Gesundheit & Wissen
Bleib warm, bleib stark
Die Bedeutung der Körpertemperatur bei Brustkrebs und für unser Wohlbefinden
Wir alle kennen das: Wenn uns kalt ist, fühlen wir uns oft unwohl. Wir ziehen die Schultern hoch, reiben unsere Hände aneinander und wünschen uns nichts sehnlicher als eine warme Dusche oder eine kuschelige Decke.
Doch Körpertemperatur ist mehr als nur eine Frage des Wohlbefindens. Sie wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Körperfunktionen reguliert. Auch unser Stoffwechsel und die Schilddrüse spielen dabei eine Rolle.
Was hat das mit Brustkrebs zu tun? Und was können wir selbst für unser Wohlbefinden tun?
Körpertemperatur, Stoffwechsel und Gesundheit
Unsere Körpertemperatur wird normalerweise in einem relativ engen Bereich gehalten. Die oft genannten 37 °C sind dabei ein Richtwert. Je nach Tageszeit, Messort und Person kann die Temperatur etwas höher oder niedriger liegen.
Die Temperatur allein sagt allerdings nicht zuverlässig aus, wie gut unser Stoffwechsel funktioniert oder ob unsere Schilddrüse gesund ist. Auch lässt sich aus einer etwas niedrigeren Körpertemperatur nicht ableiten, dass Zellen anfälliger für Krebs wären.
Wenn du häufig frierst oder Veränderungen bemerkst, die dich beunruhigen, kann es sinnvoll sein, mögliche Ursachen ärztlich abklären zu lassen.
Welche Rolle spielt Wärme bei Brustkrebs?
Als ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, bin ich auf die sogenannte Hyperthermie gestoßen. Dabei wird Gewebe gezielt und kontrolliert erwärmt, um eine Krebsbehandlung in bestimmten Situationen zu ergänzen.
Die medizinische Hyperthermie kann unter bestimmten Voraussetzungen ergänzend zur Strahlentherapie eingesetzt werden. Auch bei Brustkrebs gibt es dazu Studien. Eine randomisierte multizentrische Studie untersuchte beispielsweise die Kombination von Hyperthermie und Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs.
Die Ergebnisse sind interessant. Sie beziehen sich allerdings auf eine konkrete medizinische Behandlungssituation und lassen sich nicht auf jede Brustkrebserkrankung übertragen.
Wichtig ist mir deshalb diese Unterscheidung: Medizinische Hyperthermie ist eine gezielte Behandlung unter fachlicher Kontrolle. Sie ist nicht mit Sauna, Infrarotkabine, Rotlicht oder einem warmen Bad gleichzusetzen.
Wärme im Alltag kann angenehm sein. Es ist jedoch nicht belegt, dass wir durch eine höhere Körpertemperatur, regelmäßige Saunabesuche oder Wärmeanwendungen Krebs vorbeugen oder Krebszellen gezielt bekämpfen können.
Wenn du dich für Hyperthermie interessierst, sprich mit deinem onkologischen Behandlungsteam. Ob die Methode infrage kommt, hängt von der Erkrankung und der konkreten Behandlungssituation ab. Sie sollte keinesfalls eine empfohlene Krebstherapie ersetzen.
Und was ist mit Sonne und wärmeren Klimazonen?
Sonnenlicht und Wärme werden häufig mit Wohlbefinden verbunden. Tageslicht kann unseren Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen, und Zeit im Freien tut vielen Menschen gut.
Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass in wärmeren Klimazonen grundsätzlich weniger Krebs auftritt oder Wärme selbst vor Krebs schützt. Krebsrisiken werden von vielen Faktoren beeinflusst, darunter Alter, Lebensstil, Umweltfaktoren und die jeweilige Krebsart.
Sonne darf also gern guttun – mit vernünftigem Sonnenschutz. Sie ist aber keine Krebstherapie.
Wie du dir im Alltag etwas Gutes tun kannst
Du musst deine Körpertemperatur nicht gezielt erhöhen. Vielmehr geht es darum, gut für dich zu sorgen und herauszufinden, was dir persönlich guttut.
Wärme von außen
Eine warme Dusche, ein Fußbad oder eine Wärmflasche können angenehm sein. Achte darauf, dass die Temperatur nicht zu hoch ist, und schütze deine Haut vor Verbrennungen. Bei eingeschränktem Wärmeempfinden, etwa durch Nervenschädigungen, ist besondere Vorsicht sinnvoll.
Bewegung an der frischen Luft
Ein Spaziergang bringt dich in Bewegung und kann helfen, dich wohler zu fühlen. Bei kühlem Wetter sorgen mehrere Kleidungsschichten dafür, dass du dich gut anpassen kannst. Du musst dafür weder schnell gehen noch eine bestimmte Schrittzahl erreichen.
Essen, das dich gut versorgt
Eine abwechslungsreiche Ernährung versorgt deinen Körper mit Energie und wichtigen Nährstoffen. Eine warme Suppe, ein Porridge oder eine Tasse Tee können an kalten Tagen zusätzlich guttun. Sie müssen keine besondere Wirkung auf die Körpertemperatur oder auf Krebszellen entfalten, um Teil eines angenehmen Alltags zu sein.
Sauna und Infrarotkabine
Wenn du diese Anwendungen gut verträgst, können sie für dich eine Möglichkeit zur Entspannung sein. Eine krebshemmende Wirkung ist für solche Alltagsanwendungen nicht belegt. Bei gesundheitlichen Einschränkungen oder während einer Krebsbehandlung solltest du vorher ärztlich nachfragen.
Die Schilddrüse und ihre Nährstoffe
Die Schilddrüse beeinflusst unter anderem den Energieumsatz und die Regulation der Körpertemperatur. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann verstärktes Frieren auftreten. Häufiges Frieren allein ist jedoch kein Beweis für eine solche Erkrankung.
Eine ausgewogene Ernährung trägt zur Versorgung mit wichtigen Nährstoffen bei. Dazu gehören unter anderem Jod, Selen, Zink und Eisen. Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Körper.
Ein paar Beispiele aus dem Alltag:
Jod: Der Körper benötigt Jod zur Bildung von Schilddrüsenhormonen. Jodiertes Speisesalz kann zur Versorgung beitragen. Algen enthalten teilweise sehr hohe und stark schwankende Jodmengen und sind deshalb nicht pauschal als tägliche Quelle zu empfehlen.
Selen: Es kommt unter anderem in Nüssen und Getreide vor. Paranüsse können besonders viel Selen enthalten. Große Mengen sind deshalb nicht sinnvoll.
Zink: Gute pflanzliche Quellen sind beispielsweise Kürbiskerne, Linsen und Kichererbsen.
Eisen: Es steckt unter anderem in Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und grünem Gemüse. Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern.
Omega-3-Fettsäuren: Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse liefern pflanzliche Omega-3-Fettsäuren.
Vitamin D: Die Versorgung hängt unter anderem von der körpereigenen Bildung durch Sonnenlicht und der Ernährung ab. Pilze können je nach Sorte und UV-Behandlung Vitamin D enthalten, sind aber keine verlässliche alleinige Quelle.
Wichtig ist: Mehr ist nicht automatisch besser. Nahrungsergänzungsmittel solltest du nicht einfach auf Verdacht hoch dosiert einnehmen. Und eine tatsächliche Schilddrüsenunterfunktion lässt sich nicht allein durch bestimmte Lebensmittel behandeln.
Wenn du häufig frierst und zusätzlich unter Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder anderen anhaltenden Beschwerden leidest, lass das ärztlich abklären. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt und bei Bedarf mit Medikamenten behandelt werden.
Bleib warm, bleib stark
Für mich steckt in diesem Thema vor allem die Erinnerung: Wir müssen nicht ständig etwas optimieren. Manchmal reicht es, wahrzunehmen, was uns guttut.
Eine warme Tasse Tee. Ein Spaziergang. Ein gutes Essen. Eine Decke auf dem Sofa. Oder das gute Gefühl, sich eine Pause zu erlauben.
Und wenn es um Brustkrebs und mögliche Behandlungen geht, dürfen wir neugierig bleiben und Fragen stellen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung.
Quellen und weiterführende Informationen
Medizinische Hyperthermie bei Brustkrebs
Deutsche Krebsgesellschaft / ONKO-Internetportal – Hyperthermie-Behandlung
Informationen zur medizinischen Hyperthermie und ihren Einsatzmöglichkeiten.
https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/therapieformen/hyperthermie-behandlung.html
Overgaard J. et al. (2024): ESHO 1-85. Hyperthermia as an adjuvant to radiation therapy in the treatment of locally advanced breast carcinoma.
Randomisierte multizentrische Studie zur ergänzenden Hyperthermie bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38670266/
Datta N. R. et al. (2016): Hyperthermia and Radiation Therapy in Locoregional Recurrent Breast Cancers: A Systematic Review and Meta-analysis.
Systematische Übersichtsarbeit zur Kombination von Hyperthermie und Strahlentherapie bei örtlich wiederkehrendem Brustkrebs.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26899950/
Datta N. R. et al. (2015): Hyperthermia and radiation therapy for locally advanced or recurrent breast cancer.
Überblick über die Kombination von Hyperthermie und Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Brustkrebs.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25900383/
Schilddrüse und Ernährung
gesund.bund.de – Schilddrüsenunterfunktion
Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnostik und Behandlung.
https://gesund.bund.de/schilddruesenunterfunktion
gesund.bund.de – Jod
Informationen zur Bedeutung von Jod für die Bildung von Schilddrüsenhormonen.
https://gesund.bund.de/glossar/jod

