Selbstfürsorge & Wohlbefinden
Ein Neuanfang nach der Krebsdiagnose: den Stress hinter mir lassen
Wie du nach einer schweren Zeit deine Grenzen besser wahrnimmst und wieder mehr auf dich achtest.
„Ich wollte mich doch nicht mehr stressen lassen, das hatte ich mir so fest vorgenommen. Jetzt bin ich schon wieder im Hamsterrad drin!“
Kennst du diesen Gedanken? Ich schon.
Als ich gut ein Jahr nach meiner Brustkrebsdiagnose an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, hatte ich mir fest vorgenommen, mich nicht mehr so stressen zu lassen wie früher. Ich wollte gelassener bleiben, meine Grenzen besser achten und mich nicht mehr von jeder Kleinigkeit aus der Ruhe bringen lassen.
Anfangs funktionierte das ganz gut. Doch mit der Zeit kehrten die alten Gewohnheiten zurück. Die Arbeit wurde mehr, die Tage voller, und irgendwann merkte ich, dass ich wieder genauso funktionierte wie vor meiner Erkrankung.
Ich hatte darüber fast vergessen, mich selbst im Blick zu behalten.
Vielleicht kennst du das auch. Während der Behandlung wünschst du dir nichts sehnlicher, als endlich wieder in deinen Alltag zurückzukehren. Und wenn es so weit ist, stellst du fest, dass nicht automatisch alles wieder so ist wie früher.
Die Erkrankung hat etwas verändert. Vielleicht bist du körperlich nicht so belastbar, hast mit Nebenwirkungen zu kämpfen oder möchtest deine Zeit anders nutzen als früher.
Doch dein Umfeld sieht möglicherweise nur, dass du wieder da bist. Im Büro heißt es: „Wie schön, dass du zurück bist!“ Und schon landet ein neuer Stapel Arbeit auf deinem Schreibtisch.
Deine Kolleginnen und Kollegen können nicht unbedingt wissen, was in dir vorgeht. Sie haben deine Erkrankung nicht selbst erlebt. Das ist kein Vorwurf. Aber es bedeutet, dass du deine Bedürfnisse manchmal selbst deutlich machen musst.
Wie gelingt es uns, nach einer solchen Erfahrung nicht wieder in alte Muster zu verfallen?
Ich habe ein paar Gedanken und Ideen für dich gesammelt.
1. Erinnere dich daran, was dir wichtig ist
Während meiner Behandlung war mir vieles klarer als später im Alltag. Ich wollte mich weniger über Kleinigkeiten aufregen, meine Gesundheit ernst nehmen und mehr Zeit für die Menschen und Dinge haben, die mir wichtig sind.
Doch solche Vorsätze geraten schnell in Vergessenheit, wenn die täglichen Anforderungen wieder zunehmen.
Deshalb kann es helfen, dir regelmäßig ein paar Minuten Zeit zu nehmen und dich zu fragen:
- Was ist mir gerade wirklich wichtig?
- Was kostet mich unnötig Kraft?
- Wofür möchte ich meine Zeit und Energie einsetzen?
- Was möchte ich in meinem Alltag verändern?
Du kannst deine Gedanken aufschreiben und dir die Notizen später wieder anschauen. Vielleicht entdeckst du dabei, dass sich deine Prioritäten verändert haben. Oder du stellst fest, dass du zwar genau weißt, was dir guttun würde, es aber im Alltag immer wieder nach hinten schiebst.
Mach dir deswegen keine Vorwürfe. Es geht nicht darum, einen perfekten Lebensplan zu erstellen. Es geht darum, dich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.
2. Nimm wahr, wann es zu viel wird
Manchmal merken wir erst spät, dass wir uns zu viel zugemutet haben. Wir sagen noch schnell zu einer Aufgabe Ja, obwohl wir eigentlich keine Zeit mehr haben. Wir nehmen uns keine Pause, weil die Arbeit noch nicht erledigt ist. Und abends wundern wir uns, warum wir völlig erschöpft sind.
Achtsamkeit kann helfen, solche Situationen früher wahrzunehmen.
Du musst dafür nicht täglich eine halbe Stunde meditieren. Manchmal reicht es, zwischendurch kurz innezuhalten und dich zu fragen: Wie geht es mir gerade? Bin ich angespannt? Brauche ich eine Pause?
Vielleicht bemerkst du, dass du die Schultern hochziehst, flacher atmest oder innerlich schon wieder bei den nächsten fünf Aufgaben bist.
Das ist ein guter Moment, kurz durchzuatmen und zu überlegen, was jetzt wirklich notwendig ist.
Nicht alles muss sofort erledigt werden. Und nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig.
3. Setze Grenzen, auch wenn es dir schwerfällt
Grenzen setzen klingt einfach. In der Praxis ist es oft alles andere als leicht.
Vielleicht möchtest du deine Kolleginnen nicht enttäuschen. Vielleicht willst du beweisen, dass du wieder voll belastbar bist. Oder du hast Angst, als schwierig zu gelten, wenn du eine zusätzliche Aufgabe ablehnst.
Gerade nach einer längeren Erkrankung kann der Wunsch groß sein, wieder ganz normal mitzumachen.
Doch du musst niemandem etwas beweisen.
Wenn du merkst, dass dir die Arbeit zu viel wird, kannst du das ansprechen. Du musst nicht gleich grundsätzlich Nein sagen. Manchmal reicht es, gemeinsam zu überlegen, was zuerst erledigt werden muss, welche Frist realistisch ist oder wer dich unterstützen kann.
Du könntest zum Beispiel sagen:
„Ich kümmere mich gerne darum. Allerdings habe ich aktuell mehrere Aufgaben gleichzeitig. Können wir kurz besprechen, was Priorität hat und bis wann du das Ergebnis benötigst?“
Das ist weder unkollegial noch unprofessionell. Es hilft dabei, Erwartungen zu klären und Überlastung zu vermeiden.
Und auch privat darfst du Grenzen setzen. Du musst nicht bei jeder Verabredung dabei sein, jede Bitte erfüllen oder immer für alle verfügbar sein.
Nein zu etwas zu sagen, kann manchmal auch ein Ja zu dir selbst sein.
4. Hol dir Unterstützung, statt alles allein zu schaffen
Wir sind oft erstaunlich gut darin, anderen Hilfe anzubieten. Wenn es um uns selbst geht, sieht es dagegen manchmal anders aus.
Vielleicht möchtest du niemandem zur Last fallen. Vielleicht denkst du, dass du dich nach der Behandlung nicht mehr so anstellen solltest. Oder du hast das Gefühl, dass andere erwarten, du müsstest inzwischen wieder ganz die Alte sein.
Aber du darfst Unterstützung brauchen. Auch lange nach dem Ende der Akuttherapie.
Vielleicht hilft dir ein Gespräch mit einer vertrauten Person. Vielleicht möchtest du dich mit anderen Frauen austauschen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Und vielleicht wäre eine psychoonkologische Beratung oder ein Gespräch mit einer psychologischen Fachkraft hilfreich.
Auch im beruflichen Alltag kann Unterstützung sinnvoll sein. Manchmal lässt sich eine Aufgabe anders verteilen, eine Arbeitszeit vorübergehend anpassen oder eine Pause besser organisieren.
Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht, bevor du um Hilfe bittest.
5. Finde kleine Erinnerungen an deine Vorsätze
Es ist völlig normal, dass gute Vorsätze im Alltag wieder in den Hintergrund rücken. Gewohnheiten sind hartnäckig, besonders wenn wir unter Zeitdruck stehen.
Deshalb kann es hilfreich sein, dich auf kleine Weise an das zu erinnern, was du verändern möchtest.
Vielleicht klebst du einen Zettel an deinen Bildschirm. Vielleicht stellst du dir eine Erinnerung im Kalender ein oder notierst dir morgens eine Sache, die du heute bewusst anders machen möchtest.
Das muss nichts Großes sein. Zum Beispiel:
- Heute mache ich meine Mittagspause ohne nebenbei zu arbeiten.
- Ich frage nach Unterstützung, bevor mir alles zu viel wird.
- Ich gehe nach Feierabend noch eine kleine Runde spazieren.
- Ich sage nicht sofort Ja, sondern überlege erst, ob ich die Aufgabe übernehmen kann.
- Ich plane bewusst etwas ein, auf das ich mich freue.
Und wenn du am Ende des Tages feststellst, dass du doch wieder im Hamsterrad gelandet bist? Dann ist das kein Scheitern. Du hast es bemerkt und kannst morgen einen neuen Versuch starten.
Veränderungen entstehen selten über Nacht. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis sich eine neue Gewohnheit entwickelt.
Dein Leben nach der Krebsbehandlung darf anders sein
Viele Menschen freuen sich auf den Tag, an dem die Akuttherapie endlich vorbei ist. Man hofft, dass dann wieder Normalität einkehrt und das Leben seinen gewohnten Gang nimmt.
Doch manchmal ist es komplizierter.
Vielleicht sind noch Nebenwirkungen da. Vielleicht haben sich deine Prioritäten verändert. Vielleicht möchtest du nicht mehr dieselben Dinge tun wie früher, weißt aber noch nicht genau, was stattdessen kommen soll.
Das ist verständlich. Eine schwere Erkrankung kann vieles verändern, und es braucht Zeit, sich neu zu orientieren.
Du musst nicht sofort wissen, wie dein Leben in fünf Jahren aussehen soll. Vielleicht reicht es, heute auf dich zu achten und herauszufinden, was dir guttut.
Es wird weiterhin stressige Phasen geben. Du wirst dich vielleicht wieder über Kleinigkeiten ärgern oder zu viel auf einmal übernehmen. Das gehört zum Leben dazu.
Entscheidend ist nicht, dass du nie wieder in alte Muster verfällst. Entscheidend ist, dass du es bemerkst und dir erlaubst, etwas zu verändern.
Du kannst nicht jeden Stress vermeiden. Aber du darfst lernen, deine Grenzen ernster zu nehmen, Unterstützung anzunehmen und dir regelmäßig Zeit für dich selbst zu gönnen.
Und bitte vergiss bei all den Vorsätzen nicht, das Leben zu genießen. Du darfst lachen, reisen, mit Freunden zusammensitzen, deine Lieblingsmusik hören oder einfach einmal nichts tun.
Du musst nicht erst alles im Griff haben, um gut für dich zu sorgen.
Alles Liebe,
Diana 💚
Quellen und weiterführende Informationen
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Krebs seelisch bewältigen
Informationen zur psychischen Belastung bei Krebs, zum Umgang mit Veränderungen und dazu, wann Unterstützung hilfreich sein kann.
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/krankheit-bewaeltigen
Krebsinformationsdienst: Angst und andere seelische Belastungen bei Krebs
Informationen zu Ängsten, Sorgen und psychischer Unterstützung während und nach einer Krebserkrankung.
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/seelische-belastungen-angst
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung. Wenn dich anhaltender Stress oder Ängste stark belasten, darfst du dir professionelle Unterstützung holen.

