Gesundheit & Wissen
Erste Hilfe bei Durchfall während der Chemo oder Abemaciclib
Was dir im Alltag helfen kann, worauf du beim Essen und Trinken achten solltest und wann du ärztliche Unterstützung brauchst.
Es gibt Dinge im Brustkrebsalltag, über die niemand besonders gern spricht. Durchfall gehört definitiv dazu.
Dabei kommt er bei manchen Chemotherapien und besonders häufig bei der Behandlung mit Abemaciclib vor. Ich weiß, wie unangenehm das sein kann. Man traut sich kaum noch aus dem Haus, sucht bei jedem Spaziergang vorsorglich nach der nächsten Toilette und fragt sich irgendwann, ob der eigene Darm überhaupt noch mitspielt.
Das kann ganz schön an die Substanz gehen.
Ich möchte dir deshalb ein paar praktische Ideen mitgeben, die den Alltag bei Durchfall erleichtern können. Es geht um geeignete Getränke, verträgliches Essen und kleine Helfer, die du ausprobieren kannst.
Vorweg ist mir aber etwas besonders wichtig: Bei Durchfall unter Abemaciclib solltest du nicht erst abwarten, bis die Beschwerden stark sind. Informiere dein Behandlungsteam bereits bei den ersten Anzeichen von dünnem Stuhl und halte dich an den vereinbarten Behandlungsplan. Durchfall kann zu erheblichem Flüssigkeits- und Salzverlust führen.
1. Trinken hat jetzt Priorität
Bei Durchfall verlierst du Flüssigkeit und Elektrolyte. Deshalb ist es wichtig, den Verlust möglichst auszugleichen.
Trinke über den Tag verteilt regelmäßig kleine Mengen. Oft ist das angenehmer, als auf einmal ein großes Glas zu trinken.
Geeignet sein können beispielsweise:
- stilles Wasser
- milde Kräutertees
- klare Brühe
- eine fertige Elektrolyt- beziehungsweise Rehydrierungslösung aus der Apotheke
Bei stärkerem Durchfall kann eine Rehydrierungslösung sinnvoll sein, weil sie Wasser und wichtige Salze in einer abgestimmten Zusammensetzung enthält. Bereite sie genau nach Packungsanleitung zu. Selbst gemischte Lösungen mit frei geschätzten Mengen Salz und Zucker können falsch dosiert sein.
Eine feste Trinkmenge passt nicht für jeden Menschen. Wenn du beispielsweise eine Herz- oder Nierenerkrankung hast oder deine Trinkmenge begrenzen musst, frage dein Behandlungsteam, was für dich richtig ist.
Achte auch darauf, ob du deutlich weniger urinierst, sehr durstig wirst oder Schwindel bekommst. Das können Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels sein.
2. Iss, was du gerade gut verträgst
Wenn der Darm rebelliert, brauchst du keine komplizierte Ernährungsstrategie. Häufig sind einfache, eher milde Mahlzeiten angenehmer als sehr fettige, scharfe oder üppige Speisen.
Vielleicht verträgst du im Moment besonders gut:
- Reis oder Kartoffeln
- Banane
- Haferbrei
- Toastbrot oder Zwieback
- eine milde Suppe
- gekochte Möhren
Probiere kleinere Portionen aus und iss lieber mehrmals über den Tag verteilt, wenn dir das leichter fällt.
Du musst allerdings nicht pauschal auf sämtliche Milchprodukte, Rohkost oder Zucker verzichten. Manche Menschen reagieren während des Durchfalls empfindlicher auf Milchzucker, Fett, Kaffee oder bestimmte Gemüsearten. Bei anderen spielt das keine große Rolle.
Beobachte, was dir bekommt, und passe deine Auswahl vorübergehend an. Wenn du stark abnimmst oder ohnehin Schwierigkeiten hast, genug zu essen, solltest du dich nicht unnötig einschränken. Dann ist eine individuelle Ernährungsberatung hilfreich.
3. Möhrensuppe nach Moro: Ein einfaches Rezept
Die Möhrensuppe nach Moro ist ein traditionelles Hausmittel bei Durchfall. Sie lässt sich einfach zubereiten und kann eine milde Mahlzeit sein.
Die Suppe wird lange gekocht. Ihre Zusammensetzung verändert sich dabei. Dass sie bei Durchfall während einer Krebsbehandlung zuverlässig hilft oder eine medizinische Behandlung ersetzen kann, ist allerdings nicht ausreichend belegt.
Wenn du sie gern ausprobieren möchtest, brauchst du:
- 500 g Möhren
- 1 Liter Wasser
- etwas Salz nach Geschmack
So bereitest du sie zu:
- Schäle die Möhren und schneide sie in kleine Stücke.
- Koche sie in einem Liter Wasser etwa 90 Minuten weich.
- Püriere die Möhren gründlich.
- Ergänze abgekochtes Wasser, bis du wieder ungefähr einen Liter Suppe hast.
- Würze die Suppe mild und iss sie in kleinen Portionen, sofern du sie gut verträgst.
Die Suppe ist eine mögliche Ergänzung zu deiner Ernährung, aber kein Ersatz für den Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten oder für eine notwendige medizinische Behandlung.
4. Geriebener Apfel, Heidelbeeren und schwarzer Tee: Was ist dran?
Vielleicht kennst du die alten Hausmittel bei Durchfall: geriebener Apfel, getrocknete Heidelbeeren oder lange gezogener schwarzer Tee.
Diese Empfehlungen sind weit verbreitet. Für manche Menschen sind sie angenehm, aber ihre Wirkung ist nicht in allen Situationen gut belegt.
Geriebener Apfel enthält Pektin. Getrocknete Heidelbeeren enthalten Gerbstoffe. Schwarzer Tee enthält ebenfalls Gerbstoffe, kann aber durch das Koffein für manche Menschen ungünstig sein.
Du kannst solche Lebensmittel in kleinen Mengen ausprobieren, wenn du sie gut verträgst. Verlass dich aber nicht darauf, dass sie Durchfall zuverlässig stoppen. Gerade bei Durchfall unter einer Krebstherapie sind sie kein Ersatz für die empfohlenen Maßnahmen.
Auch Flohsamenschalen und Heilerde würde ich nicht ohne Rücksprache einsetzen. Solche Produkte können die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen oder sind nicht für jede Situation geeignet. Sprich deshalb zuerst mit deinem Behandlungsteam oder deiner Apotheke.
5. Was du vorübergehend lieber reduzieren kannst
Während einer Durchfallphase lohnt es sich, auf deinen Körper zu achten. Manche Lebensmittel und Getränke können die Beschwerden verstärken.
Dazu gehören bei einigen Menschen:
- sehr fettige oder frittierte Speisen
- scharfe Gerichte
- Alkohol
- größere Mengen Kaffee
- sehr süße Getränke
- Milch und Milchprodukte, wenn du sie gerade schlecht verträgst
Auch größere Mengen Rohkost, Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte können bei manchen Menschen vorübergehend unangenehm sein.
Du musst aber nicht alles gleichzeitig streichen. Wähle lieber gezielt das ab, von dem du merkst, dass es deine Beschwerden verschlimmert. Sobald sich dein Darm erholt, kannst du deine Ernährung schrittweise wieder erweitern.
6. Wenn die Haut wund wird
Wer häufig zur Toilette muss, kennt vielleicht auch das Brennen und die gereizte Haut am After. Das kann sehr unangenehm werden.
Versuche, den Bereich möglichst schonend zu reinigen. Lauwarmes Wasser und vorsichtiges Trockentupfen können angenehmer sein als starkes Reiben mit trockenem Toilettenpapier.
Eine milde, gut verträgliche Schutzcreme kann helfen, die Haut vor weiterer Reizung zu schützen. Bei offenen Stellen, starken Schmerzen oder anhaltenden Beschwerden solltest du dich ärztlich beraten lassen.
Und bitte schäme dich nicht, darüber zu sprechen. Das Behandlungsteam kennt solche Probleme und kann dir helfen, eine passende Lösung zu finden.
7. Besonders wichtig: Durchfall unter Abemaciclib
Wenn du Abemaciclib einnimmst, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Durchfall ist eine häufige Nebenwirkung und kann gerade zu Beginn der Behandlung auftreten. Er kann aber auch später entstehen und mit einem erheblichen Flüssigkeitsverlust verbunden sein.
Deshalb gilt:
Bei den ersten Anzeichen von dünnem Stuhl solltest du nach dem mit deinem Behandlungsteam vereinbarten Plan handeln und umgehend Kontakt aufnehmen. In der offiziellen Gebrauchsinformation wird ein Durchfallmittel wie Loperamid genannt. Ob und wie du es anwenden sollst, richtet sich nach deinen individuellen Anweisungen.
Warte nicht erst zwei Tage und zähle auch nicht ab, ob du bereits vier, fünf oder sechs Toilettengänge hattest. Lass dir möglichst schon vor Beginn der Behandlung erklären, was du im Fall von Durchfall tun sollst und wen du erreichen kannst.
Nimm außerdem keine zusätzlichen Hausmittel, Probiotika oder andere Durchfallpräparate auf eigene Faust ein. Kläre vorher ab, ob sie zu deiner Krebstherapie passen.
Je nach Stärke der Beschwerden muss das Behandlungsteam möglicherweise weitere Maßnahmen einleiten oder die Dosis der Therapie anpassen. Ändere die Dosis von Abemaciclib jedoch niemals selbst.
Wann brauchst du dringend medizinische Hilfe?
Bitte warte nicht ab, wenn sich dein Zustand verschlechtert.
Hole dir umgehend medizinischen Rat, insbesondere wenn du:
- sehr häufigen oder starken wässrigen Durchfall hast
- Fieber oder starke Bauchschmerzen bekommst
- Blut im Stuhl bemerkst
- wiederholt erbrichst oder Flüssigkeit nicht bei dir behalten kannst
- starken Schwindel, Kreislaufprobleme oder ausgeprägte Schwäche bemerkst
- deutlich weniger urinierst
Während einer Krebstherapie kann Durchfall unterschiedliche Ursachen haben. Nicht jede Ursache lässt sich mit Hausmitteln behandeln. Bei starken Beschwerden kann auch eine Infektion dahinterstecken, die abgeklärt werden muss.
Mein Fazit: Du musst das nicht einfach aushalten
Durchfall ist unangenehm, kann den Alltag auf den Kopf stellen und kostet Kraft. Du musst dich dafür nicht schämen und auch nicht versuchen, alles mit natürlichen Hausmitteln allein in den Griff zu bekommen.
Trinke regelmäßig, wähle Lebensmittel, die du gut verträgst, und gönne dir Ruhe. Eine milde Suppe oder ein kleiner Teller Reis können angenehm sein. Hausmittel können ergänzen, aber sie ersetzen keine notwendige Behandlung.
Wenn du Abemaciclib einnimmst, ist es besonders wichtig, bei den ersten Anzeichen von Durchfall nach deinem Behandlungsplan zu handeln und dein Behandlungsteam sofort zu informieren.
Du musst nicht tapfer durchhalten. Du darfst dir Hilfe holen – lieber früh als zu spät.
Alles Liebe,
Diana 💚
Quellen und weiterführende Informationen
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Durchfall bei Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/durchfall
Offizielle Patienteninformation zu Abemaciclib (Verzenios): Was tun bei Durchfall?
https://medical.lilly.com/de/patient/answers/was-mache-ich-bei-durchfall-unter-verzenios-abemaciclib-192042
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Durchfall während einer Chemotherapie oder unter Abemaciclib solltest du die Anweisungen deines Behandlungsteams befolgen.

