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Tschüss Haare - Wie du dich auf die Zeit ohne Haare vorbereitest

Wenn der erste Gedanke bei der Diagnose deinen Haaren gilt

Als mir die Ärztin zur Chemotherapie riet, galt mein erster Gedanke tatsächlich meinen Haaren.

Mir war klar, dass sie ausfallen würden. Und das war für mich die Horrorvorstellung schlechthin. Ehrlich gesagt schien mir das damals sogar schlimmer als die Übelkeit, vor der ich ebenfalls Angst hatte.

Eine Frau mit Glatze wird schließlich schnell als krank wahrgenommen. Und ich wollte nicht, dass jeder sofort sieht, dass ich Krebs hatte.

Heute weiß ich: Der Haarverlust war für mich eine große emotionale Herausforderung. Aber ich habe auch gelernt, damit umzugehen.

Wenn du gerade vor deiner ersten Chemotherapie stehst und dir ähnliche Gedanken machst, möchte ich dir mit diesem Artikel helfen, dich auf die Zeit ohne deine eigenen Haare vorzubereiten.

Du kannst einiges organisieren, bevor die Haare ausfallen. Das gibt dir vielleicht ein kleines Stück Kontrolle in einer Zeit, in der vieles nicht in deiner Hand liegt.

Und keine Sorge: Du musst dich nicht schon heute mit allem abfinden. Du darfst traurig sein, Angst haben und dir Zeit lassen.

Phase 1: Bereite dich vor, solange du noch deine Haare hast

Die Perücke: Kümmere dich frühzeitig darum

Wenn bei deiner Chemotherapie mit Haarausfall zu rechnen ist und du eine Perücke tragen möchtest, lass dir von deinem Behandlungsteam ein Rezept ausstellen.

Mit dem Rezept kannst du dich in einem Zweithaarstudio beraten lassen. Dort arbeiten Menschen, die sich mit Perücken auskennen und häufig Frauen während einer Krebstherapie begleiten.

Du brauchst dich also nicht zu schämen oder zu denken, dass du dort fehl am Platz bist.

Und vergiss das Bild von Omas Perücke, die wie ein Helm auf dem Kopf sitzt. Es gibt heute viele unterschiedliche Modelle, die sehr natürlich aussehen können.

Mein Tipp: Kümmere dich möglichst vor Beginn der Chemotherapie um deine Perücke.

Dann hast du noch deine gewohnte Haarfarbe, Frisur und Haarstruktur als Orientierung. Außerdem hast du meist mehr Kraft und kannst in Ruhe ausprobieren, was dir gefällt.

Bei mir war es schon die zweite Perücke, die ich anprobiert habe. Die Friseurin hatte einfach ein gutes Auge dafür, was zu mir passte.

Nimm dir ruhig eine Freundin, deine Mutter oder deine Tochter mit, wenn du das möchtest. Vier Augen sehen manchmal mehr als zwei, und gemeinsam ist so ein Termin vielleicht auch weniger aufregend.

Kunsthaar oder Echthaar?

Das hängt von deinem Geschmack, deinem Budget und davon ab, wie du deine Perücke nutzen möchtest.

Kunsthaarperücken gibt es in vielen schönen Varianten. Sie sind häufig günstiger und vergleichsweise pflegeleicht. Je nach Qualität und Nutzung können sie allerdings schneller ihre Form verlieren oder sich verknoten.

Echthaarperücken sind in der Regel deutlich teurer. Dafür lassen sie sich oft vielseitiger stylen.

Ich selbst habe während meiner Behandlung eine Kunsthaarperücke getragen. Sie sah natürlich aus und war für mich eine gute Lösung.

Lass dir verschiedene Modelle zeigen und probiere sie in Ruhe aus. Achte darauf, dass die Perücke bequem sitzt und der Haaransatz möglichst natürlich aussieht.

Ein Tipp von mir: Wenn du dich damit wohlfühlst, lass dir auch einmal zeigen, wie die Perücke bei Bewegung oder Wind aussieht. Schließlich möchtest du dich damit nicht nur im Spiegel, sondern auch draußen sicher fühlen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Wenn du gesetzlich versichert bist, übernimmt deine Krankenkasse bei medizinisch notwendigem Haarersatz in der Regel die Kosten im Rahmen ihrer geltenden Regelungen. Wie hoch der Zuschuss ausfällt und ob du einen Eigenanteil zahlen musst, hängt unter anderem von deiner Krankenkasse und der gewählten Versorgung ab.

Frag deshalb am besten vor dem Kauf nach, welche Kosten übernommen werden und ob du einen bestimmten Vertragspartner nutzen musst.

Die Preise für Perücken und die Zuschüsse können sich verändern. Lass dir deshalb die aktuellen Beträge direkt bestätigen, statt dich auf ältere Preisangaben aus dem Internet zu verlassen.

Mützen, Tücher und ein Haarkranz

Du wirst nicht unbedingt den ganzen Tag eine Perücke tragen wollen. Mir wurde sie nach einigen Stunden manchmal zu warm, und sie konnte drücken.

Deshalb empfehle ich dir, auch ein paar Mützen und Tücher auszuprobieren. Vielleicht magst du unterschiedliche Farben, Muster oder Stoffe. So kannst du deinen Look variieren und musst nicht immer dieselbe Lösung tragen.

Denk auch an die Nacht. Ohne Haare kann es am Kopf überraschend kalt werden. Eine weiche, leichte Mütze kann dann angenehm sein.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Haarkranz. Das ist ein Haarteil, das du unter einer Mütze oder einem Tuch tragen kannst. Ein paar sichtbare Haarsträhnen können dem Gesicht einen schönen Rahmen geben. Das sah damals bei mir sehr fesch aus.

Solltest du deine Haare vorher kurz schneiden lassen?

Das ist eine sehr persönliche Entscheidung.

Manche Frauen lassen sich die Haare vor der Chemotherapie kürzer schneiden, damit der spätere Haarverlust weniger drastisch wirkt. Andere möchten ihre Haare so lange wie möglich behalten.

Ich hatte damals einen Bob und ließ meine Haare auf Kinnlänge schneiden.

Du musst dich dabei nach niemandem richten. Überlege, womit du dich wohler fühlst. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Phase 2: Wenn die Haare anfangen auszufallen

Bei vielen Chemotherapien beginnt der Haarausfall etwa ein bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem von den eingesetzten Medikamenten ab.

Bei mir waren es genau 16 Tage nach der ersten Chemotherapie.

Ich bemerkte, dass sich meine Haare anders anfühlten. Sie wirkten stumpfer und lebloser. Dann lagen plötzlich mehr Haare als sonst auf dem Kopfkissen oder blieben beim Waschen und Kämmen in der Hand.

Das kann ein schwieriger Moment sein.

Vielleicht möchtest du die Haare so lange wie möglich behalten. Vielleicht merkst du aber auch, dass du nicht länger warten möchtest, bis überall einzelne Haare herumliegen.

Wenn du dich dafür entscheidest, deine Haare abzurasieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Beim Friseur

Du kannst zu deinem gewohnten Friseur gehen und dir die Haare abrasieren lassen. Überlege vorher, ob du dich in einem normalen Salon wohlfühlst oder lieber einen geschützteren Rahmen möchtest.

2. Im Zweithaarstudio

Manche Perückenstudios bieten diesen Service an. Das kann praktisch sein, weil du anschließend direkt deine Perücke anpassen lassen kannst.

3. Zu Hause

Du kannst auch eine vertraute Person bitten, dir die Haare abzurasieren. Vielleicht deinen Partner, deine Partnerin, eine Freundin oder deine Kinder.

Bei mir haben das damals meine Kinder gemacht. Sie waren Teenager. Ich setzte mich in die trockene Badewanne, und jeder durfte einmal mit dem Haarschneider über meinen Kopf fahren.

Das war ein sehr emotionaler Moment.

Und natürlich flossen Tränen. 

Du verlierst schließlich nicht einfach nur Haare. Vielleicht verlierst du damit auch ein Stück Vertrautheit, Weiblichkeit oder das Gefühl, selbst bestimmen zu können, wie du aussiehst.

Lass diese Gefühle zu. Du musst jetzt nicht tapfer sein.

Und wenn du lieber allein sein möchtest, ist auch das in Ordnung.

Wie pflegst du deine Kopfhaut ohne Haare?

Auch wenn keine Haare mehr da sind, braucht deine Kopfhaut Pflege.

Verwende ein mildes Shampoo und lauwarmes Wasser. Wenn deine Kopfhaut trocken oder empfindlich ist, kann eine milde, möglichst parfumfreie Pflege angenehm sein.

Eine weiche Babybürste kannst du ausprobieren, wenn dir das gefällt. Du musst deine Kopfhaut aber nicht bürsten, wenn sie empfindlich ist.

Denk außerdem an Sonnenschutz. Eine haarlose Kopfhaut kann in der Sonne schnell einen Sonnenbrand bekommen. Eine Kopfbedeckung oder ein geeigneter Sonnenschutz sind deshalb sinnvoll.

Und was ist mit den anderen Körperhaaren?

Je nach Chemotherapie können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare ausfallen.

Vielleicht bemerkst du zunächst, dass du dich unter den Achseln oder an den Beinen nicht mehr rasieren musst. Das mag für manche Frauen ein kleiner Vorteil sein.

Aber auch der Verlust von Wimpern und Augenbrauen kann belastend sein, weil sich das Gesicht dadurch verändert.

Bei mir fielen die Augenbrauen und Wimpern erst relativ spät aus, in der zweiten Hälfte der Chemotherapie, als ich Taxol bekam.

Wenn du möchtest, kannst du dich mit Augenbrauenstiften, Schminktipps oder speziellen Kosmetikangeboten für Menschen mit Krebs vertraut machen. Du musst dich nicht schminken, um gut auszusehen. Aber wenn es dir hilft, dich im Spiegel wieder mehr wie du selbst zu fühlen, darfst du diese Möglichkeit nutzen.

Phase 3: Wenn die Haare wieder wachsen

Vielleicht fragst du dich schon während der Chemotherapie, wann deine Haare endlich wiederkommen.

Bei vielen Menschen beginnt das Haarwachstum nach dem Ende der Chemotherapie innerhalb weniger Wochen bis Monate. Häufig sind innerhalb von drei bis sechs Monaten erste deutliche Veränderungen zu sehen. Der genaue Zeitpunkt ist individuell und hängt auch von der Behandlung ab.

Bei mir war es so: Im Dezember hatte ich meine letzte Chemotherapie. Während der Bestrahlung im Januar und Februar trug ich noch meine Perücke.

Als ich im März zur Anschlussheilbehandlung fuhr, ließ ich die Perücke schließlich weg und zeigte mich mit meiner Stoppelfrisur. Das machte mir inzwischen überhaupt nichts mehr aus. Draußen trug ich allerdings noch eine Mütze.

Im Sommer hatte ich dann einen schicken kurzen Haarschnitt.

Und weißt du was? Es gab zwei Momente, die ich besonders schön fand.

Der erste Moment: Deine Wimpern kommen zurück

Ich schaute im Februar in den Spiegel und dachte: Hä? Was ist denn da an meinem Auge?

Da war etwas Schwarzes.

Tata! Meine Wimpern kamen zurück.

Das fühlte sich für mich an wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen. Ein kleines Zeichen dafür, dass sich etwas veränderte und mein Körper sich langsam erholte.

Vielleicht freust du dich über ganz andere Dinge. Vielleicht sind es die ersten Härchen auf dem Kopf, die Augenbrauen oder einfach der Moment, in dem du wieder ohne Mütze aus dem Haus gehst.

Es sind oft die kleinen Dinge, die einem in dieser Zeit besonders viel bedeuten.

Der zweite Moment: Der erste Friseurbesuch

Irgendwann kommt der Tag, an dem du wieder zum Friseur gehst. Vielleicht zunächst nur, um die Konturen schneiden zu lassen.

Auch das kann ein besonderer Moment sein. Du sitzt wieder im Friseurstuhl, schaust in den Spiegel und erkennst langsam eine neue Version von dir.

Vielleicht fühlst du dich noch ungewohnt. Vielleicht gefällt dir dein neuer Look sogar richtig gut.

Lass dich überraschen.

Werden die Haare nach der Chemotherapie anders?

Das kann passieren.

Manche Frauen bekommen zunächst lockige oder wellige Haare, obwohl sie vorher glatte Haare hatten. Bei anderen verändert sich die Haarfarbe oder die Struktur.

Diese Veränderungen können vorübergehend sein, müssen es aber nicht. Die Haare können sich mit der Zeit wieder verändern.

Hab deshalb ein wenig Geduld und lass dich beraten, wenn du unsicher bist, wie du deine neuen Haare am besten pflegen oder stylen kannst.

Vielleicht entdeckst du auch, dass dir kurze Haare richtig gut stehen und du gar nicht mehr zu deiner früheren Frisur zurückkehren möchtest.

Und wenn du deine alten Haare vermisst, ist das genauso verständlich.

Was ich dir zum Schluss gerne mitgeben möchte

So schmerzhaft der Haarverlust während einer Chemotherapie sein kann: Du musst mit deinen Gefühlen nicht allein bleiben.

Vielleicht hilft dir eine Perücke. Vielleicht fühlst du dich mit Tüchern oder Mützen wohler. Vielleicht möchtest du deine Glatze auch ganz bewusst zeigen.

Du darfst ausprobieren, was für dich passt. Und du darfst deine Meinung jederzeit ändern.

Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, mit dem du dich wohlfühlst.

Und bitte vergiss eines nicht: Du bist so viel mehr als deine Haare.

Du darfst traurig sein, wenn sie ausfallen. Du darfst dich auf ihr Nachwachsen freuen. Und du darfst jeden einzelnen kleinen Schritt feiern, der sich für dich wie ein Stück Normalität anfühlt.

Alles Liebe für dich. 💚

Diana

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