Persönliches & Leben

Angst vor der Nachsorge: Was mir geholfen hat

Wenn die nächste Untersuchung näher rückt und das Kopfkino beginnt. Meine Erfahrungen und Gedanken dazu, wie du mit dieser Angst umgehen kannst.

Letzte Woche war ich zur Mammographie. Acht Jahre nach meiner Brustkrebsdiagnose ist das für mich fast schon eine jährliche Routine. Aber eben nur fast.

Die Mammographie wurde gemacht und ich sollte draußen noch warten. Einige Minuten später kam eine Schwester und bat mich, in einem anderen Wartebereich Platz zu nehmen.

Oh mein Gott! Was war los? War mit den Aufnahmen etwas nicht in Ordnung?

Die Schwester hatte mich lediglich gebeten, mich woanders hinzusetzen. Kein komischer Blick, kein Wort zum Befund. Und trotzdem gingen bei mir alle Alarmglocken an.

Unter meiner Maske (Corona-Zeit) bekam ich fast Schnappatmung und mein Herz pochte kräftig gegen meine Brust.

Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Was, wenn auf den Bildern etwas zu sehen war? Was würde dann passieren? Musste ich wieder eine Chemotherapie machen? Wie würde es weitergehen?

Ich war gedanklich schon bei Dingen, von denen ich noch gar nicht wusste, ob sie überhaupt eintreten würden.

Dann hielt ich kurz inne und sagte mir innerlich ziemlich energisch: Stopp! Du weißt doch noch gar nichts. Niemand hat gesagt, dass der Krebs zurück ist. Jetzt warte erst einmal ab.

Das Einzige, was ich in diesem Moment konkret tun konnte, war atmen. Tief ein und langsam wieder aus. Ein paar Mal hintereinander.

Und tatsächlich: Ich wurde ruhiger. Die Schnappatmung verschwand und ich konnte wieder etwas klarer denken.

Dann setzte sich eine Frau in denselben Wartebereich, die nach mir dran gewesen war. Da dachte ich: Moment mal. Vielleicht ist das hier einfach der Bereich, in dem die nächste Untersuchung stattfindet.

Und genau so war es. Die Ärztin hatte dort ihren Raum mit dem Ultraschallgerät.

Als sie mich hereinrief, sagte sie gleich zu Beginn: „Schon mal vorab: Alles in Ordnung.“

Puh! Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen.

Als ich die Klinik verließ, schickte ich innerlich noch ein kleines Dankgebet nach oben. Und ich dachte darüber nach, was da gerade passiert war. Acht Jahre nach meiner Diagnose hatte mich eine ganz normale Situation in der Nachsorge innerhalb weniger Minuten in Angst versetzt.

Wie kann das sein? Und vor allem: Was kann ich tun, wenn mir das wieder passiert?

Warum die Angst vor der Nachsorge immer wiederkommen kann

Vielleicht kennst du solche Situationen auch. Du hast eine Einladung zur Mammographie oder einen Termin zur Nachkontrolle und zunächst ist alles in Ordnung. Doch je näher der Termin rückt, desto unruhiger wirst du.

Manche Frauen schlafen in den Nächten davor schlechter. Andere bekommen Herzklopfen, können sich kaum konzentrieren oder malen sich die schlimmsten Szenarien aus.

Und selbst wenn du schon viele gute Untersuchungsergebnisse bekommen hast, kann die Angst beim nächsten Termin wieder da sein.

Ich glaube, wir sollten uns dafür nicht auch noch verurteilen. Eine Brustkrebsdiagnose ist eine Erfahrung, die Spuren hinterlassen kann. Wir wissen, dass sich das Leben von einem Moment auf den anderen verändern kann. Und auch wenn die Behandlung lange zurückliegt, ist die Erinnerung daran nicht einfach verschwunden.

Mein Onkologe spricht dann von der "Büchse der Pandora" - und wehe diese wird geöffnet.

Der Krebsinformationsdienst beschreibt die Angst vor einem Rückfall als eine häufige Belastung während und nach einer Krebserkrankung. Das ist also nichts, wofür du dich schämen müsstest.

Aber müssen wir deshalb jedes Mal völlig in Panik geraten?

Wahrscheinlich nicht. Und vielleicht können wir mit der Zeit lernen, die Angst besser aufzufangen.

Meine erste Hilfe: Stopp sagen und atmen

Was mir bei meinem Erlebnis geholfen hat, war erstaunlich einfach. Ich habe meine Gedanken unterbrochen und mich auf meine Atmung konzentriert.

Das bedeutet nicht, dass die Angst sofort verschwindet. Aber wenn wir aufgeregt sind, kann es helfen, den Atem bewusst zu verlangsamen und länger aus- als einzuatmen.

Du kannst das ganz unauffällig im Wartezimmer machen. Setz beide Füße auf den Boden. Spüre, wie du auf dem Stuhl sitzt. Atme ruhig ein und lass die Luft langsam wieder ausströmen.

Versuche nicht, die Angst mit aller Kraft wegzudrücken. Sag dir lieber: „Ich habe gerade Angst. Das ist unangenehm, aber ich muss jetzt nicht mit jedem Gedankenkarussell mitfahren.“

Und dann hol dich gedanklich zurück in den Moment.

Was weiß ich tatsächlich? Was vermute ich nur?

In meinem Fall wusste ich, dass ich zur Mammographie gegangen war und anschließend warten sollte. Mehr nicht. Alles andere hatte ich mir selbst ausgemalt.

Das zu erkennen hat mir geholfen.

Natürlich kann eine Untersuchung auch einmal einen auffälligen Befund ergeben. Ich möchte nichts schönreden. Aber solange du noch keine Information hast, musst du nicht schon alle möglichen Folgen durchleben.

Und was ist mit meiner Intuition?

Während ich auf das Ergebnis wartete, kam mir noch etwas in den Sinn.

Als ich 2013 meine Brustkrebsdiagnose bekam, hatte ich schon vorher ein ungutes Gefühl. Ich war traurig und spürte, dass etwas nicht stimmte. Vor dieser Mammographie war es anders. Ich war mit einem guten Gefühl hingegangen und hatte zunächst gedacht, dass alles in Ordnung sein würde.

Ich höre auch von anderen Frauen, dass sie vor ihrer Diagnose eine Ahnung hatten.

Für mich sind solche persönlichen Erfahrungen durchaus interessant. Aber ich glaube, wir sollten vorsichtig damit sein, daraus eine Regel abzuleiten.

Ein gutes Gefühl kann uns nicht garantieren, dass ein Befund unauffällig ist. Und ein ungutes Gefühl bedeutet nicht automatisch, dass etwas Schlimmes gefunden wird.

Unsere Gefühle können uns zeigen, wie es uns gerade geht. Sie können aber keine medizinische Untersuchung ersetzen und das Ergebnis nicht zuverlässig vorhersagen.

Deshalb möchte ich mich heute weder von einem schlechten Gefühl in Panik versetzen lassen noch mich allein aufgrund eines guten Gefühls in Sicherheit wiegen.

Ich versuche vielmehr, beides wahrzunehmen und auf die tatsächlichen Ergebnisse zu warten. Leichter gesagt als getan, ich weiß.

Was steckt eigentlich hinter meiner schlimmsten Angst?

Während meiner Brustkrebsbehandlung war ich bei einer Psychoonkologin in Behandlung. Ein Gespräch mit ihr ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Sie fragte mich, was meine drei schlimmsten Angstvorstellungen seien.

Damals waren das körperliche Schmerzen und ein langes Leiden, die Angst vor dem Tod und die Vorstellung, meine Familie allein zurückzulassen.

Als ich diese Gedanken aussprach, waren sie natürlich nicht einfach verschwunden. Aber ich musste mich mit ihnen auseinandersetzen. Meine Psychoonkologin fragte mich, was ich diesen Befürchtungen konkret entgegensetzen könnte.

Bei der Angst vor Schmerzen dachte ich beispielsweise daran, dass es eine gute Schmerztherapie und palliativmedizinische Unterstützung gibt. Das nahm mir nicht jede Sorge, aber ich erkannte, dass ich im Fall des Falles nicht völlig hilflos wäre.

Beim Thema Tod sagte meine Psychoonkologin etwas, das ich bis heute nicht vergessen habe: „Angst vor dem Tod ist auch immer die Angst vor dem Leben.“

Dieser Satz hat mich damals zum Nachdenken gebracht. Welche Dinge wollte ich eigentlich noch erleben? Was war mir wichtig? Was wollte ich nicht immer wieder auf später verschieben?

Natürlich lässt sich nicht jede Angst auf diese Weise lösen. Und Angst vor dem Tod ist nicht bei jedem Menschen gleich. Für mich war das Gespräch trotzdem hilfreich, weil es meinen Blick auch auf das Leben gerichtet hat, das ich noch vor mir hatte.

Bei meiner Sorge um die Familie ging es darum, Zeit miteinander zu verbringen, Dinge auszusprechen und die Menschen, die ich liebe, nicht auf irgendwann zu vertrösten.

Was ich daraus mitgenommen habe: Manchmal wird eine Angst etwas greifbarer, wenn wir sie genauer anschauen. Dann können wir überlegen, was uns helfen würde, falls das befürchtete Szenario tatsächlich eintritt.

Das ist keine Garantie dafür, dass wir uns danach besser fühlen. Aber es kann das Gefühl der Hilflosigkeit ein Stück weit verringern.

Du musst mit deiner Angst nicht allein bleiben

Manchmal hilft es, mit einer vertrauten Person zu sprechen. Vielleicht mit deinem Partner, einer Freundin, deiner Schwester oder jemandem, der dich schon lange kennt.

Du musst dabei nicht immer nach einer Lösung suchen. Manchmal tut es einfach gut, die Angst auszusprechen und nicht so zu tun, als wäre alles in Ordnung.

Auch der Austausch mit anderen betroffenen Frauen kann hilfreich sein. Sie wissen oft aus eigener Erfahrung, was die Zeit vor einer Nachsorgeuntersuchung mit einem machen kann. Vielleicht haben sie Ideen, die dir helfen. Vielleicht reicht es auch, wenn sie einfach zuhören.

Allerdings gilt auch hier: Jeder Mensch ist anders. Was der einen Frau guttut, kann bei einer anderen die Angst sogar verstärken. Wenn dich Erfahrungsberichte über Rückfälle oder Metastasen gerade stark belasten, darfst du Abstand davon nehmen.

Und wenn dich die Angst über längere Zeit sehr beschäftigt, deinen Schlaf beeinträchtigt oder deinen Alltag einschränkt, darfst du dir professionelle Hilfe holen. Psychoonkologische Unterstützung ist nicht nur während der akuten Behandlung sinnvoll. Sie kann auch danach eine wertvolle Hilfe sein.

Nimm dir jemanden zum Termin mit

Wenn du weißt, dass dich Untersuchungen besonders aufwühlen, kann es hilfreich sein, nicht allein hinzugehen.

Vielleicht kann dich dein Partner begleiten, deine Tochter, deine Mutter oder eine gute Freundin. Manchmal hilft schon die Gewissheit, dass jemand im Wartezimmer auf dich wartet und du danach nicht allein nach Hause musst.

Du kannst auch deine Ärztin oder deinen Arzt offen darauf ansprechen, dass du Angst hast. Sag ruhig, wenn du vor einem Befund besonders nervös bist oder wenn eine Untersuchung unangenehme Erinnerungen auslöst.

Die Nachsorge ist nicht nur dazu da, mögliche Veränderungen zu erkennen. Sie bietet auch Gelegenheit, Beschwerden, Spätfolgen und Sorgen anzusprechen. Wenn du nach der Behandlung beispielsweise mit Fatigue, Schmerzen oder Nebenwirkungen einer Antihormontherapie zu tun hast, gehört das ebenfalls auf den Tisch.

Nachsorge bedeutet nicht, dass du einfach regelmäßig kontrolliert wirst und ansonsten allein zurechtkommen musst.

Und noch etwas: Du darfst fragen, warum eine bestimmte Untersuchung gemacht wird, was sie aussagen kann und welche Folgen ein auffälliger Befund hätte. Verlässliche Informationen können helfen, Unsicherheit einzuordnen.

Die Nachsorge kann einen Rückfall nicht verhindern und keine Garantie für einen bestimmten Verlauf geben. Sie ist aber ein wichtiger Bestandteil der weiteren Betreuung.

Achte auch auf den Weg, nicht nur auf die Hindernisse

Ein Gedanke, der mir besonders gut gefällt, ist dieser: Wir sollten nicht ausschließlich auf die Gefahren schauen, sondern auch auf den Weg, den wir gerade gehen.

Wenn ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die Frage richte, ob der Krebs zurückkommen könnte, rückt alles andere schnell in den Hintergrund. Dann bestimmt die Angst womöglich schon Wochen vorher meinen Alltag.

Natürlich dürfen und sollen wir uns mit der Erkrankung auseinandersetzen. Die Nachsorgetermine sind wichtig. Es wäre auch nicht sinnvoll, mögliche Risiken einfach auszublenden.

Aber dazwischen ist noch unser Leben.

Da sind Menschen, die wir lieben. Dinge, auf die wir uns freuen können. Ein Spaziergang, ein gutes Essen, ein schönes Gespräch oder eine Reise, die wir schon lange planen wollten.

Das bedeutet nicht, dass wir unsere Sorgen ignorieren sollen. Und es bedeutet auch nicht, dass positive Gedanken die Gesundheit schützen oder einen Rückfall verhindern können.

Es bedeutet nur: Die Angst darf ein Teil unseres Lebens sein, aber sie muss nicht jeden freien Platz darin einnehmen.

Ich möchte versuchen, mich daran zu erinnern, wenn die nächste Nachsorge ansteht. Ich darf nervös sein. Ich darf tief durchatmen. Ich darf mir Unterstützung holen. Und ich darf mein Leben weiterleben, auch wenn ich nicht jede Frage beantworten kann.

Wie gehst du mit der Angst vor der Nachsorge um?

Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen teilst. Vielleicht hast du ein kleines Ritual, das dir vor einer Untersuchung hilft. Vielleicht lenkst du dich bewusst ab, nimmst jemanden mit oder sprichst offen mit deinem Behandlungsteam.

Und vielleicht ist deine Angst auch manchmal so groß, dass du noch nach einem Weg suchst, besser mit ihr umzugehen.

Du musst nicht alles allein schaffen. Und du musst auch nicht jedes Mal mutig sein.

Alles Liebe,

Diana 💚

 

Quellen und weiterführende Informationen

Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Brustkrebs – Reha und Nachsorge
https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/nachsorge-und-reha

Krebsinformationsdienst: Angst und andere seelische Belastungen bei Krebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/seelische-belastungen-angst

Deutsche Krebshilfe: Onkologische Nachsorge
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/onkologische-nachsorge/

Dieser Beitrag beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische oder psychoonkologische Beratung.

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