Persönliches & Leben

Ich mag nicht mehr! - Kein Bock mehr auf Chemo

Was mir geholfen hat, als ich während meiner Chemotherapie am liebsten aufgegeben hätte.

Kennst du diesen Moment, in dem du einfach nicht mehr kannst? In dem du am liebsten alles hinschmeißen möchtest, weil dir die Kraft fehlt, noch einen weiteren Schritt zu gehen?

Ich kenne diesen Moment.

2013, während meiner Brustkrebsbehandlung, hatte ich bei meiner dritten EC-Chemotherapie das Gefühl, dass ich nicht mehr weitermachen wollte. Ich hatte Angst vor der nächsten Behandlung und davor, was sie wieder mit mir machen würde.

Ich wollte einfach nur, dass das alles aufhört.

Vielleicht kennst du solche Gedanken. Vielleicht stehst du gerade vor deiner nächsten Chemotherapie und möchtest am liebsten absagen. Vielleicht bist du körperlich erschöpft, hast mit Nebenwirkungen zu kämpfen oder kannst die Vorstellung einer weiteren Behandlung kaum ertragen.

Dann möchte ich dir zuerst eines sagen: Du musst dich für solche Gedanken nicht schämen. Sie bedeuten nicht, dass du schwach bist. Eine Krebsbehandlung kann körperlich und seelisch unglaublich anstrengend sein.

Ich möchte dir erzählen, was mir damals geholfen hat und was du ausprobieren kannst, wenn du selbst an deine Grenzen kommst.

Als ich nicht mehr konnte

Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr ich mich vor der nächsten Chemotherapie fürchtete. Ich wusste ja inzwischen, was auf mich zukommen konnte. Die Ungewissheit der ersten Behandlung war einer Erfahrung gewichen, vor der ich Angst hatte.

Irgendwann war der Gedanke da: Ich mag nicht mehr. Ich will das nicht noch einmal durchmachen.

Ich schrieb einer Freundin davon. Ihre Antwort hat mir damals geholfen, wieder etwas Kraft zu finden und den Blick auf den nächsten Schritt zu richten.

Es war nicht so, dass plötzlich alle Angst verschwunden wäre. Aber ich fühlte mich nicht mehr ganz allein mit dem, was in mir vorging.

Manchmal brauchen wir genau das: einen Menschen, der zuhört, uns ernst nimmt und uns daran erinnert, dass wir nicht den ganzen Weg auf einmal bewältigen müssen.

Ich habe damals weitergemacht. Aber ich möchte dir nicht erzählen, dass das für jede Frau die einzig richtige Entscheidung sein muss. Jede Behandlungssituation ist anders. Wenn du nicht mehr kannst, brauchst du Unterstützung und ein offenes Gespräch mit deinem Behandlungsteam – keine Vorwürfe.

Wenn du die Chemotherapie abbrechen möchtest

Vielleicht hast du selbst schon darüber nachgedacht, die nächste Behandlung abzusagen oder die Therapie ganz zu beenden.

Bitte behalte solche Gedanken nicht für dich.

Deine Ärztin oder dein Arzt sollte wissen, wie es dir geht und wie sehr dich die Nebenwirkungen belasten. Es gibt häufig Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern. Manchmal können Medikamente angepasst, unterstützende Maßnahmen ergänzt oder Behandlungsschritte verändert werden.

Eine Therapiepause, Dosisanpassung oder ein Wechsel muss medizinisch abgewogen werden. Bitte entscheide das nicht allein und setze die Behandlung nicht eigenständig ab.

Das bedeutet nicht, dass du einfach alles aushalten musst. Deine Lebensqualität und deine Belastungsgrenzen gehören in die Behandlungsgespräche.

Und wenn du Angst hast, deine Sorgen anzusprechen, kannst du dir vorher notieren, was dich am meisten belastet. Vielleicht hilft es dir auch, eine vertraute Person zum Termin mitzunehmen.

Was dir bei den Nebenwirkungen helfen kann

Die Beschwerden während einer Chemotherapie können sehr unterschiedlich sein. Was einer Frau hilft, bringt einer anderen vielleicht wenig. Hier sind ein paar Ideen, die du ergänzend ausprobieren kannst.

1. Sprich Übelkeit frühzeitig an

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen mancher Chemotherapien. Heute gibt es wirksame Medikamente, die solche Beschwerden verhindern oder lindern können.

Nimm die Medikamente gegen Übelkeit so ein, wie dein Behandlungsteam sie dir verordnet hat. Warte nicht, bis du dich bereits sehr schlecht fühlst, bevor du um Hilfe bittest.

Manchen Menschen hilft zusätzlich Ingwer, etwa als Tee oder in kleinen Mengen beim Essen. Die Wirkung ist individuell, und Ingwer ersetzt keine ärztlich verordneten Medikamente gegen Übelkeit. Wenn du Nahrungsergänzungsmittel oder konzentrierte Ingwerpräparate verwenden möchtest, sprich vorher mit deinem Behandlungsteam.

2. Iss das, was du gerade verträgst

Während der Chemotherapie kann sich der Geschmack verändern. Vielleicht schmecken deine Lieblingsgerichte plötzlich anders, oder dir wird bei bestimmten Gerüchen übel.

Versuche, dich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Kleine Mahlzeiten können manchmal leichter sein als drei große. Vielleicht verträgst du gerade etwas Einfaches wie Zwieback, Kartoffeln, Reis oder eine Suppe besser als ein aufwendiges Essen.

Wenn du unter Sodbrennen oder Verdauungsproblemen leidest, lass dich beraten. Welche Maßnahmen helfen, hängt von der Ursache ab. Wenn du kaum essen oder trinken kannst, wiederholt erbrichst oder deutlich an Gewicht verlierst, informiere dein Behandlungsteam.

3. Mach Pausen, ohne dich dafür zu rechtfertigen

Erschöpfung ist während einer Krebsbehandlung keine Faulheit. Dein Körper leistet gerade viel und du darfst deine Kräfte einteilen.

Vielleicht brauchst du am Morgen länger, um in Gang zu kommen. Vielleicht ist nach einem kleinen Spaziergang erst einmal eine Ruhepause nötig. Das ist in Ordnung.

Wenn du dich dazu in der Lage fühlst, kann sanfte Bewegung helfen, beweglich zu bleiben und die Erschöpfung zu lindern. Aber du musst dich nicht dazu zwingen, wenn du dich gerade sehr schwach fühlst.

Hör auf deinen Körper und sprich mit deinem Behandlungsteam, wenn die Müdigkeit ungewöhnlich stark ist oder deinen Alltag massiv einschränkt.

4. Gönn dir kleine Auszeiten

Vielleicht hilft dir Musik. Vielleicht ein Hörbuch, ein warmes Getränk oder ein Gespräch mit einer Freundin.

Es muss nichts Besonderes sein. Manchmal tut es gut, sich für eine Weile mit etwas zu beschäftigen, das nichts mit Krebs zu tun hat.

Wenn du gerne visualisierst, kannst du dir einen Ort vorstellen, an dem du dich wohlfühlst. Vielleicht ist es ein Strand, ein Wald oder ein gemütliches Zimmer. Du kannst dir auch ein Bild ausdenken, das dir Kraft gibt.

Solche Vorstellungen können eine mentale Auszeit sein. Sie ersetzen keine Krebstherapie und beeinflussen nicht nachweislich deren medizinische Wirkung. Aber sie können dir helfen, dich für einen Moment auf etwas Angenehmes zu konzentrieren.

5. Nimm deine seelische Belastung ernst

Eine Chemotherapie fordert nicht nur den Körper. Auch Angst, Traurigkeit, Schlafprobleme und das Gefühl, nicht mehr zu können, können sehr belastend sein.

Du musst damit nicht allein zurechtkommen.

Vielleicht hilft dir ein Gespräch mit einer vertrauten Person. Vielleicht möchtest du psychoonkologische Unterstützung in Anspruch nehmen. Und manchmal kann auch eine medikamentöse Behandlung bei Depressionen, Angst oder Schlafproblemen sinnvoll sein.

Ich selbst habe während meiner Erkrankung erlebt, wie wichtig seelische Unterstützung sein kann.

Wenn du Antidepressiva einnimmst oder darüber nachdenkst, sprich mit deinem Behandlungsteam. Manche Medikamente können Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten haben. Das lässt sich bei der Auswahl berücksichtigen. Verändere oder beende eine solche Medikation nicht eigenständig.

Sich psychische Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Weg, die eigene Belastung ernst zu nehmen.

Bilder im Kopf können eine kleine Hilfe sein

Während meiner Behandlung habe ich mit inneren Bildern gearbeitet. Ich stellte mir beispielsweise während der Chemo vor, wie ein kleiner Reinigungstrupp durch meinen Körper geht.

Mir half dieses Bild, weil ich mich dadurch für einen Moment weniger ausgeliefert fühlte.

Natürlich funktioniert eine Chemotherapie nicht so, wie es diese Vorstellung zeigt. Die Medikamente wirken auf biologischem Weg, und meine Fantasie konnte nicht bestimmen, wie die Behandlung verlief.

Aber ich konnte mir ein Bild suchen, das mir Kraft gab. Vielleicht hilft dir etwas Ähnliches. Vielleicht ist es eine Farbe, ein Ort, ein Lieblingslied oder eine Erinnerung an etwas, das du schon einmal geschafft hast.

Du musst dafür nicht an eine besondere Heilkraft glauben. Du darfst es einfach als eine Möglichkeit nutzen, mit deinen Gedanken und Gefühlen umzugehen.

Wenn sich eine solche Übung für dich nicht gut anfühlt, lass sie weg. Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen.

Denk auch an die schönen Dinge, die noch kommen

Eine Freundin hat mir damals geholfen, den Blick wieder ein Stück nach vorne zu richten. Nicht auf eine ferne Zukunft, für die ich gerade keine Kraft hatte, sondern auf etwas Greifbares.

Vielleicht hast du selbst eine kleine Sache, auf die du dich freuen kannst. Ein Besuch, ein Lieblingsessen, ein Filmabend oder ein Moment mit einem lieben Menschen.

Du kannst dir auch eine kleine Liste mit Dingen machen, die du gerne erleben möchtest. Sie muss nicht spektakulär sein. Vielleicht möchtest du wieder ans Meer fahren, ein Konzert besuchen, mit Freunden essen gehen oder einfach einen Nachmittag ohne Termine verbringen.

Das bedeutet nicht, dass du immer positiv denken musst. Du darfst Angst haben und gleichzeitig Vorfreude empfinden. Du darfst einen schweren Tag haben und trotzdem Pläne machen.

Und wenn heute nichts davon geht, ist das auch in Ordnung. Du musst nicht jeden Tag einen Lichtblick finden.

Du musst das nicht allein schaffen

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, weiß ich noch, wie groß meine Angst vor der nächsten Chemotherapie war. Und ich weiß, wie wichtig es war, dass jemand meine Verzweiflung ernst nahm.

Vielleicht stehst du gerade an einem ähnlichen Punkt. Vielleicht bist du wütend, erschöpft oder hast einfach keine Lust mehr auf all das.

Du darfst das sagen.

Bitte sprich mit deinem Behandlungsteam, wenn die Nebenwirkungen oder die Angst so groß werden, dass du über einen Abbruch nachdenkst. Viele Beschwerden lassen sich behandeln oder zumindest lindern. Und wenn ein Behandlungsschritt angepasst werden muss, könnt ihr gemeinsam darüber sprechen.

Du musst nicht tapfer schweigen. Du musst auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung.

Manchmal reicht es, den nächsten Schritt zu schaffen. Nicht die ganze Strecke. Nur den nächsten Schritt.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du Menschen an deiner Seite hast, die dich auffangen, wenn du nicht mehr kannst. Und dass du dir selbst erlaubst, Hilfe anzunehmen.

Alles Liebe,

Diana 💚

 

Quellen und weiterführende Informationen

1. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Übelkeit und Erbrechen während der Krebstherapie
Informationen zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen sowie zum Umgang mit stark belastenden Nebenwirkungen.
https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/uebelkeit-und-erbrechen

2. Krebsinformationsdienst: Chemotherapie – Medikamente und Nebenwirkungen
Informationen zu Nebenwirkungen und dazu, welche Möglichkeiten es gibt, Beschwerden zu lindern oder eine Behandlung anzupassen.
https://www.krebsinformationsdienst.de/chemotherapie/substanzen-und-nebenwirkungen-bei-krebs

3. Krebsinformationsdienst: Psychoonkologie – psychologische Unterstützung bei Krebs
Informationen zu psychischer Belastung und Unterstützung während und nach einer Krebserkrankung.
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/psychoonkologie

4. Krebsinformationsdienst: Medikamente gegen Krebs richtig anwenden
Informationen zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Krebsmedikamenten, Antidepressiva und weiteren Arzneimitteln.
https://www.krebsinformationsdienst.de/medikamente-tipps

Hinweis: Dieser Beitrag beruht teilweise auf meinen persönlichen Erfahrungen aus dem Jahr 2013. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei belastenden Nebenwirkungen oder wenn du über einen Abbruch der Chemotherapie nachdenkst, wende dich bitte an dein Behandlungsteam.

Wenn du im Original lesen möchtest, was ich damals meiner Freundin schrieb und sie mir antwortete und mir viel Kraft gab, kannst du hier lesen:

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