Gesundheit & Wissen

Milch und Bruskrebs - Was wissen wir heute?

Was die Forschung über Kuhmilch, pflanzliche Alternativen und unsere Gesundheit sagt.

Kannst du dich daran erinnern? Früher warb die Milchindustrie mit dem Spruch: „Die Milch macht’s“. Und in den USA fragte die Werbung: „Got Milk?“

Milch galt lange als Inbegriff gesunder Ernährung. Sie sollte starke Knochen machen und uns mit allem versorgen, was wir brauchen.

Doch heute stellen sich viele Menschen Fragen: Ist Kuhmilch wirklich so gesund? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Milch und Brustkrebs? Und sind Pflanzendrinks vielleicht die bessere Alternative?

Ich habe mich mit diesen Fragen beschäftigt. Auch meine eigene Brustkrebserkrankung hat meinen Blick auf Ernährung verändert. Dabei ist mir eines wichtig geworden: Persönliche Entscheidungen dürfen wir treffen. Bei medizinischen Aussagen sollten wir aber genau hinschauen, was die Forschung tatsächlich belegt.

Milch und Brustkrebs: Gibt es einen Zusammenhang?

Gerade bei hormonabhängigem Brustkrebs wird immer wieder darüber diskutiert, ob Kuhmilch das Erkrankungsrisiko beeinflussen könnte. Schließlich enthält Milch natürliche Hormone, und auch der insulinähnliche Wachstumsfaktor IGF-1 spielt in unserem Körper eine Rolle.

IGF-1 unterstützt unter anderem das Zellwachstum. Das ist zunächst nichts Schlechtes, denn unser Körper braucht solche Prozesse. Gleichzeitig untersuchen Forschende, welche Rolle Wachstumsfaktoren bei verschiedenen Erkrankungen spielen.

Aber lässt sich daraus schließen, dass Kuhmilch Brustkrebs verursacht oder das Wachstum von Krebszellen fördert?

Nein, das lässt sich aus der bisherigen Forschung nicht verlässlich ableiten.

Milch enthält von Natur aus geringe Mengen verschiedener Hormone. Auch IGF-1 ist ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers. Aus diesen Tatsachen allein folgt jedoch nicht, dass der Konsum von Milch das Brustkrebsrisiko erhöht.

Die Studien zum Zusammenhang zwischen Milchprodukten und Brustkrebs kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Insgesamt gibt es derzeit keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass Milch generell Brustkrebs verursacht. Manche Untersuchungen fanden keinen Zusammenhang, andere Hinweise auf ein möglicherweise geringeres Risiko.

Auch für Frauen, die bereits Brustkrebs hatten, gibt es nach aktuellem Forschungsstand keinen Beleg dafür, dass sie Milchprodukte grundsätzlich meiden müssen, um einen Rückfall zu verhindern.

Das heißt nicht, dass jede Ernährungsfrage abschließend geklärt ist. Es bedeutet aber, dass wir vorsichtig sein sollten, wenn einzelne Studien oder biologische Erklärungen als eindeutiger Beweis dargestellt werden.

Und wie habe ich mich entschieden?

Ich habe für mich nach meiner Brustkrebserkrankung entschieden, keine Kuhmilch mehr zu trinken. Weder im Kaffee noch im Müsli.

Diese Entscheidung hat verschiedene Gründe. Mich beschäftigen neben dem Thema Gesundheit auch die Haltung von Milchkühen, der Umgang mit den Kälbern und die Umweltbelastung durch die Milchproduktion.

Ich möchte mit meiner Ernährung möglichst im Einklang mit meinen persönlichen Werten leben. Das ist meine Entscheidung – und ich finde, jede und jeder darf sich mit solchen Fragen auseinandersetzen.

Mir ist dabei wichtig, zwischen meiner persönlichen Haltung und wissenschaftlich belegten Aussagen zu unterscheiden. Ich möchte dir keine Angst vor einem Lebensmittel machen, für dessen schädlichen Einfluss auf Brustkrebs es keinen eindeutigen Nachweis gibt.

Ist Milch wirklich unverzichtbar für starke Knochen?

Milch liefert Kalzium, Eiweiß und weitere Nährstoffe, die für unseren Körper wichtig sind. Kalzium spielt unter anderem für Knochen und Zähne eine zentrale Rolle.

Aber bedeutet das, dass wir unbedingt Kuhmilch trinken müssen?

Nein. Milchprodukte sind eine mögliche Kalziumquelle, aber nicht die einzige. Auch ohne Kuhmilch lässt sich der Körper mit Kalzium versorgen.

Die Forschung zur Knochengesundheit ist komplexer, als es viele Werbebotschaften vermuten lassen. Aus einem hohen Kalziumgehalt allein lässt sich beispielsweise nicht ableiten, dass ein Lebensmittel Osteoporose verhindert. Gleichzeitig ist eine ausreichende Kalziumversorgung gerade mit zunehmendem Alter wichtig.

Vielleicht hast du auch schon die Theorie gehört, Milch mache den Körper sauer und deshalb müsse er Kalzium aus den Knochen lösen. Diese Erklärung gilt in dieser Form nicht als wissenschaftlich belegt. Unser Körper reguliert seinen Säure-Basen-Haushalt sehr genau.

Auch die Behauptung, Osteoporose sei in Ländern mit geringem Milchkonsum unbekannt, stimmt nicht. Osteoporose kommt weltweit vor, wenn auch mit unterschiedlichen Häufigkeiten.

Gute Kalziumquellen ohne Kuhmilch

Wenn du auf Kuhmilch verzichtest, kannst du Kalzium unter anderem über folgende Lebensmittel aufnehmen:

  • Grünkohl und andere kalziumreiche Gemüse
  • Tofu, sofern er mit Kalzium hergestellt wurde
  • Sesam und Tahin
  • Bestimmte Nüsse und Samen
  • Kalziumreiches Mineralwasser
  • Pflanzendrinks, die mit Kalzium angereichert sind

Gerade wenn du wenig oder keine Milchprodukte isst, lohnt sich ein Blick auf deine gesamte Ernährung. Vitamin D, Eiweiß und weitere Nährstoffe spielen ebenfalls für die Knochengesundheit eine Rolle.

Das ist besonders relevant für Frauen nach den Wechseljahren und für Menschen, deren Krebstherapie die Knochengesundheit beeinflussen kann.

Milchzucker: Nicht jeder verträgt ihn gleich gut

Ein weiterer Punkt ist der Milchzucker, die sogenannte Laktose.

Damit unser Körper Laktose verdauen kann, benötigt er das Enzym Laktase. Bei vielen Menschen nimmt die Produktion dieses Enzyms nach dem Kindesalter ab.

Schätzungen zufolge haben weltweit ungefähr 68 Prozent der Bevölkerung eine verminderte Fähigkeit, Laktose zu verdauen. Die Häufigkeit unterscheidet sich allerdings stark zwischen den Regionen der Welt.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer verminderten Laktoseverdauung und einer tatsächlichen Laktoseintoleranz. Nicht jeder Mensch, der Laktose schlechter verdaut, bekommt automatisch Beschwerden.

Wenn die Laktose nicht ausreichend aufgespalten wird, kann sie im Dickdarm von Bakterien verarbeitet werden. Dabei können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall entstehen.

Wenn du solche Beschwerden nach Milchprodukten bemerkst, muss das nicht bedeuten, dass du grundsätzlich auf alle Milchprodukte verzichten musst. Manche Menschen vertragen kleinere Mengen oder bestimmte Produkte, etwa laktosefreien Joghurt oder gereiften Käse, besser als andere.

Auch Pflanzendrinks können eine Alternative sein, wenn du Milchprodukte nicht verträgst oder einfach nicht verwenden möchtest.

Pflanzendrinks: Welche Alternative passt zu dir?

Als ich angefangen habe, Kuhmilch zu ersetzen, war ich überrascht, wie viele Möglichkeiten es inzwischen gibt: Hafer, Soja, Mandeln, Reis, Kokos, Erbsen oder andere pflanzliche Zutaten.

Anfangs war ich nicht mit jeder Sorte glücklich. Gerade im Kaffee schmeckt ein Pflanzendrink anders als Kuhmilch. Ich musste ein wenig herumprobieren, bis ich etwas gefunden habe, das mir wirklich schmeckt.

Heute verwende ich meistens Haferdrink. Wenn es keinen gibt, komme ich auch mit Sojadrink gut zurecht.

Mein Tipp: Lass dich nicht entmutigen, wenn dir die erste Variante nicht schmeckt. Probiere unterschiedliche Sorten und Marken aus. Vielleicht passt ein Drink im Kaffee nicht, macht sich aber wunderbar im Porridge, beim Backen oder im Kartoffelpüree.

Hafer, Soja, Mandel oder Reis?

Die Unterschiede liegen nicht nur im Geschmack. Auch der Nährstoffgehalt variiert.

Haferdrink schmeckt mild und leicht süßlich. Er passt gut zu Kaffee, Müsli und Porridge. Sein Eiweißgehalt ist meist niedriger als der von Kuhmilch oder Sojadrink.

Sojadrink enthält vergleichsweise viel Eiweiß und kann deshalb eine besonders praktische Alternative sein. Achte darauf, ob Kalzium und weitere Nährstoffe zugesetzt wurden.

Mandeldrink schmeckt häufig nussig und leicht. Er enthält normalerweise wenig Eiweiß und ist deshalb kein gleichwertiger Eiweißersatz für Milch.

Reisdrink schmeckt oft süßlich. Auch hier ist der Eiweißgehalt meist gering.

Kokosdrink kann je nach Produkt sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Manche Varianten enthalten relativ viel gesättigtes Fett.

Wenn du Kuhmilch regelmäßig ersetzt, lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste und Nährwerttabelle. Sinnvoll sind häufig ungesüßte Varianten, die mit Kalzium, Vitamin B12 und Jod angereichert sind. Je nach Produkt können auch Vitamin D und weitere Nährstoffe zugesetzt sein.

Ein Pflanzendrink ist nicht automatisch nährstoffreicher als Kuhmilch. Es kommt auf die konkrete Sorte und darauf an, wie du dich insgesamt ernährst.

Was ist mit Soja bei Brustkrebs?

Vielleicht hast du schon gehört, dass Frauen mit Brustkrebs kein Soja essen sollten. Dahinter steckt die Diskussion über Isoflavone. Diese pflanzlichen Stoffe können an Östrogenrezeptoren binden und werden deshalb manchmal mit körpereigenen Hormonen in Verbindung gebracht.

Die gute Nachricht: Nach heutigem Forschungsstand gelten normale Sojalebensmittel wie Tofu, Edamame und Sojadrink auch für Frauen mit Brustkrebs als unbedenklich. Studien deuten darauf hin, dass sie das Risiko eines Rückfalls nicht erhöhen. Ein möglicher Nutzen wird ebenfalls untersucht.

Anders sieht es bei hoch dosierten Isoflavon-Nahrungsergänzungsmitteln aus. Diese enthalten konzentrierte Mengen, die nicht mit den üblichen Mengen aus Lebensmitteln gleichgesetzt werden können. Ihre Sicherheit ist nicht ausreichend geklärt.

Deshalb würde ich Sojalebensmittel nicht aus Angst meiden. Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen solltest du dagegen nicht ohne Rücksprache mit deinem Behandlungsteam einnehmen.

Und wie sieht es mit der Umwelt aus?

Auch der ökologische Fußabdruck war für mich ein wichtiger Punkt bei meiner Entscheidung.

Die Produktion von Kuhmilch verursacht unter anderem Treibhausgasemissionen und benötigt landwirtschaftliche Flächen. Im Durchschnitt schneiden pflanzliche Drinks bei den Umweltbelastungen pro Liter besser ab als Kuhmilch. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten und bei den betrachteten Umweltfaktoren.

So benötigt Mandelanbau beispielsweise vergleichsweise viel Wasser in bestimmten Anbaugebieten. Bei Soja spielen Herkunft und Anbauweise eine Rolle. Für den ökologischen Fußabdruck macht es außerdem einen Unterschied, wie die Rohstoffe angebaut und verarbeitet werden.

Pflanzendrinks sind deshalb nicht alle gleich. Trotzdem können sie eine gute Möglichkeit sein, die eigene Ernährung pflanzenbetonter zu gestalten.

Die Haltung von Milchkühen, wie sie in der Milchproduktion vielfach praktiziert wird, lehne ich entschieden ab. Mich belastet der Gedanke, dass Kühe immer wieder Kälber zur Welt bringen müssen, damit sie Milch geben, und dass Mutter und Kalb häufig früh voneinander getrennt werden. Auch die Bedingungen, unter denen viele Tiere leben, passen nicht zu meinen Vorstellungen von einem respektvollen Umgang mit Lebewesen.

Ich möchte diese Form der Tierhaltung nicht unterstützen. Deshalb habe ich für mich entschieden, keine Kuhmilch mehr zu trinken und auf pflanzliche Alternativen umzusteigen. Das ist für mich nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch eine Frage meiner Werte.

Mein Fazit: Du darfst selbst entscheiden

Ich möchte dir nicht vorschreiben, ob du Kuhmilch trinken solltest oder nicht.

Die Forschung liefert bisher keinen überzeugenden Beweis dafür, dass Milch generell Brustkrebs verursacht. Gleichzeitig ist Kuhmilch kein unverzichtbares Lebensmittel. Wer sie nicht trinken möchte, kann sich auch anders ausgewogen ernähren.

Für mich spielen persönliche Erfahrungen, Tierwohl und Umwelt eine wichtige Rolle. Deshalb bleibe ich bei meiner Entscheidung gegen Kuhmilch. Und ich bin froh, dass es heute so viele pflanzliche Alternativen gibt.

Vielleicht möchtest du es selbst einmal ausprobieren. Vielleicht bleibst du bei Kuhmilch. Beides ist eine persönliche Entscheidung.

Wichtig ist mir nur, dass du dich gut informierst, keine Angst vor einzelnen Lebensmitteln entwickeln musst und bei einer Ernährungsumstellung auf eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen achtest.

Du musst nicht alles auf einmal verändern. Manchmal beginnt es mit einem neuen Pflanzendrink im Kaffee.

 

Quellen und weiterführende Informationen

Milch und Krebs

World Cancer Research Fund (WCRF): Dairy and cancer
Überblick über den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Milchprodukten und verschiedenen Krebsarten.
https://www.wcrf.org/preventing-cancer/topics/dairy-and-cancer/

Breast Cancer Now: Diet, lifestyle and breast cancer recurrence
Informationen zu Ernährung nach einer Brustkrebsdiagnose und zur Frage, ob Milchprodukte das Rückfallrisiko beeinflussen.
https://breastcancernow.org/about-breast-cancer/life-after-treatment/diet-lifestyle-and-breast-cancer-recurrence

Laktoseintoleranz

National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK): Definition & Facts for Lactose Intolerance
Informationen zur Laktoseverdauung und zur weltweiten Häufigkeit der Laktosemalabsorption.
https://www.niddk.nih.gov/health-information/digestive-diseases/lactose-intolerance/definition-facts

Kalzium und Knochengesundheit

Harvard T. H. Chan School of Public Health: Calcium
Hintergrundinformationen zu Kalzium, Knochenstoffwechsel und verschiedenen Nahrungsquellen.
https://nutritionsource.hsph.harvard.edu/calcium/

Soja und Brustkrebs

American Cancer Society: Soy and Cancer Risk – Our Expert’s Advice
Einordnung der Forschung zu Sojalebensmitteln, Brustkrebs und Isoflavon-Nahrungsergänzungsmitteln.
https://www.cancer.org/cancer/latest-news/soy-and-cancer-risk-our-experts-advice.html

Pflanzendrinks und Umwelt

Our World in Data: Dairy vs. plant-based milk – what are the environmental impacts?
Vergleich des ökologischen Fußabdrucks von Kuhmilch und verschiedenen pflanzlichen Alternativen.
https://ourworldindata.org/environmental-impact-milks

UK Government: Assessment of the health benefits and risks of consuming plant-based drinks
Wissenschaftliche Bewertung von Pflanzendrinks, Nährstoffzusammensetzung und Anreicherung.
https://www.gov.uk/government/publications/plant-based-drinks-health-benefits-and-risks/sacn-and-cot-assessment-of-the-health-benefits-and-risks-of-consuming-plant-based-drinks-summary

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