Persönliches & Leben
Was wäre wenn?
Warum wir neben unseren Sorgen auch wieder Platz für Hoffnung und schöne Möglichkeiten schaffen dürfen.
Was wäre, wenn morgen wieder die Sonne aufgeht?
Stell dir vor, wir könnten die Welt um uns herum manchmal mit anderen Augen sehen. Was wäre, wenn wir es schaffen würden, selbst in dunklen Momenten einen kleinen Silberstreif am Horizont zu erkennen? Und was wäre, wenn wir uns erlauben würden, wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft zu schauen?
Nach einer Brustkrebsdiagnose fällt das oft ganz schön schwer. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.
Statt uns auszumalen, was alles Schönes passieren könnte, beschäftigen wir uns häufig mit den schlimmsten Möglichkeiten. Was, wenn der Krebs zurückkommt? Was, wenn die Behandlung nicht wirkt? Was, wenn mein Leben nie wieder so wird wie früher?
Unser Gehirn ist darauf eingestellt, Gefahren möglichst früh zu erkennen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Doch manchmal kann uns diese Aufmerksamkeit für mögliche Risiken ganz schön belasten.
Ich habe mir oft gewünscht, unbekümmerter zu sein. Nicht ständig an das denken zu müssen, was alles passieren könnte.
Aber dann habe ich mir eine andere Frage gestellt:
Was wäre, wenn …
- alles gut würde?
- der Krebs nie wiederkäme?
- wir noch viele schöne Jahre vor uns hätten?
- wir gesund und munter weiterleben könnten?
Wäre das nicht großartig?
Dürfen wir nach einer Krebsdiagnose optimistisch sein?
Manchmal habe ich das Gefühl, dass auf einen zuversichtlichen Gedanken sofort ein großes ABER folgt.
- ABER, der Krebs könnte ja wiederkommen.
- ABER, du weißt doch gar nicht, wie es für dich ausgeht.
- ABER, du könntest auch daran sterben.
Und weißt du was? Dieses große ABER müssen nicht einmal andere Menschen aussprechen. Oft denken wir es selbst.
Natürlich wissen wir nicht, was die Zukunft bringt. Niemand kann uns garantieren, dass immer alles gut wird. Aber müssen wir deshalb jede schöne Vorstellung gleich wieder ausbremsen?
Dürfen wir uns nicht mehr auf einen Urlaub freuen, weil wir nicht wissen, wie es uns in einem Jahr geht? Dürfen wir keine Pläne machen, weil das Leben manchmal anders verläuft als gedacht?
Ich finde: Doch, das dürfen wir.
Hoffnung bedeutet nicht, dass wir die Risiken ignorieren. Und Zuversicht ist kein Versprechen, dass alles so kommt, wie wir es uns wünschen.
Wir können Angst haben und trotzdem hoffen. Wir können uns Sorgen machen und uns gleichzeitig auf etwas freuen.
Als ich dachte, ich brauche kein neues Kleid mehr
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich kurz nach meiner Brustkrebsdiagnose überlegte, ob ich mir überhaupt noch ein hübsches neues Kleid kaufen oder zum Friseur gehen sollte.
Wozu eigentlich? Vielleicht überlebe ich die Erkrankung ja gar nicht. Dann brauche ich auch kein neues Kleid mehr. Und die Haare sind ohnehin nicht mehr so wichtig.
Wenn ich heute daran zurückdenke, finde ich diesen Gedanken traurig. Und gleichzeitig kann ich ihn verstehen. Die Diagnose hatte meinen Blick auf die Zukunft verändert. Plötzlich schien vieles unsicher, was vorher selbstverständlich gewesen war.
Mir fehlte damals lange Zeit diese „Jetzt-erst-recht-Mentalität“. Ich konnte nicht einfach auf Knopfdruck wieder unbeschwert sein.
Aber irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nur noch darüber nachdenke, was möglicherweise nicht mehr geht, verpasse ich womöglich all die Dinge, die ich heute noch erleben kann.
Ein neues Kleid ist natürlich keine große Sache. Aber es steht für etwas anderes: Darf ich mich auf etwas freuen, auch wenn ich nicht weiß, was morgen passiert?
Für mich lautet die Antwort heute ganz klar: Ja!
Leben wir manchmal mit angezogener Handbremse?
Natürlich endet unser Leben irgendwann. Das wissen wir alle. Nur wissen wir nicht, wann dieser Zeitpunkt kommt.
Nach einer Krebsdiagnose kann dieser Gedanke besonders präsent sein. Vielleicht planen wir vorsichtiger, halten uns zurück oder verschieben Dinge auf später. Vielleicht trauen wir uns weniger zu, weil wir Angst haben, enttäuscht zu werden.
Aber was passiert, wenn wir vor lauter Vorsicht das Leben aus den Augen verlieren?
Ich möchte nicht so tun, als ließe sich diese Angst einfach wegdenken. Es gibt schwierige Tage, an denen die Sorgen wieder im Vordergrund stehen. Und manchmal braucht es Zeit und Unterstützung, um mit ihnen besser umgehen zu können.
Trotzdem können wir uns fragen: Was möchte ich eigentlich mit meiner Zeit anfangen? Was ist mir wichtig? Und gibt es etwas, das ich schon lange tun möchte, aber immer wieder aufschiebe?
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, darüber nachzudenken. Nicht weil wir alles sofort ändern müssen, sondern weil unsere Wünsche und Bedürfnisse genauso Aufmerksamkeit verdienen wie unsere Sorgen.
Was wäre, wenn du dir selbst wieder mehr erlaubst?
Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umkrempeln. Manchmal genügt es, kleine Möglichkeiten wieder in Betracht zu ziehen.
Was wäre, wenn …
- … du dich wieder mehr um dich selbst kümmern würdest?
- … du Bewegung findest, die dir Freude macht, statt dich zu einem Sportprogramm zu zwingen?
- … du eine neue Art der Ernährung ausprobierst, die dir schmeckt und guttut?
- … du milder mit dir und deinem Körper umgehst?
- … du dir erlaubst, auch einmal nichts leisten zu müssen?
- … du dir Unterstützung holst, wenn dich Sorgen oder Ängste belasten?
Aber vielleicht gehen deine Gedanken auch in eine ganz andere Richtung.
Was wäre, wenn …
- … du dich beruflich verändern würdest?
- … du endlich an den Ort ziehen würdest, von dem du schon lange träumst?
- … du wieder ein altes Hobby aufnimmst?
- … du etwas ausprobierst, das du dich bisher nicht getraut hast?
- … du öfter das tust, was dir Freude macht, statt immer nur deine Pflichten zu erledigen?
Mal dir das ruhig einmal aus. Du musst dich noch nicht entscheiden. Du darfst erst einmal träumen und schauen, welche Gedanken dabei entstehen.
Vielleicht entdeckst du etwas, das du tatsächlich ausprobieren möchtest.
Vom Gedanken zum ersten Schritt
Aus einem Wunsch wird nicht automatisch Wirklichkeit. Aber manchmal hilft es, aus einer schönen Vorstellung eine kleine, machbare Idee zu machen.
Drei Dinge kannst du ausprobieren:
1. Überlege, was du dir wirklich wünschst.
Schreib deine Gedanken auf. Was würdest du gerne erleben, verändern oder wieder in dein Leben holen? Es muss kein großes Ziel sein. Manchmal ist schon die Erkenntnis wertvoll, dass dir etwas fehlt.
2. Mach den ersten Schritt klein genug.
Du musst nicht gleich den ganzen Plan umsetzen. Möchtest du mehr reisen, könntest du zunächst ein Reiseziel recherchieren. Möchtest du ein Hobby ausprobieren, könntest du nach einem passenden Kurs schauen. Jeder kleine Schritt zählt, wenn er dich deinem Wunsch näherbringt.
3. Genieße auch den Weg.
Du musst nicht erst ein großes Ziel erreichen, um dich über etwas freuen zu dürfen. Auch die Vorfreude, ein neues Erlebnis oder ein kleiner Erfolg unterwegs können das Leben bereichern.
Und bleib offen für Veränderungen. Vielleicht entdeckst du auf deinem Weg etwas, das du vorher gar nicht auf dem Schirm hattest. Manchmal entwickeln sich Dinge anders als geplant und daraus kann etwas Gutes entstehen.
Vergiss dabei nicht, gut auf dich zu achten. Du musst deine Wünsche nicht gegen deine Gesundheit oder deine Bedürfnisse durchsetzen. Es geht darum, einen Weg zu finden, der zu dir passt.
Was wäre, wenn morgen wieder die Sonne aufgeht?
Vielleicht wissen wir nicht, wie unsere Zukunft aussehen wird. Vielleicht werden manche Dinge genauso kommen, wie wir sie uns wünschen. Andere werden anders verlaufen. Und manches können wir überhaupt nicht beeinflussen.
Aber wir dürfen trotzdem hoffen. Wir dürfen Pläne machen, uns auf schöne Momente freuen und neugierig bleiben.
Du musst deine Sorgen nicht wegschieben, um wieder Freude empfinden zu dürfen. Und du musst nicht immer zuversichtlich sein, um weiterzugehen.
Vielleicht reicht es heute, eine kleine Möglichkeit zu entdecken, die sich gut anfühlt. Etwas, das du ausprobieren möchtest. Oder einfach der Gedanke, dass neben all dem Schwierigen auch wieder schöne Dinge passieren können.
Trau dich, dir vorzustellen, was alles möglich sein könnte. Nicht als Garantie, dass alles gut wird, sondern als Einladung, dem Leben wieder mehr Raum zu geben.
Und morgen? Da geht hoffentlich wieder die Sonne auf. ☀️
Alles Liebe,
Diana

