Gesundheit & Wissen
Problemstoffe in Kosmetik & Co.: Worauf du achten kannst
Hormonell wirksame Stoffe, Aluminium im Deo und Plastikflaschen: Was steckt dahinter und wie kannst du im Alltag bewusste Entscheidungen treffen?
Kennst du das? Du stehst in der Drogerie vor dem Shampoo-Regal und möchtest eigentlich nur ein Shampoo kaufen. Doch wenn du genauer auf die Inhaltsstoffe schaust, wird es kompliziert. Was sind Parabene? Was bedeutet eigentlich „hormonell wirksam“? Und muss ich mir Gedanken machen, wenn ich mein Deo täglich benutze?
Ich finde, wir sollten uns mit solchen Fragen beschäftigen. Denn wir kommen täglich mit ganz unterschiedlichen chemischen Stoffen in Kontakt: über Kosmetik, Verpackungen, Lebensmittel und die Umwelt.
Einige Substanzen können unser Hormonsystem beeinflussen. Andere stehen im Verdacht, gesundheitlich problematisch zu sein. Bei manchen ist die Datenlage bereits gut, bei anderen gibt es noch offene Fragen.
Gerade nach einer Brustkrebserkrankung beschäftigt mich das Thema besonders. Ich möchte wissen, welchen Stoffen ich mich aussetze und wo ich unnötige Belastungen vermeiden kann.
Dabei geht es mir nicht darum, vor allem Angst zu haben, was chemisch klingt. Ich möchte informiert entscheiden können, welche Produkte ich verwenden will und welche Alternativen es gibt.
Was sind endokrine Disruptoren?
Unser Hormonsystem steuert zahlreiche Vorgänge im Körper. Hormone beeinflussen unter anderem Wachstum, Stoffwechsel, Fortpflanzung und Entwicklung.
Bestimmte chemische Substanzen können in dieses fein abgestimmte System eingreifen. Sie werden als endokrine Disruptoren oder hormonell wirksame Schadstoffe bezeichnet, wenn sie das Hormonsystem verändern und dadurch schädliche Wirkungen hervorrufen können.
Solche Stoffe können beispielsweise die Wirkung natürlicher Hormone nachahmen, ihre Wirkung blockieren oder beeinflussen, wie der Körper Hormone bildet und abbaut.
Das ist nicht grundsätzlich dasselbe wie eine nachgewiesene Gesundheitsgefahr. Ein Stoff kann in Laborversuchen hormonelle Aktivität zeigen, ohne dass damit bereits bewiesen ist, dass die übliche Aufnahme über ein Kosmetikprodukt beim Menschen eine Krankheit verursacht.
Entscheidend sind unter anderem die Eigenschaften des Stoffes, die aufgenommene Menge, die Dauer der Exposition und die Frage, welche gesundheitlichen Folgen tatsächlich nachgewiesen wurden.
Dennoch halte ich es für sinnvoll, hormonell wirksame Stoffe ernst zu nehmen. Gerade bei Substanzen, bei denen es noch offene Fragen gibt, sollten Forschung und Regulierung weitergehen.
Welche Inhaltsstoffe können problematisch sein?
1. Parabene
Parabene werden als Konservierungsmittel eingesetzt. Sie verhindern, dass sich in Kosmetikprodukten unerwünschte Mikroorganismen vermehren.
Einige Parabene können im Labor eine schwache östrogenähnliche Wirkung zeigen. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich allerdings deutlich. Deshalb wäre es falsch, alle Parabene pauschal als gefährlich einzustufen.
Für bestimmte Parabene hat die Europäische Union Verwendungsbeschränkungen festgelegt. Andere sind unter bestimmten Bedingungen und Konzentrationen weiterhin erlaubt, nachdem ihre Sicherheit bewertet wurde.
Was kannst du tun?
Wenn du unnötige Expositionen vermeiden möchtest, kannst du Produkte auswählen, die ohne bestimmte Parabene auskommen. Achte dabei auf die konkrete Bezeichnung in der INCI-Liste, also der Liste der Inhaltsstoffe.
Du musst dafür aber nicht jede Creme sofort entsorgen. Ein bewusster Blick auf Produkte, die du regelmäßig verwendest, ist ein guter Anfang.
2. Mineralöle in Kosmetik
Mineralöle werden unter anderem in Cremes, Lippenpflege und Salben eingesetzt. Sie können die Haut vor Feuchtigkeitsverlust schützen und werden seit Langem in kosmetischen Produkten verwendet.
Mineralöl ist allerdings nicht gleich Mineralöl. Entscheidend sind die Qualität, der Reinigungsgrad und mögliche Verunreinigungen. Bestimmte aromatische Mineralölbestandteile, häufig als MOAH bezeichnet, stehen wegen möglicher gesundheitlicher Risiken besonders im Fokus.
Daraus folgt aber nicht, dass jedes Kosmetikprodukt mit Mineralöl krebserregend ist. Hochgereinigte, für Kosmetik vorgesehene Mineralöle sind anders zu beurteilen als unzureichend gereinigte oder verunreinigte Öle.
Meine Empfehlung: Wenn du Mineralöle in bestimmten Produkten vermeiden möchtest, ist das eine persönliche Entscheidung, die du bei der Produktauswahl berücksichtigen kannst. Für eine sachliche Bewertung sollte man jedoch den konkreten Inhaltsstoff und seine Qualität betrachten, statt sämtliche Mineralöle über einen Kamm zu scheren.
3. Triclosan und antibakterielle Produkte
Triclosan ist ein antibakteriell wirkender Stoff, der früher in verschiedenen Körperpflegeprodukten verwendet wurde. Wegen möglicher gesundheitlicher und ökologischer Auswirkungen sowie Fragen zu hormonellen Effekten und Antibiotikaresistenzen steht er seit Langem in der Diskussion.
Die Verwendung von Triclosan ist in Kosmetik in der EU reguliert. Ob ein konkretes Produkt problematisch ist, hängt unter anderem von seiner Anwendung, der Konzentration und den geltenden Vorschriften ab.
Antibakterielle Produkte sind im Alltag außerdem nicht automatisch besser als gewöhnliche Seife.
Für die normale Handwäsche reicht in aller Regel eine gründliche Reinigung mit Wasser und Seife aus. Spezielle antibakterielle Produkte brauchst du dafür normalerweise nicht.
4. Weitere hormonell wirksame Stoffe
Auch bestimmte Phthalate, Bisphenole und weitere chemische Stoffe werden wegen möglicher hormoneller Wirkungen untersucht. Sie können beispielsweise in bestimmten Kunststoffen, Beschichtungen oder anderen Alltagsprodukten vorkommen.
Hier lohnt sich eine differenzierte Betrachtung: Nicht jeder Stoff aus einer solchen Gruppe steckt in jedem Kunststoff oder Kosmetikprodukt. Und nicht jeder Stoff hat dieselben Eigenschaften.
Bei der Produktwahl können bestimmte Inhaltsstoffe und ihre Verwendung eine Rolle spielen. Verlässliche Informationen dazu findest du unter anderem beim Umweltbundesamt und bei der Europäischen Kommission.
Aluminium im Deo: Ich bleibe kritisch
Das Thema Aluminium in Deodorants beschäftigt viele Frauen, besonders im Zusammenhang mit Brustkrebs.
Zunächst muss man unterscheiden: Ein klassisches Deodorant reduziert vor allem Körpergeruch. Ein Antitranspirant soll zusätzlich die Schweißbildung verringern. Dafür werden häufig Aluminiumsalze eingesetzt.
Aluminiumverbindungen stehen in der Diskussion, weil Forschende untersucht haben, ob sie über die Haut aufgenommen werden, hormonähnliche Wirkungen haben oder möglicherweise an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt sein könnten.
Was wissen wir heute?
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen aluminiumhaltigen Antitranspirantien und Brustkrebs konnte bisher wissenschaftlich nicht belegt werden. Studien haben unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält einen solchen Zusammenhang nach aktuellem Kenntnisstand für unwahrscheinlich, sieht aber auch, dass Fragen weiter untersucht werden sollten.
Diese Einordnung ist mir wichtig: Ich möchte nicht behaupten, dass Aluminium im Deo nachweislich Brustkrebs verursacht. Dafür reicht die wissenschaftliche Evidenz nicht aus.
Trotzdem finde ich es legitim, sich kritisch mit den Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen. Aluminiumhaltige Antitranspirantien sind für mich kein Produkt, das ich unbedingt verwenden muss. Wer auf sie verzichten möchte, kann ohne großen Aufwand eine Alternative wählen.
Was kannst du tun?
Wenn du Aluminium vermeiden möchtest, wähle ein Deo ohne Aluminiumsalze.
Schau in die INCI-Liste. Bezeichnungen wie Aluminum Chlorohydrate oder Aluminum Sesquichlorohydrate weisen beispielsweise auf entsprechende Verbindungen hin.
Beachte, dass ein aluminiumfreies Deo die Schweißbildung nicht unbedingt so stark reduziert wie ein Antitranspirant.
Entscheide nach deinen Bedürfnissen und deiner persönlichen Risikoeinschätzung.
Für mich ist das eine einfache Vorsorgeentscheidung. Sie braucht keine unbelegte Behauptung über Krebs, um nachvollziehbar zu sein.
Plastikflaschen: Muss ich mir Sorgen machen?
Auch bei Plastikflaschen lohnt sich ein genauerer Blick. Sie sind leicht, praktisch und im Alltag überall zu finden. Gleichzeitig wird diskutiert, ob Stoffe aus Kunststoffverpackungen in Getränke übergehen können.
Besonders häufig fallen dabei die Begriffe BPA und Phthalate.
Bisphenol A, kurz BPA, wird unter anderem für bestimmte Kunststoffe und Beschichtungen verwendet. Phthalate werden vor allem als Weichmacher in bestimmten Kunststoffen eingesetzt.
Wichtig ist jedoch: PET-Flaschen sind nicht dasselbe wie andere Kunststoffprodukte.
Zur Herstellung von PET-Getränkeflaschen werden weder BPA noch herkömmliche Phthalat-Weichmacher eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich auch mit möglichen hormonähnlichen Aktivitäten bei Getränken aus PET- und Glasflaschen beschäftigt. Bei den untersuchten Belastungen sieht es derzeit keine Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko.
Das heißt nicht, dass jede denkbare Frage zu Kunststoffverpackungen abschließend beantwortet ist. Es bedeutet aber, dass wir PET-Flaschen nicht pauschal als gefährlich bezeichnen sollten.
Warum ich trotzdem lieber Glas oder Edelstahl verwende
Es gibt gute praktische Gründe, Einwegplastik zu reduzieren. Dazu gehören Umweltbelastungen durch Kunststoffabfälle, Ressourcenverbrauch und die Frage, wie sich Verpackungen über ihren gesamten Lebenszyklus auswirken.
Bei gesundheitlichen Fragen kommt es dagegen auf den konkreten Kunststoff, die enthaltenen Stoffe, die Nutzung und die tatsächliche Exposition an.
Ich persönlich finde es unkompliziert, Wasser aus einer Glasflasche oder einer Edelstahlflasche zu trinken. Wiederverwendbare Flaschen sind praktisch, langlebig und helfen, Einwegverpackungen zu vermeiden.
Wenn du ebenfalls lieber auf Glas oder Edelstahl setzt, musst du dich also nicht rechtfertigen. Ich würde nur vermeiden, daraus die Behauptung abzuleiten, jede PET-Flasche sei eine Gefahr für unsere Hormone.
Ein paar einfache Gewohnheiten helfen beim Umgang mit Trinkflaschen:
- Verwende wiederverwendbare Flaschen entsprechend den Herstellerangaben.
- Reinige sie regelmäßig gründlich.
- Fülle keine heißen Getränke in Flaschen, die dafür nicht vorgesehen sind.
- Tausche beschädigte oder stark abgenutzte Flaschen aus.
So lässt sich unnötiger Aufwand vermeiden, ohne im Alltag ständig Angst vor möglichen Schadstoffen haben zu müssen.
Wie kannst du problematische Inhaltsstoffe im Alltag erkennen?
Wenn du nicht bei jedem Kauf eine chemische Recherche starten möchtest, gibt es ein paar praktische Möglichkeiten.
1. Schau auf die INCI-Liste
Kosmetikprodukte müssen ihre Inhaltsstoffe auflisten. Die Angaben sind zwar häufig auf Englisch oder in international verwendeten Bezeichnungen gehalten, aber mit etwas Übung lassen sich einzelne Stoffe wiedererkennen.
Wenn dir ein Inhaltsstoff Sorgen bereitet, recherchiere lieber gezielt nach ihm, anstatt die gesamte Zutatenliste als gut oder schlecht einzustufen.
2. Nutze die ToxFox-App des BUND - mein persönlicher Favorit
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bietet mit ToxFox einen Produktcheck an. Damit kannst du unter anderem Kosmetikprodukte anhand ihres Barcodes prüfen.
Die App gibt Informationen zu bestimmten vom BUND ausgewählten Schadstoffgruppen, darunter bestimmte hormonell wirksame Stoffe. Sie ist ein hilfreiches Werkzeug, aber keine vollständige Sicherheitsbewertung für ein Produkt.
Wenn ein Produkt nicht gefunden wird oder keine Angaben vorliegen, heißt das deshalb nicht automatisch, dass es frei von problematischen Inhaltsstoffen ist.
Du findest die Informationen unter: https://www.bund.net/themen/chemie/toxfox/
3. Naturkosmetik ist nicht automatisch unbedenklich
Naturkosmetik kann eine gute Alternative sein, wenn du bestimmte Inhaltsstoffe vermeiden möchtest. Doch „natürlich“ ist kein allgemeines Gütesiegel für gesundheitliche Unbedenklichkeit.
Auch natürliche Duftstoffe und Pflanzenextrakte können beispielsweise Allergien auslösen. Umgekehrt ist ein synthetischer Inhaltsstoff nicht automatisch gefährlich.
Entscheidend sind die konkrete Zusammensetzung, die Anwendung und die wissenschaftliche Bewertung.
4. Konzentriere dich auf die Produkte, die du regelmäßig nutzt
Du musst nicht dein gesamtes Badezimmer auf einmal austauschen.
Beginne lieber mit den Produkten, die du täglich verwendest: Deo, Gesichtscreme, Shampoo, Duschgel oder Bodylotion. Wenn du einen bestimmten Inhaltsstoff vermeiden möchtest, kannst du beim nächsten Kauf nach einer Alternative suchen.
So entsteht Schritt für Schritt eine Auswahl, mit der du dich wohlfühlst.
Mein Fazit: Kritisch bleiben, ohne in Angst zu leben
Ich finde es wichtig, dass wir wissen, mit welchen Stoffen wir im Alltag in Kontakt kommen. Gerade bei hormonell wirksamen Substanzen sollten mögliche Gesundheitsrisiken ernst genommen, wissenschaftlich untersucht und durch sinnvolle Regeln begrenzt werden.
Gleichzeitig müssen wir unterscheiden, ob eine Wirkung im Labor beobachtet wurde, ob ein Stoff als gefährlich eingestuft ist und ob eine konkrete Verwendung bei Menschen nachweislich ein gesundheitliches Risiko darstellt.
Für mich persönlich bedeutet das: Ich darf mich bewusst für aluminiumfreie Deos und Trinkflaschen aus Glas oder Edelstahl entscheiden. Ich darf bestimmte Inhaltsstoffe kritisch sehen und nach Alternativen suchen. Dafür brauche ich keine Angst vor jedem Kosmetikprodukt und keine Behauptung, dass alltägliche Produkte zwangsläufig Krebs verursachen.
Informiert entscheiden statt blind vertrauen. Aber auch: kritisch prüfen statt sich von jeder Warnung verunsichern lassen.
Das ist für mich ein sinnvoller Weg, mit dem Thema umzugehen. Und letztendlich entscheidet auch, wie wohl du dich mit dem Produkt fühlst.
Alles Liebe,
Diana 💚
Quellen und weiterführende Informationen
Umweltbundesamt: Endokrine Disruptoren
https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/chemikalien-reach/stoffe-ihre-eigenschaften/eigenschaften-von-stoffen/endokrine-disruptoren
Bundesinstitut für Risikobewertung: Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten
https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/fragen-und-antworten-zu-aluminium-in-lebensmitteln-und-verbrauchernahen-produkten/
Bundesinstitut für Risikobewertung: PET-Flaschen – keine Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko
https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/pet-flaschen-keine-anhaltspunkte-fuer-ein-gesundheitliches-risiko/
Europäische Kommission: Endocrine Disruptors in Cosmetics
https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/cosmetics/cosmetic-products-specific-topics/endocrine-disruptors_en
BUND: ToxFox – der Produktcheck
https://www.bund.net/themen/chemie/toxfox/
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

