Leben mit Brustkrebs
10 Jahre krebsfrei - Mutmacher
Zehn Jahre nach meiner Brustkrebsdiagnose. Was ich erlebt habe, was mir heute guttut und warum ich dir Mut machen möchte.
Am 31. Juli 2023 jährte sich der Tag, an dem ich meine Brustkrebsdiagnose bekam, zum zehnten Mal.
Ich erinnere mich noch so gut an diesen heißen Sommertag. Die Diagnose zog mir den Boden unter den Füßen weg. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es vorher gewesen war. Plötzlich war ich schwer krank.
Vielleicht weißt du, wovon ich spreche.
Die Zeit der Behandlung und auch die Jahre danach waren alles andere als einfach. Mastektomie, Chemotherapie, Bestrahlung, Antihormontherapie. Erst ein Brustaufbau mit Implantat, später dann mit Eigengewebe. Dazu ein Gentest und die engmaschige Nachsorge, die mich bis heute begleitet.
Und dazwischen immer wieder die Angst.
Was, wenn der Krebs zurückkommt?
Vor allem nachts oder wenn irgendwo im Körper etwas zwickt, kann das Kopfkino wieder losgehen. Das Herz klopft, die Gedanken überschlagen sich und plötzlich ist die alte Unsicherheit wieder da.
Es ist ein langer Prozess, mit dem veränderten Körper, dem neuen Ich und den kleinen Schnatteraffen im Kopf zurechtzukommen.
Aber heute, zehn Jahre später, geht es mir gut. Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Mein Fokus: Gesundheit statt Krankheit
Wer mich kennt, weiß, dass ich irgendwann beschlossen habe, meinen Blick nicht mehr ausschließlich auf die Krankheit zu richten, sondern stärker auf meine Gesundheit.
Was bedeutet das für mich?
Ich versuche, gut für mich zu sorgen. Nicht perfekt und nicht jeden Tag gleich. Aber immer wieder.
Ich persönlich:
- esse kein Fleisch mehr,
- trinke keine Kuhmilch mehr,
- bewege mich regelmäßig,
- nehme Vitamin D,
- verbringe gerne Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und lache viel,
- gehe regelmäßig in die Sauna,
- dusche zum Schluss gerne kalt,
- probiere hin und wieder Intervallfasten aus,
- gönne mir kleine Ruheinseln mit einer Tasse Kaffee,
- genieße auch mal ein Stück Kuchen, ein leckeres Eis oder einen Aperol Spritz.
Das ist mein Weg. Er muss nicht deiner sein.
Ich erzähle dir davon, weil ich dir zeigen möchte, dass du auch nach einer Krebserkrankung wieder deinen eigenen Weg finden kannst. Nicht, weil diese Gewohnheiten garantieren, dass der Krebs nicht zurückkommt. Das kann niemand versprechen.
Aber ich merke, dass mir vieles davon guttut. Ich fühle mich wohler, wenn ich mich bewege, mich mit lieben Menschen umgebe und mir Zeit für mich nehme.
Und ich habe gelernt, dass Selbstfürsorge nicht bedeutet, alles richtig zu machen. Sie bedeutet für mich, immer wieder hinzuspüren, was ich gerade brauche.
Ich habe gelernt, meinem Körper wieder zu vertrauen
Nach einer Brustkrebserkrankung ist das Vertrauen in den eigenen Körper oft erschüttert. Schließlich hat er eine Krankheit entwickelt, mit der man vielleicht nie gerechnet hätte.
Ich kenne dieses Gefühl.
Im Laufe der Jahre bin ich gelassener geworden. Die Ängste sind weniger geworden, auch wenn sie nicht vollständig verschwunden sind.
Ich habe gelernt, meinen Körper wieder besser wahrzunehmen. Er hat viel durchgemacht und mich bis hierher begleitet. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit.
Manchmal merke ich, dass ich eine Pause brauche. Dass ich wieder mehr bei mir sein sollte. Dass mir etwas zu viel wird.
Dann versuche ich, darauf zu hören und meinen Alltag entsprechend anzupassen.
Natürlich gelingt mir das nicht immer. Auch ich lande hin und wieder im Hamsterrad. Aber ich erkenne inzwischen schneller, wenn es Zeit ist, einen Gang zurückzuschalten.
Und wenn etwas im Körper zwickt, versuche ich, nicht sofort in Panik zu geraten. Ich beobachte, wie es sich entwickelt, und lasse anhaltende oder auffällige Beschwerden ärztlich abklären. Gerade nach einer Krebserkrankung ist es gut, aufmerksam zu sein, ohne jede Empfindung gleich als schlechtes Zeichen zu deuten.
Was wäre, wenn …?
Rückblickend denke ich manchmal darüber nach, wie viele Sorgen ich mir in den vergangenen Jahren gemacht habe.
Wie oft habe ich mir ausgemalt, was alles passieren könnte? Wie oft habe ich nachts wach gelegen und mich gefragt, ob der Krebs zurückkommen würde?
Viele dieser befürchteten Szenarien sind nicht eingetreten.
Heute weiß ich: Ich muss nicht jede mögliche Zukunft gedanklich durchleben. Ich darf im Hier und Jetzt leben, auch wenn ich nicht weiß, was morgen kommt.
Das ist leichter gesagt als getan. Gerade nach einer Krebsdiagnose braucht es Zeit, um mit dieser Unsicherheit zurechtzukommen. Und manche Ängste lassen sich nicht einfach wegdenken.
Wenn du dich darin wiedererkennst, sei bitte geduldig mit dir. Du musst nicht immer zuversichtlich sein. Du darfst Angst haben, traurig sein und dir Unterstützung holen.
Ich wünsche mir für uns alle, dass wir nach und nach wieder mehr Vertrauen ins Leben entwickeln können.
Zum Thema "Zuversicht während und nach Brustkrebs" habe ich einen gesonderten Beitrag geschrieben. Vielleicht magst du ihn lesen.
Zehn Jahre später: Ich bin nicht mehr dieselbe
Die Brustkrebserkrankung hat mein Leben verändert. Nicht alles daran war schlecht, auch wenn ich mir diese Erfahrung natürlich niemals ausgesucht hätte.
Ich sehe heute manches anders. Ich achte mehr auf meine Bedürfnisse, nehme mir bewusster Zeit für die Menschen, die mir wichtig sind, und versuche, die kleinen schönen Momente nicht einfach vorbeiziehen zu lassen.
Das bedeutet nicht, dass ich jeden Tag dankbar, entspannt und glücklich bin. Ich habe weiterhin Sorgen, bin manchmal ungeduldig und ärgere mich über Dinge, die nicht so laufen, wie ich es mir wünsche.
Aber ich habe gelernt, dass das Leben nicht perfekt sein muss, um schön zu sein.
Und dass ich nicht warten möchte, bis alle Unsicherheiten verschwunden sind, bevor ich es genieße.
Meine Wegbegleiterinnen
Etwas ganz Besonderes ist für mich der Kontakt zu den Frauen, die damals ungefähr zur gleichen Zeit wie ich in Behandlung waren.
Wir hatten uns in einer Selbsthilfegruppe kennengelernt und treffen uns bis heute regelmäßig, ungefähr einmal im Monat.
Diese Frauen haben einen Teil meines Weges mit mir geteilt. Wir wissen, was die andere durchgemacht hat. Wir können miteinander lachen, Erinnerungen austauschen und auch über Dinge sprechen, die Menschen außerhalb dieser Erfahrung vielleicht schwer nachvollziehen können.
Dass wir uns nach all den Jahren noch treffen, bedeutet mir viel.
Es erinnert mich daran, wie wichtig Verbundenheit ist. Wie gut es tut, Menschen zu haben, bei denen man nicht erst erklären muss, warum eine Nachsorgeuntersuchung nervös macht oder weshalb eine bestimmte Nachricht alte Ängste wecken kann.
Gemeinschaft nimmt nicht jede Sorge. Aber sie kann dafür sorgen, dass wir sie nicht allein tragen müssen.
Ich möchte dir Mut machen
Vielleicht stehst du gerade am Anfang deiner Behandlung. Vielleicht bist du mitten in der Chemotherapie oder Bestrahlung. Vielleicht liegt deine Therapie schon einige Jahre zurück und du fragst dich, wann sich das Leben endlich wieder normal anfühlen wird.
Ich kann dir nicht versprechen, dass alles gut wird oder dass du irgendwann keine Angst mehr haben wirst.
Aber ich kann dir erzählen, dass es für mich ein Leben nach der Brustkrebsdiagnose gibt. Ein Leben mit schönen Momenten, mit Reisen, Freundschaften, Lachen und neuen Erfahrungen.
Ein Leben, das nicht nur aus der Krankheit besteht.
Und vielleicht wird es auch für dich irgendwann wieder leichter. Vielleicht nicht genau so wie früher. Vielleicht sogar auf eine Weise, die du heute noch gar nicht sehen kannst.
Du musst nicht sofort große Veränderungen vornehmen. Fang klein an. Ein Spaziergang. Ein Telefonat mit einer Freundin. Ein Nachmittag, an dem du nichts erledigen musst. Eine Sache, auf die du dich freust.
Baby Steps, wie ich immer sage.
Und wenn du das Gefühl hast, dass du es körperlich oder seelisch nicht allein schaffst, hol dir Hilfe. Menschen möchten helfen, aber manchmal müssen wir ihnen sagen, was wir brauchen. Professionelle Unterstützung ist dabei genauso erlaubt wie die Hilfe von Familie und Freunden.
Mein Fazit nach zehn Jahren
Ich weiß, dass es auch anders kommen könnte. So wie damals vor zehn Jahren mein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wurde.
Ich kann die Zukunft nicht kontrollieren. Aber ich kann versuchen, mein Leben heute bewusst zu gestalten.
Und deshalb bin ich dankbar dafür, dass es mir gerade gut geht.
Wenn du selbst eine schwere und düstere Zeit durchmachst, wünsche ich dir von Herzen Kraft, liebe Menschen an deiner Seite und kleine Lichtblicke, die dich durch diese Zeit tragen.
Du musst nicht jeden Tag stark sein. Du musst nicht immer positiv denken. Und du musst deinen Weg nicht genauso gehen wie ich.
Ich möchte dir Mut machen, dass es ein Leben nach dem Krebs gibt. Und dieses Leben kann wieder viele schöne Seiten haben.
Hab Geduld mit dir. Geh in deinem Tempo. Und wenn du heute nur einen kleinen Schritt schaffst, dann ist auch das ein Schritt.
Ich schicke dir ganz viel Kraft, Energie und Zuversicht.
Alles Liebe
Diana 💚

