Gesundheit & Wissen
Appetitlosigkeit während der Chemotherapie: 9 Tipps, die helfen können
Wenn der Hunger fehlt und selbst Lieblingsgerichte nicht mehr schmecken: Was du ausprobieren kannst, damit Essen und Trinken im Alltag leichter werden.
Kennst du das? Du weißt eigentlich, dass du etwas essen solltest, aber du hast einfach keinen Appetit. Der Kühlschrank ist voll, doch nichts spricht dich wirklich an. Vielleicht riecht plötzlich alles unangenehm, dein Geschmack hat sich verändert oder du bist schon nach wenigen Bissen satt.
Während einer Chemotherapie kann das Essen zu einer echten Herausforderung werden. Manche Menschen leiden unter Übelkeit, andere haben einen veränderten Geschmackssinn oder fühlen sich einfach zu erschöpft, um sich mit Mahlzeiten zu beschäftigen.
Das kann frustrierend sein. Schließlich weißt du, dass dein Körper während einer anstrengenden Behandlung Energie und Nährstoffe braucht.
Doch bitte mach dir keinen zusätzlichen Druck. Du musst nicht jeden Tag perfekt essen. Es geht zunächst darum, herauszufinden, was für dich gerade funktioniert.
Hier sind neun Tipps, die du ausprobieren kannst.
1. Iss lieber kleine Portionen über den Tag verteilt
Wenn du keinen großen Appetit hast, kann ein voller Teller schnell abschreckend wirken. Vielleicht schaffst du ein paar Bissen und bist schon satt.
Versuche deshalb, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, anstatt dich zu drei großen Mahlzeiten zu zwingen.
Das kann zum Beispiel so aussehen:
- morgens ein kleines Porridge oder eine Scheibe Brot
- später ein Joghurt oder ein paar Cracker
- mittags eine kleine Portion Suppe mit Brot
- am Nachmittag ein kleiner Snack
- abends etwas, worauf du gerade Lust hast
Du musst dich dabei nicht an feste Uhrzeiten halten. Wenn du vormittags mehr Appetit hast als abends, nutze das ruhig aus.
Wichtig ist nicht, wie groß deine Portionen aussehen. Entscheidend ist, dass du möglichst ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt wirst.
2. Iss dann, wenn du Appetit hast
Vielleicht kennst du das: Um zwölf Uhr ist Mittagessenzeit, aber du bekommst keinen Bissen herunter. Zwei Stunden später könntest du plötzlich etwas essen.
Dann darfst du das tun.
Während einer Krebstherapie muss Essen nicht immer nach dem üblichen Zeitplan stattfinden. Vielleicht ist dein Appetit morgens am größten. Vielleicht kannst du abends noch eine Kleinigkeit essen, obwohl du tagsüber kaum Hunger hattest.
Halte deshalb ein paar Dinge griffbereit, die du gerne magst und gut verträgst.
Das können ein belegtes Brot, ein paar Nüsse, ein Joghurt, ein Stück Banane oder ein kleiner Smoothie sein. Auch etwas Herzhaftes wie Käsewürfel, ein gekochtes Ei oder ein Brotaufstrich kann passen, wenn du diese Lebensmittel verträgst.
Du musst nicht warten, bis die nächste reguläre Mahlzeit ansteht.
3. Mach kleine Portionen nährstoffreicher
Wenn du nur wenig essen kannst, kann es hilfreich sein, eine kleine Portion möglichst gehaltvoll zu gestalten.
Vielleicht verträgst du Kartoffelpüree besser, wenn du etwas Öl, Butter oder Milch hinzufügst. Eine Suppe lässt sich je nach Verträglichkeit mit etwas Sahne oder einer pflanzlichen Alternative anreichern. In Porridge passen beispielsweise Nussmus, Joghurt oder fein gemahlene Nüsse.
Weitere Möglichkeiten sind:
- Haferflocken mit Joghurt und Nussmus
- Kartoffeln mit einem Dip aus Quark oder einer geeigneten pflanzlichen Alternative
- eine Cremesuppe mit etwas Öl
- ein Smoothie aus Banane, Joghurt und Haferflocken
- Brot mit einem gehaltvollen Aufstrich
Du musst dafür keine komplizierten Rezepte ausprobieren. Es geht um kleine Ergänzungen, die dir schmecken und die du verträgst.
Wenn du zusätzlich unter Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder anderen Beschwerden leidest, können manche Lebensmittel allerdings ungeeignet sein. Probiere deshalb aus, was dir guttut.
Und falls du deutlich abnimmst oder nicht ausreichend essen kannst, lass dich beraten. Eine qualifizierte Ernährungsfachkraft kann mit dir überlegen, wie du deinen Bedarf besser decken kannst. Bei Bedarf können auch spezielle Trinknahrungen sinnvoll sein.
4. Mach es dir so einfach wie möglich
Wenn du erschöpft bist, kann schon die Vorstellung, selbst zu kochen, anstrengend sein.
Deshalb darfst du es dir leicht machen.
Vielleicht kochst du an einem guten Tag eine größere Portion Suppe und frierst mehrere kleine Mengen ein. Oder du lässt dir etwas mitbringen, das du gerne isst. Auch Tiefkühlgemüse, fertige Suppen oder andere praktische Produkte können dir helfen, ohne viel Aufwand etwas auf den Tisch zu bekommen.
Du musst nicht täglich frisch kochen, um dich gut zu versorgen.
Sinnvoll ist es auch, kleine Vorräte anzulegen, die schnell verfügbar sind: Zwieback, Knäckebrot, Haferflocken, Nüsse, haltbare Milch oder passende pflanzliche Alternativen, passierte Tomaten oder andere Lebensmittel, die du gut verträgst.
Vielleicht kann dich ein Familienmitglied oder eine Freundin beim Einkaufen unterstützen. Du darfst Hilfe annehmen. Gerade während einer anstrengenden Behandlung muss nicht alles an dir hängen bleiben.
5. Wenn Essensgerüche stören, probiere kalte Speisen
Manchmal ist nicht das Essen selbst das Problem, sondern der Geruch. Der Duft von gebratenen Zwiebeln, heißem Essen oder bestimmten Gewürzen kann plötzlich Übelkeit auslösen.
Wenn es dir so geht, können kalte oder lauwarme Speisen eine Alternative sein. Sie riechen häufig weniger intensiv als frisch gekochte, heiße Gerichte.
Vielleicht funktionieren bei dir:
- ein Nudelsalat oder Kartoffelsalat
- ein belegtes Brot
- Joghurt mit Obst
- ein kalter Smoothie
- eine abgekühlte Suppe
Auch ein wenig Lüften kann helfen. Wenn möglich, lass jemand anderen kochen oder bereite die Mahlzeit vor, bevor du dich zum Essen hinsetzt.
Allerdings reagiert jeder Mensch anders. Wenn dich kaltes Essen nicht anspricht, brauchst du dich nicht dazu zu zwingen. Entscheidend ist, dass du etwas findest, das du in diesem Moment gut verträgst.
6. Experimentiere mit Geschmack und Konsistenz
Eine Chemotherapie kann den Geschmackssinn verändern. Vielleicht schmeckt plötzlich alles fade. Oder du hast einen metallischen Nachgeschmack im Mund. Manche Lebensmittel, die du früher geliebt hast, schmecken auf einmal unangenehm.
Das kann sich im Verlauf der Behandlung auch wieder verändern.
Wenn dir das Essen zu fad schmeckt, kannst du vorsichtig mit Kräutern, Gewürzen oder etwas Zitronensaft experimentieren, sofern du diese Zutaten gut verträgst.
Manchmal helfen andere Varianten eines Lebensmittels. Wenn gekochtes Gemüse nicht mehr schmeckt, ist vielleicht Rohkost eine Alternative. Wenn dir Fleisch unangenehm geworden ist, könntest du andere Eiweißquellen ausprobieren, zum Beispiel Eier, Joghurt, Käse, Tofu oder Hülsenfrüchte, soweit du sie verträgst.
Bei einem unangenehmen metallischen Geschmack können andere Besteckmaterialien einen Versuch wert sein. Wichtig ist auch eine gute Mundpflege, denn Mundtrockenheit und Schleimhautbeschwerden können das Essen zusätzlich erschweren.
Wenn Geschmackssveränderungen länger anhalten oder du deshalb immer weniger isst, sprich mit deinem Behandlungsteam. Es gibt Möglichkeiten, die Beschwerden genauer abzuklären und gegebenenfalls zu behandeln.
7. Trinke regelmäßig in kleinen Schlucken
Gerade wenn du wenig isst, solltest du auch das Trinken im Blick behalten.
Stell dir Wasser, Tee oder ein anderes gut verträgliches Getränk in Reichweite. Kleine Schlucke über den Tag verteilt fallen manchmal leichter als ein großes Glas auf einmal.
Wenn du schnell satt wirst, kann es helfen, größere Getränkemengen nicht direkt vor oder während der Mahlzeit zu trinken. Achte aber unbedingt darauf, insgesamt ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen.
Manche Menschen mögen Wasser mit etwas Zitrone oder eine Saftschorle lieber als pures Wasser. Andere bevorzugen Tee oder Getränke bei einer bestimmten Temperatur.
Wenn dir übel ist, können kleine Schlucke oft angenehmer sein. Bei anhaltendem Erbrechen, stark eingeschränktem Trinken oder deutlich weniger Urin solltest du dich zeitnah medizinisch melden, denn Flüssigkeitsmangel kann gefährlich werden.
Bei bestimmten Erkrankungen kann eine individuelle Trinkmenge sinnvoll sein. Halte dich dann an die Empfehlung deines Behandlungsteams.
8. Mach das Essen angenehm, aber setz dich nicht unter Druck
Es klingt vielleicht banal, aber die Atmosphäre kann einen Unterschied machen.
Ein schön angerichteter kleiner Teller, ein Lieblingsbecher, ein paar Blumen oder Musik im Hintergrund können das Essen angenehmer machen. Vielleicht tut es dir gut, mit jemandem zusammen zu essen.
Es kann aber genauso hilfreich sein, allein und in Ruhe zu essen. Du musst dich nicht unterhalten, wenn du dafür gerade keine Energie hast.
Bitte deine Angehörigen, dich nicht zum Essen zu drängen. Kommentare wie „Du musst doch mehr essen“ oder „Nur noch drei Löffel“ können zusätzlichen Stress verursachen.
Wenn du nur eine kleine Menge schaffst, ist das kein Grund, dich zu rechtfertigen. Gleichzeitig solltest du nicht allein mit dem Problem bleiben, wenn du über längere Zeit zu wenig essen kannst.
Wenn Mahlzeiten zunehmend zum Kampf werden, kann eine Ernährungsberatung dabei helfen, einen passenden Plan zu entwickeln. Manchmal ist auch medizinische Unterstützung nötig, um die Ursache der Appetitlosigkeit zu behandeln.
9. Bewegung kann guttun – wenn du dich danach fühlst
Vielleicht kennst du den Rat, dass ein Spaziergang den Appetit anregen kann. Bei manchen Menschen funktioniert das tatsächlich. Ein bisschen frische Luft und sanfte Bewegung können außerdem helfen, den Kopf freizubekommen.
Aber bitte mach daraus keine Pflicht.
Wenn du erschöpft bist, dir schwindelig ist oder du dich unwohl fühlst, ist Ruhe wichtiger. Du musst nicht erst spazieren gehen, um dir Essen erlauben zu dürfen oder deinen Appetit zu verdienen.
Wenn du dich fit genug fühlst, kannst du eine kleine Runde an der frischen Luft ausprobieren. Manchmal reichen schon ein paar Minuten.
Und wenn du lieber sitzen oder dich ausruhen möchtest, ist das ebenfalls in Ordnung.
Wann solltest du dir Hilfe holen?
Appetitlosigkeit kann während einer Chemotherapie vorkommen. Sie sollte aber nicht einfach hingenommen werden, wenn sie länger anhält oder deine Versorgung beeinträchtigt.
Melde dich bei deinem Behandlungsteam, wenn du:
- über längere Zeit deutlich weniger essen kannst
- unbeabsichtigt Gewicht verlierst
- wiederholt erbrichst oder kaum Flüssigkeit bei dir behalten kannst
- Schmerzen beim Kauen oder Schlucken hast
- starke Übelkeit, Mundbeschwerden oder andere belastende Symptome bemerkst
Die Ursache kann unterschiedlich sein. Nebenwirkungen, Schmerzen, Verstopfung, Geschmacksveränderungen oder seelische Belastungen können den Appetit beeinträchtigen. Manche Beschwerden lassen sich gezielt behandeln.
Eine Ernährungsberatung kann außerdem dabei helfen, herauszufinden, welche Lebensmittel und Portionsgrößen zu deiner Situation passen. Bei Bedarf kann das Behandlungsteam spezielle Trinknahrung oder weitere Unterstützung empfehlen.
Bitte warte nicht, bis du stark abgenommen hast, bevor du das Thema ansprichst.
Mein Fazit: Du musst nicht perfekt essen
Appetitlosigkeit während einer Chemotherapie kann belastend sein. Du weißt vielleicht, dass dein Körper Energie braucht, aber dein Körper macht gerade nicht mit. Das kann frustrierend sein und manchmal auch Sorgen auslösen.
Versuche, dir nicht noch zusätzlichen Druck zu machen. Kleine Portionen, praktische Vorräte, kalte Speisen oder gehaltvolle Snacks können helfen, den Alltag etwas leichter zu gestalten.
Doch es gibt keine Lösung, die für alle funktioniert. Du darfst ausprobieren, was dir schmeckt und was du verträgst. Du darfst Hilfe annehmen. Und du darfst deinem Behandlungsteam sagen, wenn Essen und Trinken schwierig werden.
Es geht nicht darum, perfekt zu essen. Es geht darum, dich so gut wie möglich zu versorgen und dir Unterstützung zu holen, wenn du sie brauchst.
Alles Liebe,
Diana 💚
Quellen und weiterführende Informationen
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Ernährungsberatung und Ernährungstherapie bei Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/ernaehrung-bei-krebs/ernaehrungsberatung-und-ernaehrungstherapien
Krebsinformationsdienst: Ernährung bei Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/ernaehrung-bei-krebs
Deutsche Krebshilfe: Ernährung bei Krebs
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/ernaehrung-bei-krebs/
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Essen und Trinken während der Krebstherapie
https://www.dge.de/presse/meldungen/2022/essen-und-trinken-waehrend-der-krebstherapie/
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltender Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Problemen beim Trinken solltest du dich an dein Behandlungsteam wenden.

