Gesundheit & Wissen

Knochengesundheit bei Brustkrebs

Was du bei antihormoneller Therapie für deine Knochen tun kannst

Über Knochen denkt man im Alltag meistens nicht besonders viel nach. Sie tragen uns schließlich ganz selbstverständlich durchs Leben. Bis ein Befund zeigt, dass sie etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen.

Bei Brustkrebs kann das Thema besonders wichtig werden. Bestimmte Behandlungen, vor allem Aromatasehemmer wie Letrozol, Anastrozol oder Exemestan, senken den Östrogenspiegel. Das kann dazu führen, dass Knochenmasse verloren geht und das Risiko für Knochenbrüche steigt.

Das bedeutet nicht, dass deine Knochen zwangsläufig Schaden nehmen. Es bedeutet aber, dass es sinnvoll ist, sie im Blick zu behalten.

Warum die Knochengesundheit bei Brustkrebs wichtig ist

Knochen sind lebendiges Gewebe. Sie werden ständig umgebaut: Altes Knochengewebe wird abgebaut und neues aufgebaut.

Östrogen spielt bei diesem Prozess eine wichtige Rolle. Sinkt der Östrogenspiegel, kann der Knochenabbau zunehmen. Das passiert beispielsweise nach den Wechseljahren, kann aber auch durch bestimmte Brustkrebstherapien begünstigt werden.

Ob und wie stark sich das auf deine Knochen auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem dein Alter, deine Ausgangs-Knochendichte, frühere Knochenbrüche, weitere Erkrankungen und die jeweilige Behandlung.

Was du selbst für deine Knochen tun kannst

Du musst nicht alles auf einmal verändern. Schon einige grundlegende Dinge können helfen, deine Knochen und Muskeln zu unterstützen.

1. Bewegung in den Alltag bringen

Bewegung ist nicht nur gut für Herz und Kreislauf, sondern auch für Knochen, Muskeln, Gleichgewicht und Koordination.

Geeignet können zum Beispiel sein:

  • Spaziergänge und zügiges Gehen
  • Treppensteigen, wenn es für dich gut machbar ist
  • Tanzen
  • Übungen zur Kräftigung der Muskulatur
  • Gleichgewichtsübungen, etwa angepasstes Tai-Chi

Besonders hilfreich sind regelmäßig ausgeführte, an die eigene Situation angepasste Übungen, bei denen Muskeln und Knochen belastet werden. 

Schwimmen ist ebenfalls gut für die allgemeine Fitness, belastet die Knochen durch das Körpergewicht aber weniger als Gehen oder andere Übungen im Stehen.

Wenn bei dir bereits eine ausgeprägte Osteoporose, Wirbelkörperbrüche oder andere Einschränkungen vorliegen, sollte die Auswahl der Übungen ärztlich oder physiotherapeutisch abgestimmt werden.

Und noch etwas: Es muss kein perfekter Trainingsplan sein. Eine Bewegung, die dir Freude macht und die du regelmäßig in deinen Alltag einbauen kannst, ist ein guter Anfang.

2. Auf ausreichend Calcium achten

Calcium ist ein wichtiger Baustein unserer Knochen. Der Bedarf lässt sich häufig über eine abwechslungsreiche Ernährung decken.

Calcium steckt beispielsweise in:

  • Joghurt und Käse
  • calciumangereicherten Pflanzendrinks
  • calciumreichem Mineralwasser
  • Brokkoli und anderen grünen Gemüsesorten
  • calciumreich zubereitetem Tofu
  • Mandeln und einigen weiteren Nüssen

Wenn du wenig oder keine Milchprodukte isst, lohnt es sich, auf calciumreiche Alternativen zu achten. Bei Pflanzendrinks hilft ein Blick auf die Nährwertangaben: Nicht jedes Produkt ist mit Calcium angereichert.

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht automatisch nötig. Ob ein Präparat sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel Calcium du über die Ernährung aufnimmst und welche individuellen Risiken bestehen.

3. Vitamin D im Blick behalten

Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und ist wichtig für die Knochengesundheit.

Der Vitamin-D-Status kann unter anderem durch die Ernährung, die körpereigene Bildung in der Haut und individuelle Faktoren beeinflusst werden. Ob du ein Präparat benötigst und in welcher Dosierung, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Hoch dosierte Präparate solltest du nicht auf eigene Faust einnehmen.

Auch andere Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin K2 oder Magnesium sind nicht pauschal für alle Menschen unter antihormoneller Therapie erforderlich. Entscheidend sind der individuelle Bedarf, mögliche Wechselwirkungen und gegebenenfalls vorhandene Mängel.

4. Die Knochendichte kontrollieren lassen

Wenn du eine Therapie mit einem Aromatasehemmer beginnst, kann eine Knochendichtemessung sinnvoll sein. Dafür wird häufig die DXA- oder DEXA-Messung verwendet.

Sie hilft dabei, die Knochendichte einzuschätzen und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche besser zu beurteilen.

Ob und wann die Messung wiederholt werden sollte, hängt von deinem Ausgangsbefund, deinen Risikofaktoren und deiner Behandlung ab. Es gibt deshalb kein Kontrollintervall, das für alle gleichermaßen gilt.

Sprich dein Behandlungsteam ruhig konkret darauf an:

  • Wurde meine Knochendichte bereits untersucht?
  • Habe ich ein erhöhtes Risiko für Osteoporose oder Knochenbrüche?
  • Wann ist eine erneute Kontrolle sinnvoll?
  • Brauche ich zusätzliche Maßnahmen oder eine medikamentöse Behandlung?

Je nach Befund können neben Bewegung und Ernährung auch Medikamente zum Schutz der Knochen infrage kommen. Das entscheidet dein Behandlungsteam gemeinsam mit dir.

Eine kleine Checkliste für deinen nächsten Arzttermin

Wenn du eine antihormonelle Therapie erhältst oder erhalten hast, kannst du diese Fragen mitnehmen:

  • Ist mein persönliches Risiko für Knochenverlust erhöht?
  • Ist eine Knochendichtemessung bei mir sinnvoll oder bereits vorgesehen?
  • Wie viel Calcium nehme ich ungefähr über meine Ernährung auf?
  • Sollte mein Vitamin-D-Status überprüft werden?
  • Welche Bewegung ist für meine Knochen und meine aktuelle körperliche Situation geeignet?
  • Gibt es bei mir Gründe, über eine zusätzliche medikamentöse Behandlung nachzudenken?

Du musst nicht alle Fragen auf einmal klären. Sie können dir aber helfen, das Thema bei deinem nächsten Termin anzusprechen.

Du musst nicht alles perfekt machen

Knochengesundheit ist kein Projekt, das man mit einer bestimmten Anzahl von Schritten, einem Nahrungsergänzungsmittel oder einer einzelnen Maßnahme erledigt.

Es geht darum, die eigenen Risiken zu kennen und das zu tun, was zur persönlichen Situation passt. Manchmal sind es kleine Veränderungen im Alltag. Manchmal braucht es eine gezielte medizinische Behandlung. Beides kann sinnvoll sein.

Deine Knochen tragen dich durchs Leben. Es lohnt sich, ihnen ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Fragen zu deiner Brustkrebstherapie, Knochendichte oder Nahrungsergänzung besprich die nächsten Schritte bitte mit deinem Behandlungsteam.

 

Quellen:

Aktualisierte internationale Fachgesellschafts-Empfehlung zum Knochenverlust unter Aromatasehemmern (2025)

NICE: Empfehlungen zur Behandlung von Brustkrebs, einschließlich Knochendichtemessung

Royal Osteoporosis Society: Auswirkungen von Brustkrebsbehandlungen auf die Knochen

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