Persönliches & Leben
Niksen - Du darfst das!
Warum Nichtstun manchmal genau das ist, was wir brauchen
In letzter Zeit habe ich mich rar gemacht. Das hast du vielleicht gemerkt, weil ich dir schon länger nicht geschrieben habe.
Zu viele andere Dinge haben mich abgelenkt: Krieg, Grippe, Urlaub, Ostern, Garten und einiges mehr.
Das heißt nicht, dass ich gar nichts gemacht hätte. Doch, doch. 😉
Aber selbst wenn ich nichts gemacht hätte: Wäre das wirklich schlimm?
Einfach mal alle Viere gerade sein lassen. Löcher in die Luft gucken. Den Gedanken freien Lauf lassen. Träumen.
Warum eigentlich nicht? Ich finde, wir dürfen uns zurückziehen und einfach mal nichts tun. Ohne schlechtes Gewissen.
In den Niederlanden gibt es dafür ein schönes Wort: Niksen. In Italien heißt es dolce far niente, die Kunst des süßen Nichtstuns.
Unsere europäischen Nachbarn haben also sogar eigene Begriffe dafür. Vielleicht sollten wir uns davon eine Scheibe abschneiden.
Denn Niksen hat nichts mit Faulheit zu tun. Es bedeutet, bewusst einen Moment auszusteigen. Nichts erledigen zu müssen. Nichts erreichen zu wollen. Einfach sein.
Und dafür brauchen wir nicht gleich einen ganzen freien Tag. Oft reichen schon kleine Ruheinseln, die wir uns regelmäßig gönnen.
Warum Niksen gerade während und nach Brustkrebs so wichtig ist
Wenn du gerade eine Brustkrebsbehandlung durchmachst oder sie hinter dir hast, weißt du, wie viel Kraft das alles kostet.
Arzttermine, Blutabnahmen, Untersuchungen, Chemotherapie, Bestrahlung. Dazu kommen die Sorgen, die Ängste und die vielen Gedanken, die einen manchmal nicht zur Ruhe kommen lassen.
Das schlaucht. Körperlich und mental.
Gerade in dieser Zeit brauchst du Momente, in denen du nichts leisten musst. In denen du nicht funktionieren brauchst. In denen du einfach nur sein darfst.
Gib dir selbst die Erlaubnis dazu. Du darfst das!
Und noch etwas: Nur weil du während der Behandlung vielleicht zu Hause bist, heißt das nicht, dass du für alles verantwortlich bist, was dort anfällt.
Du musst nicht den gesamten Haushalt allein stemmen und sämtliche Besorgungen erledigen.
Lass dir helfen. Von deiner Familie, deinen Freunden oder deinen Nachbarn. Du musst nicht alles allein schaffen.
Vielleicht hilft dir dabei auch eine ganz praktische Entlastung:
- Bestelle deine Lebensmittel online und lass sie dir liefern.
- Organisiere dir stundenweise eine Putzhilfe, wenn das möglich ist.
- Verteile Aufgaben innerhalb deiner Familie.
- Bitte gute Freunde, dir unter die Arme zu greifen.
Oder lass einfach mal etwas liegen.
Ja, wirklich. Die Wäsche läuft nicht weg. Und die Staubflusen unter dem Sofa dürfen auch noch ein bisschen bleiben.
Menschen helfen übrigens oft gerne. Manchmal müssen wir ihnen nur sagen, was wir gerade brauchen.
Nutze die Zeit für Dinge, die dir guttun
Niksen bedeutet nicht, dass du die ganze Zeit untätig auf dem Sofa liegen musst. Es geht vielmehr darum, selbst zu entscheiden, was dir gerade guttut.
Vielleicht möchtest du ein Buch lesen, dich mit einem Thema beschäftigen, das dich schon lange interessiert, oder etwas ausprobieren, wofür du bisher nie Zeit hattest.
Während meiner Chemotherapie habe ich unzählige Bücher über Heilung, Spiritualität und gesunde Ernährung gelesen. Ich habe viel Tagebuch geschrieben. Alles raus aus dem Kopf und rauf aufs Papier.
Außerdem habe ich täglich eine kleine Heilmeditation gemacht.
Das hat mir Mut gemacht. Ich hatte das Gefühl, selbst etwas für meine Gesundheit tun zu können. Ich fühlte mich meinem Schicksal dadurch nicht ganz so ausgeliefert.
Natürlich war das meine persönliche Erfahrung. Du musst daraus kein Programm für dich machen. Vielleicht brauchst du gerade etwas ganz anderes. Und auch das ist völlig in Ordnung.
Für all diese Dinge brauchte ich Zeit. Zeit, die nicht schon mit anderen Verpflichtungen gefüllt war.
Gönne dir diese Ruheinseln auch. Vielleicht entdeckst du dabei neue Interessen oder Seiten an dir, die bisher wenig Raum hatten. Vielleicht merkst du auch einfach, was dir wirklich wichtig ist.
Beides kann wertvoll sein.
Auch nach der Behandlung: Raus aus dem Hamsterrad
Wenn die Brustkrebsbehandlung abgeschlossen ist, wünschen wir uns oft, dass endlich wieder Normalität einkehrt.
Vielleicht gehst du wieder arbeiten. Vielleicht kehrt langsam der gewohnte Alltag zurück.
Und ehe du dich versiehst, bist du wieder mittendrin. Termine, Verpflichtungen, Haushalt, Familie, Arbeit. Das Hamsterrad dreht sich weiter.
Viele Frauen sagen mir, dass sie nach ihrer Erkrankung etwas verändern wollen. Ich kenne das auch von mir selbst. Wir wollen uns weniger stressen lassen. Nicht mehr zu allem Ja sagen. Uns mehr Zeit für uns nehmen.
Anfangs klappt das oft ganz gut. Doch mit der Zeit schleicht sich der alte Alltag wieder ein. Unsere guten Vorsätze geraten in Vergessenheit.
Bis wir irgendwann merken, dass es uns wieder zu viel wird.
Dann erinnern wir uns vielleicht daran, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten: Ich wollte mich doch nicht mehr so stressen lassen. Ich wollte nicht mehr alles machen, nur weil andere es von mir erwarten.
Und dann stellt sich die Frage: Ist es das wirklich wert?
Natürlich gelingt es uns nicht immer, alles so umzusetzen, wie wir es uns wünschen. Das Leben kommt dazwischen. Es gibt Phasen, in denen wir mehr leisten müssen und weniger Zeit für uns haben.
Aber wenn wir uns unsere Ruheinseln immer wieder bewusst machen und regelmäßig kleine Auszeiten nehmen, fällt es uns mit der Zeit leichter, auf uns selbst zu achten.
Auch dann, wenn der Alltag wieder Fahrt aufnimmt.
Die „Es ist o.k.“-Übung: Erlaube dir, Dinge liegen zu lassen
Manchmal wissen wir ganz genau, dass wir eine Pause brauchen. Und trotzdem meldet sich das schlechte Gewissen.
Dann kann eine kleine Übung helfen, die ich aus dem Buch Niksen – The Dutch Art of Doing Nothing von Annette Lavrijsen kenne.
Sie ist ganz einfach.
Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe Dinge auf, die du dir erlauben möchtest, einmal nicht zu tun.
Lies dir deine Liste anschließend laut vor.
Zum Beispiel:
Es ist o.k., heute …
-nicht ans Telefon zu gehen.
-Nein zu etwas zu sagen, das ich nicht machen möchte.
-am Samstagabend zu Hause zu bleiben.
-mir den Nachmittag freizunehmen.
-einen ganzen Tag Pause zu machen.
-eine Verpflichtung abzusagen.
-meine Meinung zu ändern.
-einfach mal nichts zu tun.
Vielleicht klingt das erst einmal banal. Aber lies die Sätze wirklich laut vor und spüre nach, was sie mit dir machen.
Fällt es dir leicht, dir diese Dinge zu erlauben? Oder regt sich sofort Widerstand?
Gerade wenn du es gewohnt bist, für andere da zu sein und alles im Griff zu haben, kann es ungewohnt sein, die eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle zu setzen.
Du musst nicht gleich alles verändern. Fang mit einer Kleinigkeit an.
Vielleicht lässt du heute eine Aufgabe liegen. Vielleicht sagst du einen Termin ab, auf den du eigentlich keine Lust hast. Oder du gönnst dir einfach eine halbe Stunde nur für dich.
Es ist ein Anfang.
Warum Nichtstun keine verlorene Zeit ist
Wenn wir nicht ständig beschäftigt sind, entsteht Raum. Raum für Gedanken, für Kreativität und manchmal auch für ganz neue Ideen.
Unser Gehirn bekommt die Gelegenheit, sich neu zu sortieren. Wir können Abstand gewinnen und Dinge mit etwas mehr Ruhe betrachten.
Du musst daraus aber keinen weiteren Selbstoptimierungsplan machen. Nicht jede Pause muss besonders erholsam sein. Nicht aus jedem freien Nachmittag muss eine neue Erkenntnis entstehen.
Manchmal ist eine Pause einfach eine Pause.
Und das reicht.
Meine liebste Form des Niksen? Eine Tasse Kaffee. ☕️
Ich mache das übrigens gerne mit einer Tasse Kaffee. Einfach dasitzen, einen Schluck trinken, aus dem Fenster schauen und die Gedanken schweifen lassen.
Kein Handy. Keine To-do-Liste. Kein nächster Punkt, den ich unbedingt noch erledigen muss.
Zumindest versuche ich es. 😉
Vielleicht ist genau das die kleine Erinnerung, die wir alle hin und wieder brauchen: Wir müssen nicht jede freie Minute sinnvoll nutzen. Wir müssen nicht immer etwas leisten. Und wir müssen uns Ruhe auch nicht erst verdienen.
Du darfst einfach mal nichts tun.
🎈 Wie ist das bei dir? Kannst du gut nichts tun, oder meldet sich schnell das schlechte Gewissen?
🎈 Was machst du am liebsten, wenn du dir eine kleine Auszeit gönnst?
Ich freue mich, wenn du mir davon erzählst. 💚
Hinweis zum Buch: Die „Es ist o.k.“-Übung stammt aus „Niksen – The Dutch Art of Doing Nothing“ von Annette Lavrijsen. Ich habe die englischsprachige Ausgabe gelesen. Unbezahlte Werbung aus eigener Überzeugung.

