Sprich mit deiner Angst!

Sprich mit deiner Angst!

Stell dir vor, du hättest eine Freundin, die ständig schwarzsieht. Sie malt dir die Zukunft in den düstersten Farben aus und erzählt dir alles Mögliche, was schiefgehen könnte. Je länger du ihr zuhörst, desto unruhiger wirst du. Irgendwann hältst du es kaum noch aus.

Was würdest du tun?

Du könntest versuchen, sie loszuwerden. Aber so einfach ist das nicht. Selbst wenn du sie wegschickst, ist sie beim nächsten Mal vielleicht wieder da. Und irgendwie gehört sie ja auch zu deinem Leben.

Wahrscheinlich würdest du irgendwann mit ihr reden. Du würdest sie fragen, warum sie dir ständig solche Geschichten erzählt. Woher sie eigentlich wissen will, dass alles so schlimm kommen wird. Und ob sie die Zukunft wirklich kennt.

Genau so können wir auch mit unserer Angst umgehen.

Wenn die Angst das Kommando übernimmt

Angst kann ziemlich laut werden. Sie malt sich aus, was passieren könnte, sucht nach Gefahren und lässt uns manchmal Dinge befürchten, die noch gar nicht eingetreten sind.

Dabei will sie uns eigentlich schützen. Sie möchte uns auf mögliche Gefahren aufmerksam machen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Nur schießt sie manchmal über das Ziel hinaus.

Ich kenne das von mir selbst. Besonders wenn ich an Krebs denke, kann die Angst plötzlich wieder da sein. Dann spüre ich sie ganz deutlich: im Bauch, im Hals oder als Zittern im Körper.

Und obwohl ich weiß, dass nicht jeder beunruhigende Gedanke wahr werden muss, fühlt sich die Angst in diesem Moment sehr real an.

Positive Gedanken allein reichen da nicht immer aus. Und ich muss die Angst auch nicht mit aller Kraft wegdrücken.

Aber ich kann versuchen, anders mit ihr umzugehen.

Fang an, mit deiner Angst zu reden

Vielleicht magst du diese kleine Übung einmal ausprobieren. Du brauchst dafür nichts weiter als ein paar ruhige Minuten.

Setz dich bequem hin und nimm wahr, wie es dir gerade geht. Wenn es sich für dich angenehm anfühlt, schließe die Augen.

Stell dir deine Angst einmal wie eine Person vor. Vielleicht möchtest du ihr sogar einen Namen geben oder ihr ein bestimmtes Aussehen verleihen.

Und dann beginne ein Gespräch mit ihr.

Du könntest sie zum Beispiel fragen:

  • Warum bist du gerade da?
  • Wovor möchtest du mich schützen?
  • Was genau macht dir Sorgen?
  • Was würde mir jetzt helfen, mich ein wenig sicherer zu fühlen?

Du musst keine sofortige Antwort finden. Vielleicht fällt dir etwas ein, vielleicht auch nicht. Es geht nicht darum, eine perfekte Lösung zu entdecken. Es geht darum, einen Moment innezuhalten und genauer hinzuschauen, was in dir vorgeht.

Manchmal hilft es schon, die eigenen Gedanken auszusprechen oder aufzuschreiben. Dadurch bekommen sie eine Form, und du kannst sie ein wenig aus der Distanz betrachten.

Meine Angst hat mich überrascht

Als ich selbst einmal versucht habe, mit meiner Angst zu sprechen, blitzte in mir plötzlich ein Gedanke auf. Es war, als würde die Angst tatsächlich mit mir sprechen. Sie sagte: "Ich bin nicht real."

Dieser Satz hat mich damals überrascht. Und gleichzeitig war ich total beruhigt, dass mir "meine" Angst das gesagt hat. Denn natürlich fühlt sich Angst oft so an, als wüsste sie, was auf uns zukommt.

Doch das tut sie nicht. Sie erzählt uns, was WIR befürchten. Sie kann auf etwas hinweisen, das Aufmerksamkeit verdient. Aber sie kann nicht vorhersagen, wie die Zukunft tatsächlich aussehen wird.

Seitdem erinnere ich mich in schwierigen Momenten manchmal an diesen Moment.

Nicht, weil meine Angst dadurch einfach verschwindet. Sondern weil ich mich daran erinnern kann, dass zwischen dem, was ich befürchte, und dem, was wirklich passiert, ein Unterschied besteht.

Du musst deine Angst nicht besiegen

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke für mich und vielleicht auch für dich: Ich muss meine Angst nicht komplett loswerden, um mit ihr leben zu können.

Manchmal wird sie kleiner, wenn ich sie ernst nehme, statt gegen sie anzukämpfen. Manchmal bleibt sie erst einmal da. Das ist dann einfach so.

Wenn deine Angst allerdings sehr stark wird, deinen Alltag einschränkt oder dich über längere Zeit belastet, darfst du dir Unterstützung holen. Du musst damit nicht allein zurechtkommen.

Und vielleicht hilft dir in einem solchen Moment auch dieser Gedanke:

Deine Angst ist nicht deine Zukunft. Sie ist ein Gefühl, das du gerade erlebst.

Du darfst sie wahrnehmen, ihr zuhören und trotzdem Schritt für Schritt deinen eigenen Weg gehen.

Probier es einmal aus, wenn es sich für dich richtig anfühlt.

Ich wünsche dir Kraft, Zuversicht und ein bisschen mehr innere Ruhe.

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