Gesundheit & Wissen
Chemotherapie - Mir schmeckt nix!
Wenn Spaghetti plötzlich nach Seife schmecken, Schokolade zum Trost wird und der Appetit Achterbahn fährt. Meine Erfahrungen und Tipps, die dir diese Zeit vielleicht ein bisschen leichter machen.
Kennst du das? Du kommst von der Chemotherapie nach Hause und hast auf einmal Lust auf etwas richtig Leckeres. Vielleicht freust du dich schon den ganzen Tag auf deine geliebten Spaghetti. Du kochst sie, setzt dich an den Tisch, nimmst den ersten Bissen – und dann das:
Seife! Oder Metall. Einfach ekelhaft!
Genau das habe ich während meiner Chemotherapie erlebt. Bei mir schmeckte vor allem Salziges plötzlich nach Seife. Das Essen, das ich sonst so gern mochte, war auf einmal kaum noch genießbar.
Und weißt du, was ich damals besonders tröstlich fand? Schokolade schmeckte weiterhin nach Schokolade. Süß war süß und nicht plötzlich seifig oder metallisch. Was für ein Glück!
Auch Pellkartoffeln mit Quark, Kartoffelbrei mit Ei und Fruchtquark gehörten zu meinen Favoriten. Es waren einfache Gerichte, die ich gut essen konnte, wenn vieles anderes nicht mehr schmeckte.
Heute weiß ich: Solche Geschmacksveränderungen können während einer Chemotherapie vorkommen. Manche Menschen schmecken Metall, andere finden bestimmte Speisen bitter, fade oder ungewöhnlich süß. Manchmal verändern sich auch der Geruchssinn und das Gefühl im Mund.
Das ist lästig, kann einem richtig den Appetit verderben und manchmal auch die Freude am Essen nehmen.
Aber du kannst einiges ausprobieren, um dir diese Zeit leichter zu machen.
Wenn das Essen plötzlich anders schmeckt
1. Weniger Salz, mehr Kräuter
Weil bei mir Salziges nach Seife schmeckte, habe ich beim Kochen zunächst weniger oder gar kein Salz verwendet.
Wenn du für die Familie kochst, kannst du das Essen erst einmal wenig salzen und die anderen am Tisch selbst nachwürzen lassen.
Stattdessen kannst du mit Kräutern experimentieren. Petersilie, Basilikum, Schnittlauch oder Rucola bringen Geschmack ins Essen. Vielleicht schmeckt dir auch eine milde Soße oder ein wenig Gemüsebrühe besser als stark gesalzene Speisen.
Allerdings reagiert jeder Mensch anders. Was für mich funktioniert hat, muss für dich nicht passen. Probiere einfach aus, welche Würzung dir gerade angenehm ist.
2. Finde deine persönlichen Wohlfühlgerichte
In dieser Zeit darfst du es dir beim Essen einfach machen.
Wenn dir leichte Speisen besser bekommen, kannst du gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, Nudeln, Toastbrot oder einen milden Grießbrei ausprobieren. Vielleicht schmecken dir Suppen oder Kartoffelpüree besonders gut.
Und wenn du plötzlich nur Lust auf etwas ganz anderes hast, darf das ebenfalls sein.
Ich erinnere mich noch daran, dass ich während der Chemo manchmal Heißhunger auf Currywurst hatte, obwohl ich sonst gar keine Wurst esse. Das war schon ziemlich ungewöhnlich für mich!
Aber wenn es mir geschmeckt hat, habe ich mich darüber gefreut.
Du musst während der Chemotherapie nicht nach einem perfekten Ernährungsplan essen. Wichtig ist vor allem, dass du genügend Energie und Nährstoffe bekommst und möglichst das isst, was du gut verträgst.
3. Wenn alles metallisch schmeckt
Ein metallischer oder unangenehmer Geschmack im Mund kann den Appetit zusätzlich verderben.
Vielleicht hilft es dir, vor dem Essen den Mund mit Wasser auszuspülen. Auch eine sanfte Mundpflege oder das Ölziehen kann angenehm sein.
Manche Betroffene empfinden es als hilfreich, statt Metallbesteck Besteck aus Kunststoff oder Holz zu verwenden. Du kannst es einfach ausprobieren.
Kaugummi oder zuckerfreie Bonbons können außerdem den Speichelfluss anregen und den Geschmack im Mund vorübergehend verändern. Wenn deine Mundschleimhaut wund ist, solltest du allerdings auf saure oder scharfe Produkte verzichten, die zusätzlich reizen könnten.
Ich selbst habe damals auch Ölziehen ausprobiert. Mir persönlich hat sich der Mund danach angenehmer angefühlt. Eine gesicherte Wirkung gegen die durch Chemotherapie verursachten Geschmacksveränderungen oder Schleimhautbeschwerden ist allerdings nicht belegt. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, findest du meine Erfahrungen im Beitrag „Ölziehen während der Chemo“.
Was ist mit Übelkeit?
Vielleicht bleibt es nicht nur beim veränderten Geschmack. Manche Frauen kämpfen während der Chemotherapie auch mit Übelkeit. Das kann besonders unangenehm sein, wenn du ohnehin wenig Appetit hast.
Wenn du betroffen bist, sprich mit deinem Behandlungsteam darüber. Es gibt Medikamente, die Übelkeit vorbeugen oder lindern können. Du musst diese Beschwerden nicht einfach aushalten.
Ein paar kleine Dinge kannst du zusätzlich ausprobieren:
Iss langsam und lieber mehrere kleine Portionen als eine große Mahlzeit.
Trinke immer wieder kleine Schlucke, wenn dir das angenehmer ist.
Probiere milde Lebensmittel wie Zwieback, Toast, Banane oder eine leichte Suppe, sofern du sie gut verträgst.
Wenn Essensgerüche dich stören, können kalte oder lauwarme Speisen angenehmer sein.
Ruhe dich aus, wenn du erschöpft bist, oder lenke dich mit Musik oder einem Hörbuch ab.
Ingwertee wird von manchen Menschen als angenehm empfunden. Ob er gegen die Übelkeit während deiner Chemotherapie hilft, lässt sich aber nicht für alle sagen. Wenn du ihn ausprobieren möchtest, besprich das bei Unsicherheit mit deinem Behandlungsteam. Er ersetzt keine verordneten Medikamente gegen Übelkeit.
Und bitte: Warte nicht, bis du kaum noch trinken kannst. Wenn du wiederholt erbrichst, Flüssigkeit nicht bei dir behalten kannst oder dich sehr schwach fühlst, solltest du dich zeitnah medizinisch melden.
Wenn du keinen Appetit hast
Manchmal schmeckt nicht nur alles anders – manchmal hast du überhaupt keine Lust zu essen.
Das kann verschiedene Gründe haben: Übelkeit, ein veränderter Geschmackssinn, Erschöpfung oder eine empfindliche Mundschleimhaut. Vielleicht bist du auch einfach mit allem überfordert, was gerade auf dich einströmt.
Mir gefällt der Gedanke, sich in dieser Zeit nicht auch noch durch feste Essenszeiten unter Druck zu setzen. Wenn du morgens kaum Appetit hast, kannst du später etwas essen. Wenn dir nachmittags nach einem kleinen Snack ist, nutze den Moment.
Ein paar Dinge können helfen:
Kleine Portionen: Fünf oder sechs kleinere Mahlzeiten oder Snacks können leichter fallen als drei große Teller.
Vorkochen: Wenn du dich an einem besseren Tag fit fühlst, bereite ein paar Mahlzeiten vor. Dann musst du später nur noch etwas aufwärmen. Wenn dich Essensgerüche stören, können kalte Speisen eine gute Alternative sein.
Einfache Vorräte: Halte Lebensmittel bereit, die du gerne magst und gut verträgst. Vielleicht sind das Cracker, Haferflocken, Joghurt, Nüsse, Brot oder etwas Fruchtquark.
Essen ansprechend machen: Ein hübsch angerichteter kleiner Teller oder ein schöner Platz am Tisch kann manchmal helfen. Aber mach dir keinen zusätzlichen Stress daraus. Wenn dir heute nicht nach Tischdekoration ist, ist das genauso in Ordnung.
Speisen gehaltvoller machen: Wenn du nur kleine Mengen essen kannst, können je nach Verträglichkeit beispielsweise Nussmus, Joghurt, Öl oder Sahne helfen, die Mahlzeit energiereicher zu machen.
Wenn du deutlich abnimmst, über längere Zeit kaum essen kannst oder immer schwächer wirst, hole dir Unterstützung. Dein Behandlungsteam kann mit dir besprechen, ob eine Ernährungsberatung oder zusätzliche Trinknahrung sinnvoll ist.
Auch zum Thema, was bei Appetitlosigkeit hilft, habe ich einen Beitrag geschrieben. Schau gerne mal rein.
Bitte sei nicht streng mit dir
Wenn dir das Essen während der Chemotherapie schwerfällt, ist das nicht deine Schuld. Du musst nicht jeden Tag alles richtig machen und auch keine Lebensmittel essen, die du gerade nicht verträgst.
Es kann sein, dass du eine Zeit lang nur wenige Gerichte magst. Vielleicht ändert sich das im Laufe der Behandlung wieder. Viele Geschmacksveränderungen bessern sich nach dem Ende der Therapie, manchmal dauert es allerdings länger.
Versuche, dir den Druck zu nehmen. Wenn du heute deine Pellkartoffeln mit Quark essen kannst, ist das gut. Wenn es morgen nur ein kleiner Snack ist, darf auch das sein.
Und wenn dir etwas plötzlich schmeckt, das du früher gar nicht mochtest? Dann lass es dir schmecken!
Mein Fazit
Ich erinnere mich noch gut daran, wie frustrierend es war, wenn mein Lieblingsessen plötzlich nach Seife schmeckte. Gleichzeitig gab es die kleinen Lichtblicke – die Schokolade, die weiterhin nach Schokolade schmeckte, oder meine geliebten Pellkartoffeln mit Quark.
Vielleicht helfen dir einige meiner Tipps. Vielleicht musst du auch erst ein wenig experimentieren, bis du herausfindest, was dir gerade guttut.
Hör auf deinen Körper, aber bleib mit deinen Beschwerden nicht allein. Geschmacksveränderungen, Übelkeit und Appetitlosigkeit sind belastend, und dein Behandlungsteam kann dich dabei unterstützen.
Du musst in dieser Zeit nicht perfekt essen. Du darfst ausprobieren, was dir schmeckt, und dir Hilfe holen, wenn es schwierig wird.
Alles Liebe,
Diana 💚
Quellen und weiterführende Informationen
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Geschmacksstörungen bei Chemotherapie – was tun?
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/geschmacksstoerungen-bei-chemotherapie-was-tun
Deutsche Krebshilfe: Ernährung bei Krebs
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/ernaehrung-bei-krebs/
Dieser Artikel beruht teilweise auf meinen persönlichen Erfahrungen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische Beratung.

