreibung)
Oft nutzen wir im Job nur einen Bruchteil dessen, was uns eigentlich ausmacht.
- Die Erklärerin: Du bist extrem gut darin, komplexe Themen einfach zu vermitteln, sitzt aber in einer Rolle, in der du nur Daten verwaltest.
- Die Brückenbauerin: Du kannst Konflikte ruhig und klar lösen, arbeitest aber in einem Umfeld, in dem kaum kommuniziert wird.
- Die Qualitätsbewusste: Du hast ein Auge fürs Detail, aber in deinem Job zählt nur „schnell-schnell“.
- Die Resiliente: Vielleicht hast du durch deine Krankheitsgeschichte eine neue Form der Gelassenheit und Empathie entwickelt, die in deinem aktuellen Team gar keinen Platz findet.
2. Die Rahmenbedingungen - Dein „Bio-Rhythmus“ im Job
Nach einer Krankheit wie Brustkrebs ist das Thema Energie-Management zentral. Dein Lebenslauf sagt vielleicht „Projektleitung“, aber deine aktuelle Lebensphase sagt vielleicht etwas anderes:
- Brauchst du mehr Struktur und Vorhersehbarkeit, statt ständigem Feuerlöschen?
- Blühst du im Austausch mit Menschen auf, wurdest aber in eine isolierte Fach-Ecke gedrängt?
- Brauchst du kreative Freiräume, arbeitest aber in einem starren Korsett aus Vorschriften?
3. Die Sinn-Frage: Was ist jetzt wirklich wichtig?
Das ist oft der schmerzhafteste, aber auch wichtigste Punkt.
- Brauchst du mehr Flexibilität, um deinem Körper den Raum zu geben, den er noch zur Heilung braucht?
- Suchst du ein Umfeld, das deine Werte teilt? Sinn und Haltung werden oft wichtiger als Status oder das nächste Karrierestufe.
- Willst du weniger Ellenbogenkultur und mehr wertschätzendes Miteinander?
Der Weg aus der Blockade: Drei kleine Schritte für heute
Wenn du dich blockiert fühlst, versuche nicht, das ganze restliche Berufsleben auf einmal zu planen. Fang klein an:
- Beobachten ohne zu bewerten: Schreibe eine Woche lang auf, in welchen Momenten im Job du Energie verlierst und wann du (vielleicht nur für 5 Minuten) einen kleinen Funken Freude oder Stolz spürst.
- Das „Was wäre wenn“-Spiel: Erlaube dir, laut zu denken. Wenn Geld und Lebenslauf keine Rolle spielen würden - welche Tätigkeit würde sich „leicht“ anfühlen? Oft steckt in diesen Tagträumen der Kern deines nächsten Schritts.
- Such dir Verbündete: Es ist schwer, die eigene Betriebsblindheit allein zu überwinden. Manchmal braucht es einen Blick von außen, um die Schätze zu sehen, die man selbst für selbstverständlich hält.
Du bist nicht verloren. Du bist im Übergang.
Barbara Sher würde sagen: „Du musst den nächsten Schritt nicht kennen. Du musst nur anfangen, dich selbst neu zu entdecken.“
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, die kleine innere Stimme nicht mehr zu ignorieren, sondern sie zu fragen: „Was brauchst du, damit es sich wieder stimmig anfühlt?“
Gemeinsam den nächsten Schritt wagen
Steckst du gerade in diesem „Dazwischen“ fest? In meiner Begleitung schauen wir nicht nur auf die körperliche Regeneration, sondern auch darauf, wie dein Leben nach der Erkrankung wieder zu dir passen kann.
Möchtest du in einem unverbindlichen Gespräch herausfinden, wie wir deinen Knoten lösen können? Dann schreib mir gerne eine Nachricht.

