Gesundheit & Wissen
Mach den Vitamin D Check
Warum Vitamin D wichtig ist und was wir über Brustkrebs wissen.
Fehlt dir auch so sehr die Sonne?
Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich manchmal nur Einheitsgrau. Hellgrau, dunkelgrau – eben Grau in allen Nuancen. Und kaum ist man aufgestanden und in den Tag gestartet, wird es gefühlt schon wieder dunkel.
Und dann fällt es mir wieder ein: Unsere Haut braucht Sonnenlicht, um Vitamin D zu bilden.
Vitamin D ist ein spannendes Thema. Es ist wichtig für unsere Knochen, unsere Muskeln und verschiedene Funktionen des Immunsystems. Und auch im Zusammenhang mit Krebs wird intensiv daran geforscht.
Gerade seit meiner eigenen Brustkrebsdiagnose beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir unseren Körper gut versorgen können.
Deshalb möchte ich dich auf Vitamin D aufmerksam machen. Nicht, um dir Angst zu machen oder dir ein bestimmtes Präparat zu empfehlen. Sondern weil ich finde, dass wir unsere Vitamin-D-Versorgung im Blick behalten sollten.
Was ist Vitamin D eigentlich?
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein. Unser Körper kann es mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut selbst bilden. Anschließend wird es in mehreren Schritten in seine aktive Form umgewandelt.
Vitamin D ist vor allem für den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel wichtig und trägt damit zur Erhaltung normaler Knochen bei. Es spielt außerdem eine Rolle für die Muskelfunktion und ist an verschiedenen Prozessen des Immunsystems beteiligt.
Das allein macht es schon zu einem wichtigen Nährstoff.
Doch was hat Vitamin D mit Brustkrebs zu tun?
Vitamin D und Brustkrebs: Was wissen wir heute?
Es gibt zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel im Blut und verschiedenen Krebserkrankungen untersucht haben. Auch bei Brustkrebs wurden Zusammenhänge gefunden.
In Laboruntersuchungen gibt es Hinweise darauf, dass die aktive Form von Vitamin D Prozesse beeinflussen kann, die für Zellwachstum, Zelldifferenzierung und den programmierten Zelltod wichtig sind. Das ist wissenschaftlich interessant und ein Grund, warum weiter zu diesem Thema geforscht wird.
Aber Laborergebnisse sind nicht automatisch auf den Menschen übertragbar. Und auch ein Zusammenhang zwischen zwei Faktoren beweist noch nicht, dass der eine den anderen verursacht.
Die Studie mit den 82 Prozent
Vielleicht hast du schon von einer Studie gelesen, in der Frauen mit Vitamin-D-Blutwerten von mindestens 60 ng/ml ein deutlich niedrigeres Brustkrebsrisiko hatten als Frauen mit Werten unter 20 ng/ml.
Diese Untersuchung aus dem Jahr 2018 fand tatsächlich einen solchen Zusammenhang. In der zusammengeführten Studiengruppe mit 5.038 Frauen wurden allerdings insgesamt nur 77 Brustkrebsfälle beobachtet.
Das Ergebnis ist interessant. Es zeigt aber nicht automatisch, dass eine Frau durch die Einnahme von Vitamin D einen Blutwert von 60 ng/ml erreichen und dadurch ihr Brustkrebsrisiko um 82 Prozent senken kann.
Warum nicht? Die Frauen wurden nicht zufällig unterschiedlichen Vitamin-D-Blutwerten zugeteilt. Es können also weitere Unterschiede zwischen den Gruppen eine Rolle gespielt haben. Außerdem ist eine Beobachtung etwas anderes als der Nachweis, dass eine gezielte Maßnahme den beobachteten Effekt verursacht.
Auch andere Untersuchungen haben Zusammenhänge zwischen niedrigeren Vitamin-D-Spiegeln und ungünstigeren Brustkrebsergebnissen gefunden. Die Ergebnisse sind aber nicht einheitlich, und die Bedeutung für das individuelle Rückfallrisiko ist noch nicht abschließend geklärt.
Mein Fazit daraus: Vitamin D und Brustkrebs sind ein wichtiges Forschungsgebiet. Einen Vitamin-D-Mangel sollte man ernst nehmen. Wir können aber derzeit nicht behaupten, dass hohe Vitamin-D-Spiegel Brustkrebs verhindern oder einen Rückfall zuverlässig vermeiden.
Das eine schließt das andere nicht aus: Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit, auch wenn sein Nutzen als gezielte Krebsprävention noch nicht bewiesen ist.
Vitamin D während einer Brustkrebsbehandlung
Gerade bei Brustkrebs lohnt es sich, die Versorgung mit Vitamin D im Blick zu behalten. Bestimmte Behandlungen, darunter Aromatasehemmer, können die Knochendichte beeinflussen. Dann sind die Knochengesundheit und eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D besonders wichtig.
Auch zur Frage, ob Vitamin D bei Nebenwirkungen einer Chemotherapie eine Rolle spielt, gibt es Forschung.
Eine Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte beispielsweise Frauen, die Paclitaxel erhielten. Bei den Patientinnen mit Vitamin-D-Mangel traten stärkere Beschwerden durch eine Chemotherapie-bedingte Polyneuropathie auf als bei den Frauen ohne Mangel.
Das ist ein interessanter Hinweis. Die Studie war allerdings klein und beobachtend. Sie beweist deshalb nicht, dass Vitamin-D-Präparate eine Polyneuropathie verhindern können.
Wenn du eine Chemotherapie oder antihormonelle Therapie erhältst, sprich mit deinem Behandlungsteam darüber, ob deine Vitamin-D-Versorgung kontrolliert werden sollte. Gerade wenn die Knochengesundheit betroffen ist oder weitere Risikofaktoren vorliegen, kann das sinnvoll sein.
Wie kommen wir an Vitamin D?
Der größte Teil unseres Vitamin D kann bei ausreichender UVB-Bestrahlung in der Haut gebildet werden. Über die Ernährung nehmen wir normalerweise deutlich weniger auf.
- Vitamin D steckt unter anderem in:
- fettreichem Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele
- Eiern
- einigen Pilzen, insbesondere wenn sie UV-Licht ausgesetzt waren
- bestimmten angereicherten Lebensmitteln
Natürlich kannst du diese Lebensmittel in deine Ernährung einbauen. Über die Nahrung allein ist es aber oft schwierig, größere Mengen Vitamin D aufzunehmen.
Und was ist mit der Sonne?
Sonnenlicht ist für die körpereigene Vitamin-D-Bildung wichtig. Die Menge, die wir bilden, hängt allerdings unter anderem von Jahreszeit, Tageszeit, Hauttyp, Alter und Aufenthaltsort ab.
Deshalb gibt es keine pauschal richtige Anzahl von Minuten, die für alle Menschen gilt.
Wichtig ist, Sonnenbrand zu vermeiden. Du solltest dich nicht ungeschützt bis an die Grenze eines Sonnenbrandes der Sonne aussetzen, nur um Vitamin D zu bilden. Achte auf die örtlichen Empfehlungen zum UV-Schutz und darauf, deine Haut vor übermäßiger UV-Strahlung zu schützen.
Brauche ich ein Vitamin-D-Präparat?
Vielleicht. Das hängt von deiner persönlichen Versorgung und deiner Situation ab.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene einen Schätzwert von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag, wenn der Körper kein Vitamin D selbst bilden kann. Das entspricht 800 internationalen Einheiten (IE).
Das ist kein pauschales Rezept für jede Person. Wer ausreichend Vitamin D über die Haut bildet, braucht nicht automatisch zusätzlich ein Präparat. Umgekehrt kann eine Ergänzung sinnvoll sein, wenn die körpereigene Bildung nicht ausreicht oder ein Mangel vorliegt.
Besonders bei bestimmten Erkrankungen, wenig Aufenthalt im Freien oder bei Behandlungen, die die Knochengesundheit beeinflussen, lohnt es sich, die individuelle Situation ärztlich zu besprechen.
Sollte ich meinen Vitamin-D-Spiegel messen lassen?
Der Vitamin-D-Status lässt sich durch eine Blutuntersuchung des 25-OH-Vitamin-D-Wertes bestimmen.
Nicht jeder gesunde Mensch benötigt routinemäßig einen solchen Test. Bei bestimmten Risikofaktoren oder medizinischen Fragestellungen kann eine Messung jedoch sinnvoll sein. Das gilt insbesondere dann, wenn deine Ärztin oder dein Arzt daraus Konsequenzen für deine Behandlung ableiten kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betrachtet einen Blutwert von mindestens 50 nmol/l, also 20 ng/ml, als ausreichend für die Knochengesundheit. Das ist ein Orientierungswert und kein nachgewiesener optimaler Zielwert zur Krebsprävention.
Und hier kommt mir wieder die Studie mit den 60 ng/ml in den Sinn: Nur weil in einer Beobachtungsstudie ein Zusammenhang mit diesem Wert gefunden wurde, bedeutet das nicht, dass wir alle diesen Wert anstreben sollten.
Meine persönliche Vitamin-D-Geschichte
Als ich meine Brustkrebsdiagnose bekam, lag mein Vitamin-D-Spiegel bei 17 ng/ml. Das war niedriger als der Orientierungswert, der für eine ausreichende Versorgung der Knochen herangezogen wird. Auch andere betroffene Frauen erzählten mir von einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Das hat mir schon zu denken gegeben.
Später habe ich mich intensiver mit Vitamin D beschäftigt, meinen Wert kontrollieren lassen und mich mit meiner Versorgung auseinandergesetzt. Zu einem Zeitpunkt lag mein persönlicher Blutwert bei ungefähr 60 ng/ml.
Ich finde es wichtig, solche Erfahrungen zu teilen. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass mein Wert keine allgemeine Empfehlung ist. Er beweist auch nicht, dass Vitamin D meine Brustkrebserkrankung verhindert hätte oder ein erneutes Auftreten verhindern wird.
Was ich daraus mitgenommen habe: Es lohnt sich, Fragen zu stellen, die eigene Versorgung zu verstehen und medizinische Entscheidungen nicht allein auf Vermutungen oder einzelne Studien zu stützen.
Vitamin D und Vitamin K2: Gehören sie zusammen?
Vielleicht hast du schon gelesen, dass man hoch dosiertes Vitamin D immer zusammen mit Vitamin K2 einnehmen sollte.
Eine allgemeine Empfehlung dafür gibt es nicht. Ein zusätzlicher Nutzen der Kombination ist nicht ausreichend belegt.
Vitamin K kann außerdem mit bestimmten gerinnungshemmenden Medikamenten, etwa Marcumar, wechselwirken. Deshalb solltest du Vitamin K2 nicht einfach auf eigene Faust ergänzen, sondern vorher ärztlichen Rat einholen, wenn du solche Medikamente einnimmst.
Auch Vitamin D selbst sollte nicht beliebig hoch dosiert werden. Zu viel davon kann zu einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut und gesundheitlichen Problemen führen. Hoch dosierte Präparate und große Einzelgaben gehören deshalb in medizinisch begründete Hände.
Mein Fazit: Vitamin D im Blick behalten
Ich halte Vitamin D für einen wichtigen Bestandteil unserer Gesundheit. Für Knochen und Muskeln, für die normale Funktion des Immunsystems und für viele körperliche Prozesse.
Auch der Zusammenhang zwischen Vitamin D und Krebs bleibt ein spannendes Forschungsgebiet. Ich finde es richtig, dass wir uns damit beschäftigen und neue Erkenntnisse ernst nehmen.
Derzeit ist leider nicht nachgewiesen, dass hohe Vitamin-D-Blutwerte oder eine Supplementierung Brustkrebs zuverlässig verhindern oder einen Rückfall vermeiden.
Was du aber tun kannst: auf deine Vitamin-D-Versorgung achten, bei Bedarf ärztlichen Rat einholen und nicht wahllos hoch dosierte Präparate einnehmen.
Informiere dich, stell Fragen und finde gemeinsam mit deinem Behandlungsteam heraus, was für dich sinnvoll ist.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung. Ob eine Blutuntersuchung oder die Einnahme eines Vitamin-D-Präparates sinnvoll ist, hängt von deiner individuellen Situation ab.
Quellen und weiterführende Informationen
1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQ Vitamin D
Informationen zu Funktion, Versorgung und Referenzwerten.
https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-d/
2. National Cancer Institute (NCI): Vitamin D and Cancer
Übersicht über die Forschung zu Vitamin D und Krebs, einschließlich der Ergebnisse randomisierter Studien.
https://www.cancer.gov/about-cancer/causes-prevention/risk/diet/vitamin-d-fact-sheet
3. McDonnell et al. (2018): Breast cancer risk markedly lower with serum 25-hydroxyvitamin D concentrations ≥60 vs <20 ng/ml
Beobachtungsanalyse, die einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Blutwerten und Brustkrebsrisiko untersuchte.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29906273/
4. Song et al. (2019): Vitamin D intake, blood vitamin D levels, and the risk of breast cancer: a dose-response meta-analysis of observational studies
Metaanalyse zu Vitamin-D-Spiegeln, Vitamin-D-Zufuhr und Brustkrebsrisiko.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6949087/
5. Voutsadakis (2021): Vitamin D baseline levels at diagnosis of breast cancer: A systematic review and meta-analysis
Übersichtsarbeit zu Vitamin-D-Werten bei Brustkrebsdiagnose.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33002425/
6. Jennaro et al. (2020): Vitamin D deficiency increases severity of paclitaxel-induced peripheral neuropathy
Beobachtungsstudie zu Vitamin-D-Mangel und Polyneuropathie bei Frauen unter Paclitaxel.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32166478/
7. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D
Informationen zu Dosierung, Risiken und zur Kombination mit Vitamin K.
https://www.bfr.bund.de/presseinformation/hochdosierte-nahrungsergaenzungsmittel-mit-vitamin-d-koennen-langfristig-die-gesundheit-beeintraechtigen-1/

