Körper & Gesundheit“

Beeinflussbare Lebensstilfaktoren bei Brustkrebs: Was sagt die Leitlinie?

Bewegung, Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel: Was du selbst für deine Gesundheit tun kannst und wo die Wissenschaft noch Fragen offenlässt.

Es gibt Neuigkeiten aus der Brustkrebsmedizin, die ich spannend finde: Die S3-Leitlinie zum Mammakarzinom wurde aktualisiert. Sie beschäftigt sich nicht nur mit Diagnose und Behandlung, sondern auch mit der Frage, wie Frauen ihre Gesundheit während und nach einer Brustkrebserkrankung unterstützen können.

Ich finde das wichtig. Denn wenn die Akuttherapie abgeschlossen ist, geht es nicht nur darum, mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Es geht auch darum, die eigene Gesundheit, die Lebensqualität und das körperliche Wohlbefinden im Blick zu behalten.

Ich habe mir die Leitlinie deshalb genauer angeschaut und die Aspekte herausgesucht, die ich besonders interessant finde.

Dabei geht es vor allem um drei Themen:

  1. Bewegung und körperliche Aktivität
  2. Ernährung und Körpergewicht
  3. Nahrungsergänzungsmittel und komplementäre Methoden

Vorweg möchte ich dir eines mitgeben: Du kannst einiges für deine Gesundheit tun. Aber du bist nicht für deine Erkrankung verantwortlich. Auch Frauen, die sich ausgewogen ernähren, sich regelmäßig bewegen und auf sich achten, können Brustkrebs bekommen. Ein gesunder Lebensstil ist keine Garantie dafür, dass die Erkrankung nicht zurückkommt.

1. Körpergewicht: Gesundheit statt Zahl auf der Waage

Ein höheres Körpergewicht, insbesondere starkes Übergewicht, steht bei Brustkrebs mit ungünstigeren Krankheitsverläufen in Zusammenhang.

In Studien hatten Frauen mit Adipositas, also einem BMI ab 30, im Vergleich zu Frauen mit einem BMI unter 25 ein erhöhtes Risiko für Fernmetastasen innerhalb der ersten zehn Jahre und eine höhere brustkrebsbedingte Sterblichkeit im späteren Verlauf.

Solche Zahlen können erst einmal beunruhigen. Mir ist deshalb wichtig, sie richtig einzuordnen: Es handelt sich um statistische Zusammenhänge aus Studien. Sie sagen nicht voraus, wie sich die Erkrankung bei einer einzelnen Frau entwickeln wird.

Wenn du dein Gewicht verändern möchtest, können eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung hilfreich sein. Es muss dabei nicht um eine radikale Diät gehen. Oft sind kleine, langfristig umsetzbare Veränderungen der bessere Weg.

Und bitte vergiss nicht: Dein Wert als Mensch hat nichts mit deinem Gewicht zu tun.

2. Bewegung: Mehr als nur Kalorien verbrennen

Bewegung ist einer der Bereiche, in denen wir selbst aktiv werden können. Sie kann die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, die Lebensqualität erhöhen und dabei helfen, Erschöpfung, also Fatigue, zu lindern.

Auch für die Knochengesundheit ist körperliche Aktivität wichtig. Das kann gerade bei Frauen eine Rolle spielen, die eine antihormonelle Therapie erhalten, weil bestimmte Medikamente die Knochendichte beeinflussen können.

Die S3-Leitlinie empfiehlt, körperliche Inaktivität zu vermeiden und nach Möglichkeit wieder in normale Alltagsaktivitäten einzusteigen. Als allgemeines Ziel werden mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche genannt.

Was bedeutet das konkret?

Du musst nicht gleich einen Marathon laufen. Zügiges Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen können gute Möglichkeiten sein, dich regelmäßig zu bewegen. Auch Krafttraining kann sinnvoll sein, insbesondere für Muskeln und Knochen.

Welche Belastung für dich passt, hängt von deinem Gesundheitszustand, deiner Behandlung und deiner körperlichen Verfassung ab. Wenn du gerade eine Therapie machst oder Beschwerden hast, lass dich beraten, bevor du dein Training deutlich steigerst.

Mein Tipp: Fang dort an, wo du gerade stehst. Jeder Schritt zählt.

3. Ernährung: Was auf deinem Teller liegt

Bei der Ernährung empfiehlt die aktuelle Leitlinie ein Ernährungsmuster mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Gesättigte Fette sollten eher begrenzt werden, ebenso der Alkoholkonsum.

Das klingt erst einmal wenig spektakulär. Aber es geht nicht darum, die eine Wunderdiät zu finden. Entscheidend ist das Ernährungsmuster über längere Zeit.

Eine ausgewogene Ernährung kann deine allgemeine Gesundheit unterstützen. Sie liefert wichtige Nährstoffe und kann helfen, ein für dich passendes Körpergewicht zu halten.

Was ist mit der mediterranen Ernährung?

Die mediterrane Ernährung wird häufig im Zusammenhang mit Gesundheit und Krebsprävention untersucht. Sie enthält typischerweise viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Olivenöl.

Eine Auswertung der PREDIMED-Studie fand einen Zusammenhang zwischen einer mediterranen Ernährungsweise, ergänzt durch Olivenöl oder Nüsse, und einer geringeren Brustkrebsinzidenz. Die Ergebnisse sind interessant, sollten aber nicht als Beweis verstanden werden, dass eine bestimmte Ernährungsform Brustkrebs sicher verhindert.

Und wie sieht es mit Milch und Milchprodukten aus?

Zu diesem Thema gibt es unterschiedliche Studienergebnisse. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2011 kam zu dem Ergebnis, dass ein höherer Konsum von Milchprodukten insgesamt, nicht aber von Milch allein, mit einem geringeren Brustkrebsrisiko verbunden sein könnte.

Das ist ein statistischer Zusammenhang und kein Beweis für eine Schutzwirkung.

Du musst also nicht plötzlich Milchprodukte essen oder sie grundsätzlich meiden, um deine Brustgesundheit zu unterstützen. Entscheidend ist das Gesamtbild deiner Ernährung und was zu dir passt.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Ich finde es hilfreich, sich mit Ernährung auseinanderzusetzen. Gleichzeitig möchte ich nicht, dass Essen zu einer weiteren Baustelle im Leben von Frauen mit Brustkrebs wird.

Du darfst gesundheitsbewusst essen, ohne jede Mahlzeit zu analysieren. Du darfst genießen. Und du musst nicht perfekt sein.

4. Alkohol und Rauchen

Auch Alkohol und Rauchen gehören zu den beeinflussbaren Lebensstilfaktoren.

Alkoholkonsum ist mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, den Konsum zu begrenzen. Weniger Alkohol ist aus gesundheitlicher Sicht grundsätzlich sinnvoll; eine völlig risikofreie Menge lässt sich nicht festlegen.

Rauchen schadet ebenfalls der Gesundheit. Wenn du rauchst und aufhören möchtest, können strukturierte Entwöhnungsprogramme und professionelle Unterstützung helfen.

Das soll kein erhobener Zeigefinger sein. Veränderungen sind nicht immer einfach. Wichtig ist, dass du Informationen bekommst und Unterstützung findest, wenn du etwas verändern möchtest.

5. Nahrungsergänzungsmittel: Viel hilft nicht automatisch viel

Viele Frauen möchten während oder nach einer Brustkrebsbehandlung selbst etwas für ihre Gesundheit tun. Nahrungsergänzungsmittel wirken dabei oft verlockend. Schließlich versprechen sie Energie, ein starkes Immunsystem oder zusätzliche Unterstützung.

Aber Vorsicht: Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos.

Vitamine, Mineralstoffe, pflanzliche Präparate und andere Nahrungsergänzungsmittel können Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken. Das gilt auch während einer Chemotherapie, einer antihormonellen Behandlung oder einer Strahlentherapie.

Deshalb würde ich dir empfehlen, neue Präparate immer mit deinem Behandlungsteam abzusprechen. Das gilt besonders, wenn du mehrere Medikamente einnimmst.

Was ist mit Vitamin D und anderen Mikronährstoffen?

Grundsätzlich sollten Vitamine und Mineralstoffe möglichst über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden. Wird ein Mangel festgestellt, kann es sinnvoll sein, ihn gezielt auszugleichen.

Ob eine zusätzliche Einnahme nötig ist, hängt vom individuellen Bedarf ab. Eine pauschale Empfehlung für alle Frauen mit Brustkrebs gibt es nicht.

Auch bei Selen, Omega-3-Fettsäuren, Grüntee-Extrakten, Enzympräparaten und pflanzlichen Mitteln kommt es auf das konkrete Präparat, die Dosierung und die jeweilige Behandlung an. Bitte leite aus einer Übersicht nicht ab, dass diese Mittel grundsätzlich während jeder Krebstherapie unbedenklich sind.

Homöopathische Mittel sind zudem nicht als wirksame Behandlung gegen Krebs oder zur Verhinderung eines Rückfalls belegt. Sie sollten keinesfalls eine medizinisch empfohlene Therapie ersetzen.

Und was ist mit Traubensilberkerze?

Traubensilberkerze wird unter anderem bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Bei Brustkrebs, insbesondere bei hormonabhängigen Tumoren und unter antihormoneller Therapie, solltest du eine Anwendung vorher ärztlich besprechen. Auch bei pflanzlichen Präparaten sind Nutzen, Sicherheit und mögliche Wechselwirkungen sorgfältig zu prüfen.

Mein Rat: Nimm nicht einfach etwas ein, weil es als natürlich oder besonders gesund beworben wird. Kläre vorher, ob es in deiner Situation sinnvoll und sicher ist.

Mein Fazit: Du kannst etwas tun, aber du musst nicht alles kontrollieren

Ich finde es gut, dass Bewegung, Ernährung und allgemeine Gesundheit in der Brustkrebsnachsorge Beachtung finden. Es geht schließlich nicht nur darum, Untersuchungen wahrzunehmen, sondern auch darum, sich im eigenen Leben wieder wohlzufühlen und die Gesundheit langfristig zu unterstützen.

Du kannst dich regelmäßig bewegen, abwechslungsreich essen, auf ausreichend Erholung achten und dir bei Bedarf fachliche Unterstützung holen.

Aber bitte mach daraus keine neue Liste von Dingen, die du unbedingt richtig machen musst. Brustkrebs entsteht nicht einfach deshalb, weil jemand falsch gegessen, zu wenig Sport gemacht oder ein Nahrungsergänzungsmittel nicht genommen hat. Und auch ein gesunder Lebensstil kann einen Rückfall nicht sicher verhindern.

Für mich ist die wichtigste Botschaft deshalb:

Tu, was dir guttut. Bleib neugierig. Hol dir verlässliche Informationen. Und sei dabei freundlich zu dir selbst.

Du musst nicht alles kontrollieren, um gut für dich zu sorgen.

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.