Leben mit Brustkrebs

Keine Angst vor der Perücke

Wie aus einem Termin im Perückenladen ein fröhlicher Vormittag unter Freundinnen wurde.

Neulich begleitete ich meine herzallerliebste Freundin in den Perückenladen. Sie hatte bereits ihre erste Chemotherapie hinter sich, die zweite stand unmittelbar bevor. Und damit rückte auch der Haarverlust näher.

Eigentlich wollte sie ihre Perücke im Internet bestellen. Denn sie hatte Angst davor, in ein Perückengeschäft zu gehen, wie sie mir erzählte.

„Oh nein, meine Liebe“, sagte ich zu ihr. „Mach das bitte nicht. Lass dich vorher in einem Zweithaarstudio beraten und probiere ein paar Modelle aus. So kannst du sehen, welche Perücke dir steht und mit welcher du dich wohlfühlst.“

Also vereinbarte sie einen Termin in dem Geschäft, in dem auch ich vor gut neun Jahren gesessen und meine Perücke ausgesucht hatte.

Wir gingen zu dritt hin, gemeinsam mit einer weiteren Freundin.

Es wurde ein richtig lustiges Happening. Zeitweise hätten wir fast vergessen können, dass eine Krebserkrankung der eigentliche Anlass für diesen Besuch war.

Aber genau das war so schön. Wir haben aus dem Unvermeidlichen das Beste gemacht. Zusammen. Drei Freundinnen.

Keine Angst vor dem Perückenladen!

Ich möchte dir Mut machen, dich auf die Beratung in einem Perückengeschäft einzulassen.

Ja, ich weiß. Vielleicht denkst du jetzt an deine Oma, die ein Modell namens „Pudel“ oder „Mop“ getragen hat. Jeder konnte sehen, dass das nicht ihre echten Haare waren. Und irgendwie sah es auch ein bisschen peinlich aus.

Ich kenne das von meiner Oma jedenfalls noch so.

Aber die Zeiten haben sich verändert. Perücken sind längst gesellschaftsfähig geworden. Viele Stars tragen welche, und wir finden das völlig normal. Es gibt inzwischen so viele schöne Modelle, Schnitte und Haarfarben. Und nein, eine Perücke muss schon lange nicht mehr aussehen wie ein Helm.

Unser Besuch im Perückenstudio

Wir wurden freundlich empfangen. Meine Freundin durfte in einer Kabine Platz nehmen, die mit einem Vorhang abgetrennt war. Wir beiden anderen machten es uns auf der Couch bequem.

Es fehlte eigentlich nur noch der Aperol. (Nein, kleiner Scherz!)

Die Beraterin schaute sich die Frisur und Haarfarbe meiner Freundin an und fragte, ob sie schon eine bestimmte Vorstellung hätte.

Und ob sie die hatte!

Meine Freundin hatte sich vorab im Internet den Katalog des Geschäfts angeschaut. Sie zeigte der Beraterin ein Foto von einer Perücke, die sie gerne ausprobieren wollte.

Schwupps, schon war das Haarteil aus dem Karton geholt und die Beraterin setzte es geübt auf.

WOW! Bingo! Ein Volltreffer!

Die Perücke sah an meiner Freundin einfach mega aus. Und so natürlich! Niemand hätte auf Anhieb gedacht, dass das nicht ihre eigenen Haare waren.

Natürlich wollten wir nicht gleich das erstbeste Modell nehmen, ohne noch andere auszuprobieren. Also brachte die Beraterin weitere Perücken mit unterschiedlichen Schnitten und Blondtönen. Platinblond und normales Blond standen zur Auswahl.

Doch tatsächlich blieb es beim ersten Modell.

Wir hatten richtig Freude daran zu sehen, wie wohl sich unsere Freundin mit ihren neuen Haaren fühlte. Sie war so begeistert, dass sie die Perücke gleich aufbehielt.

Ich fragte die Beraterin, ob es immer so schnell und unkompliziert gehe, ein passendes Haarteil zu finden.

Nein, sagte sie. Viele Frauen kämen mit einer ganz bestimmten Vorstellung und seien enttäuscht, wenn die Perücke dann nicht so aussehe wie erwartet.

Das kann ich gut verstehen. Man hat ein Bild im Kopf und möchte sich darin wiedererkennen. Manchmal braucht es einfach ein bisschen Zeit, bis man das passende Modell gefunden hat.

Aber ich bin zuversichtlich: Irgendwann findet jeder Kopf sein Haarteil.

Es muss nicht immer die Perücke sein

Ich erzählte der Beraterin auch von einem Haarkranz, den ich damals hatte und sehr gerne trug.

Das ist ein Haarteil, bei dem die Haare rund um den Kopf befestigt sind, während der obere Bereich frei bleibt. Man trägt dazu eine Mütze oder einen Hut, der diesen Bereich bedeckt.

Der Vorteil: Mit einem leichten Baumwollmützchen wird es darunter nicht ganz so warm. Und ich fand, dass es richtig keck aussah. Einfach mal etwas anderes!

Meine Freundin probierte ebenfalls einen Haarkranz aus und suchte sich dazu eine flotte Schiebermütze aus. Das sah frisch und frech aus.

Die Beraterin erklärte uns außerdem, dass häufiges Tragen einer Mütze über einer Perücke die Haare je nach Material und Modell stärker beanspruchen kann. Durch die Reibung können sie sich aufrauen oder verfilzen. Deshalb lohnt es sich, im Zweithaarstudio nachzufragen, welche Kombination für das jeweilige Modell geeignet ist.

Ich riet meiner Freundin auch zu einem leichten Baumwollmützchen für die Nacht. Man staunt, wie kalt es sich am Kopf ohne Haare anfühlen kann!

Nun war meine Freundin für den bevorstehenden Haarausfall zumindest haartechnisch gut ausgestattet. Das Emotionale lasse ich an dieser Stelle außen vor, denn darüber habe ich bereits einen eigenen Blogartikel geschrieben: Tschüss Haare – wie du dich auf die Zeit ohne Haare vorbereitest.

Vielleicht möchtest du ihn auch noch lesen.

Warum ich verschiedene Haar-Optionen praktisch finde

Nicht jeder Tag ist gleich. Und nicht jeden Tag hat man Lust auf dasselbe.

Manchmal ist einem die Perücke zu warm oder zu schwer auf dem Kopf. Das ist ein bisschen wie mit einem engen BH: Wenn man nach Hause kommt, möchte man das Ding am liebsten sofort loswerden.

So geht es mir zumindest!

Dann ist eine Mütze vielleicht angenehmer. Gerade im Sommer, wenn es draußen warm ist, kann eine leichtere Alternative eine Wohltat sein.

Deshalb finde ich es praktisch, verschiedene Möglichkeiten zu haben. Eine Perücke für bestimmte Gelegenheiten, ein Haarkranz mit Mütze oder einfach ein schönes Tuch. Du darfst ausprobieren, was sich für dich richtig anfühlt.

Du musst nicht jeden Tag gleich aussehen. Und du musst dich auch nicht für eine einzige Lösung entscheiden.

Wie pflegt man eine Perücke?

Zum Schluss erklärte die Beraterin meiner Freundin, wie sie ihre neue Perücke pflegen sollte.

Für Perücken gibt es spezielle Pflegeprodukte. Wie genau du dein Haarteil wäschst, hängt unter anderem davon ab, ob es aus Kunsthaar oder Echthaar besteht. Am besten hältst du dich an die Empfehlungen des Zweithaarstudios und die Pflegehinweise des Herstellers.

Bei vielen Kunsthaarperücken wird das Haarteil vorsichtig in lauwarmem Wasser mit einem geeigneten Shampoo gereinigt. Anschließend wird es behutsam ausgespült und auf einem Handtuch vorsichtig ausgedrückt, ohne es zu wringen oder zu rubbeln.

Danach lässt man es entsprechend den Pflegehinweisen trocknen, häufig auf einem geeigneten Perückenständer.

Wichtig: Kunsthaar darf nicht automatisch mit einem Föhn oder anderen Wärmegeräten behandelt werden. Viele Modelle sind hitzeempfindlich. Ob Wärme erlaubt ist, hängt vom Material ab.

Auch wie oft du deine Perücke waschen solltest, richtet sich nach dem Modell, der Tragedauer und der Beanspruchung. Lass dir am besten direkt im Studio zeigen, was für deine Perücke empfohlen wird.

Und noch ein guter Tipp: Wenn deine eigenen Haare ausfallen, kann sich der Sitz der Perücke verändern. Deshalb bot die Beraterin meiner Freundin an, dass sie noch einmal wiederkommen könne.

Dann lässt sich prüfen, ob das Haarteil angepasst werden muss. Auch der Schnitt kann gegebenenfalls noch verändert oder ausgedünnt werden. Oft sieht man erst nach dem Haarausfall richtig, welche Anpassungen sinnvoll sind.

Was kostet eine Perücke bei Chemotherapie?

Nun kam der letzte Schritt: die Bezahlung.

Meine Freundin überreichte ihre ärztliche Verordnung, und das Studio kümmerte sich um die Abrechnung mit der Krankenkasse.

Sie war glücklich zu hören, dass ihre Krankenkasse damals mehr als 400 Euro dazugab. In ihrem Fall waren dadurch die Perücke, der Haarkranz, die Schiebermütze und sogar das Baumwollmützchen für die Nacht abgedeckt.

Das war natürlich eine tolle Nachricht!

Wie viel die Krankenkasse übernimmt, hängt allerdings von der jeweiligen Kasse, den vertraglichen Regelungen und der konkreten Versorgung ab. Nicht jedes Zubehör wird automatisch bezahlt. Frag deshalb am besten vorher im Zweithaarstudio und bei deiner Krankenkasse nach, welche Kosten übernommen werden und ob du etwas zuzahlen musst.

So vermeidest du unangenehme Überraschungen.

Nimm dir jemanden mit, der dir guttut

Also: Hab keine Angst davor, in ein Perückengeschäft zu gehen.

Die Beraterinnen dort sind in der Regel erfahren und wissen, worauf es ankommt. Neben der fachlichen Beratung ist aber auch das Einfühlungsvermögen wichtig.

Wenn du dich mit einer Beraterin nicht wohlfühlst, darfst du um eine andere Ansprechpartnerin bitten oder dich in einem anderen Geschäft beraten lassen. Du sollst dich gut aufgehoben fühlen. Sowohl bei der Beratung als auch später mit deinen neuen Haaren.

Und nimm dir ruhig eine oder mehrere Freundinnen mit. Vielleicht deine Schwester oder deine Mutter. Jemanden, der dich kennt, dir ehrlich sagt, ob dir das Haarteil steht, und mit dir lacht, wenn ihr gemeinsam vor dem Spiegel steht.

Denn eines finde ich besonders wichtig:

Du darfst dir mit deinen neuen Haaren nicht fremd sein. Du sollst immer noch DU sein.

Und wie ging es meiner Freundin?

Meine Freundin behielt ihre neue Perücke gleich auf, weil sie sich damit so wohl und fesch fühlte.

Es waren genau die Haare, die sie sich von der Fülle her immer gewünscht hatte, erzählte sie mir.

Und dann sagte sie zu mir:

„DANKE, liebe Diana, dass du mir dazu geraten hast, in dieses Perückengeschäft zu gehen. Ich fühle mich nun sicherer, wenn es mit dem Haarausfall so weit ist. Und ich weiß, dass ich mich mit meiner Perücke wohlfühlen werde und mich nicht verstecken muss.“

Hach, wie schön!

Zur Feier des Tages gingen wir drei danach frühstücken. Es war ein richtig schöner Vormittag. Wir haben viel gelacht, und für eine Weile spielte der Krebs einfach keine Rolle.

Genau solche Momente wünsche ich dir auch. Menschen an deiner Seite, die dich begleiten, mit dir lachen und dir helfen, dich trotz allem wieder ein bisschen sicherer zu fühlen.

 

Kleiner Nachtrag: Meine Freundin hat alles überstanden und es geht ihr heute gut!

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