Leben mit Brustkrebs
Aromatase Hemmer und Cholesterin
Aromatasehemmer und Cholesterin: Besteht eine Verbindung und was ich darüber wissen wollte
Nimmst du Aromatasehemmer wie Letrozol, Anastrozol oder Exemestan? Dann kennst du vielleicht auch die Frage, welche Auswirkungen diese Medikamente langfristig auf deinen Körper haben können.
Ich bin auf jeden Fall vor kurzem über dieses Thema gestolpert. Während meiner Brustkrebsbehandlung nahm ich Letrozol und wunderte mich über meinen leicht erhöhten Cholesterinwert. Schließlich habe ich versucht, mich gesund zu ernähren und auf einiges zu verzichten. Warum war der Wert trotzdem erhöht?
Ich fragte mich, ob das mit der antihormonellen Therapie zusammenhängen könnte. Bei meiner Recherche bin ich auf mögliche Zusammenhänge zwischen Aromatasehemmern und dem Fettstoffwechsel gestoßen. Was ich damals gelesen habe, wollte ich hier teilen. Inzwischen gibt es neue Forschungsergebnisse, die das Thema etwas differenzierter erscheinen lassen.
Was machen Aromatasehemmer eigentlich?
Bei hormonabhängigem Brustkrebs können Östrogene das Wachstum von Krebszellen fördern. Aromatasehemmer wie Letrozol, Anastrozol und Exemestan senken die Östrogenbildung im Körper. Dadurch soll das Risiko verringert werden, dass der Krebs zurückkommt.
Diese Behandlung kann sehr wirksam sein. Gleichzeitig kann sie Nebenwirkungen mit sich bringen, beispielsweise Gelenkbeschwerden, Hitzewallungen oder Veränderungen der Knochengesundheit.
Auch der Zusammenhang zwischen Östrogen, Fettstoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit wird wissenschaftlich untersucht. Daraus entstand die Frage, ob Aromatasehemmer den Cholesterinspiegel ungünstig beeinflussen können.
Cholesterin ist nicht grundsätzlich schlecht
Cholesterin hat oft einen schlechten Ruf. Dabei braucht unser Körper diesen fettähnlichen Stoff. Er ist unter anderem Bestandteil unserer Zellmembranen und dient als Ausgangsstoff für bestimmte Hormone und Gallensäuren.
Ein großer Teil des Cholesterins wird vom Körper selbst hergestellt. Ein weiterer Teil gelangt über die Nahrung in den Körper.
Entscheidend ist nicht einfach, ob Cholesterin vorhanden ist, sondern wie sich die verschiedenen Blutfette zusammensetzen und wie hoch das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko ist.
Besonders bekannt sind zwei Werte:
LDL-Cholesterin: Ein erhöhter LDL-Wert kann die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßwänden begünstigen. Langfristig kann das das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
HDL-Cholesterin: HDL beteiligt sich am Rücktransport von Cholesterin zur Leber. Der HDL-Wert allein sagt allerdings nicht zuverlässig aus, wie gut jemand vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt ist.
Deshalb reicht es nicht, nur auf das Gesamtcholesterin oder einen bestimmten Quotienten zu schauen. Ärztinnen und Ärzte beurteilen die Werte im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren, zum Beispiel Blutdruck, Diabetes, Rauchen, Alter und bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Erhöhen Aromatasehemmer den Cholesterinspiegel?
Hier ist die Antwort weniger eindeutig als ich früher dachte.
Östrogen beeinflusst verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper. Deshalb wurde untersucht, ob die deutliche Senkung des Östrogenspiegels durch Aromatasehemmer auch die Blutfettwerte verändern und das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen könnte.
Eine 2025 veröffentlichte dänische Studie untersuchte mehr als 10.000 Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren. Die Forschenden verglichen die Entwicklung ihrer Cholesterinwerte bei Frauen mit und ohne Aromatasehemmer-Therapie.
Das Ergebnis: Sie fanden keinen Hinweis darauf, dass die Behandlung die LDL-Werte oder die untersuchten Blutfette insgesamt ungünstig veränderte.
Das ist eine wichtige Erkenntnis. Sie bedeutet aber nicht, dass bei jeder Frau alles gleich bleibt. Die Studie untersuchte eine bestimmte Patientinnengruppe, und individuelle Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben.
Mein früherer Schluss, dass Aromatasehemmer grundsätzlich den Cholesterinspiegel erhöhen, wäre deshalb zu pauschal. Ob sich die Blutfettwerte verändern, sollte individuell beurteilt werden.
Was kannst du selbst tun?
Auch wenn sich ein erhöhter Cholesterinwert nicht immer durch Ernährung oder Bewegung erklären lässt, kannst du einiges für deine Herz-Kreislauf-Gesundheit tun.
Lass deine Werte kontrollieren. Besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche Blutwerte bei dir sinnvoll sind und in welchen Abständen sie überprüft werden sollten.
Ernähre dich ausgewogen. Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und pflanzliche Öle können Teil einer herzgesunden Ernährung sein.
Bewege dich regelmäßig. Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen zählen ebenfalls. Es muss nicht immer ein intensives Training sein.
Behalte weitere Risikofaktoren im Blick. Blutdruck, Blutzucker, Rauchen und familiäre Vorbelastungen können bei der Beurteilung eine Rolle spielen.
Lass dich nicht von einem einzelnen Wert verrückt machen. Ein auffälliger Laborwert ist ein Anlass, genauer hinzuschauen, aber noch keine vollständige Einschätzung deines persönlichen Risikos.
Und noch viel wichtiger: Setze deine antihormonelle Therapie nicht eigenständig ab und ändere sie nicht wegen eines Cholesterinwerts. Wenn du dir Sorgen machst, sprich mit deinem Behandlungsteam über die Werte und mögliche nächste Schritte.
Mein persönliches Fazit
Ich finde es wichtig, dass wir uns auch nach einer Brustkrebsdiagnose mit unserer Gesundheit beschäftigen und Fragen stellen. Schließlich möchten wir nicht nur die Krebstherapie hinter uns bringen, sondern auch langfristig gut leben.
Gleichzeitig merke ich immer wieder, wie schnell aus einer möglichen Nebenwirkung eine vermeintlich feststehende Tatsache werden kann. Bei Aromatasehemmern und Cholesterin ist die Studienlage differenzierter, als ich zunächst angenommen hatte.
Wenn dein Cholesterinwert erhöht ist, muss das also nicht automatisch am Aromatasehemmer liegen. Und selbst wenn du dich gesund ernährst, können deine Werte von vielen Faktoren beeinflusst werden.
Für mich bleibt deshalb die wichtigste Erkenntnis: Fragen stellen, die eigenen Werte kennen und sie gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten einordnen. Nicht jeder auffällige Wert ist ein Grund zur Panik. Aber er verdient eine vernünftige Betrachtung.
Quellen und weiterführende Informationen
European Journal of Epidemiology (2025): Studie zum Zusammenhang zwischen Aromatasehemmern und LDL-Cholesterin bei Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40397354/
PubMed Central (PMC): Volltext der wissenschaftlichen Studie.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12374885/

